Auf einem Wirtschaftsweg in Gaxel waren sich Autofahrer und Nordic Walkerinnen begegnet. Vor Gericht gab es zwei grundsätzlich unterschiedliche Versionen, wie die Begegnung ablief. © picture alliance / dpa
Nötigung

Lehrerinnen fühlten sich beim Walken durch Auto bedrängt – Anzeige

Wie heikel war das Überholmanöver in Gaxel? Keine leichte Frage. Ein Autofahrer (26) und zwei Nordic-Walkerinnen (38 und 47) trafen sich deswegen am Dienstag im Ahauser Amtsgericht wieder.

Ein Autofahrer und zwei Nordic-Walkerinnen sind im vergangenen Dezember auf einem Gaxeler Wirtschaftsweg aneinandergeraten. Am Dienstag landete der Fall vor dem Ahauser Amtsgericht. Der Vorwurf – Nötigung: Der Autofahrer sei viel zu schnell und viel zu nah hupend an den beiden Frauen vorbeigefahren.

Vor Gericht erklärte der 26-Jährige, dass er 30 oder 40 km/h gefahren sei. Allerhöchstens 50. Und beim Überholen auch ausreichend Abstand gehalten habe. „Ich bin schon auf meiner Seite auf dem Grünstreifen gefahren“, erklärte er.

Aus einiger Entfernung habe er einmal die Lichthupe betätigt, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Frauen hätten nicht reagiert. Erst danach habe er dann einmal gehupt, weil die Frauen keinen Platz gemacht hätten.

Auch habe er gar nicht mit hohem Tempo auf sie zufahren können, weil sein Auto mit entsprechenden Assistenzsystemen ausgerüstet sei. „Wenn es ein Hindernis wie einen Fußgänger erkennt, löst es automatisch die Vollbremsung aus“, erklärte er und wedelte dabei mit etlichen Unterlagen zur Ausstattung seines Fahrzeugs.

Nordic-Walkerinnen fühlten sich von Fahrweise bedrängt

Die beiden Walkerinnen, Lehrerinnen aus Vreden, 38 und 47 Jahre alt, schilderten den Fall anders: Demnach sei der junge Mann mit enormem Tempo herangebraust und habe sich hupend Platz geschaffen. „Wir haben uns mit einem Sprung an die Seite in Sicherheit gebracht“, erklärte die 38-Jährige. „Sonst hätte er uns erwischt“, ergänzte sie. Sie habe sich bedrängt gefühlt und Angst gehabt.

Das sagte auch die 47-jährige Zeugin: Das Auto sei extrem schnell herangekommen. Wie groß der Abstand tatsächlich war, wie lange das alles gedauert habe, wie hoch die gefahrene Geschwindigkeit war und aus welcher Entfernung der Fahrer das erste Mal gehupt hatte, mochte sie nicht mehr abschätzen. „Ich empfand es aber als sehr, sehr heikel“, erklärte sie.

Das Auto hatten die beiden Frauen ein kurzes Stück weiter vor einem Haus wiedererkannt – und dort dann geklingelt, um den Fahrer zur Rede zu stellen. Weil das aber nicht den gewünschten Effekt brachte, hätten sie ihn dann angezeigt.

26-Jähriger nimmt Gegenvorschlag der Richterin schnell an

Unklar blieb vor Gericht, ob das Auto tatsächlich rundum mit den entsprechenden Sicherheitssensoren ausgerüstet war. Der Verteidiger brachte sogar noch ein Gutachten ins Spiel, das man für die Klärung dieser Frage einholen könne. Die Richterin hatte einen Gegenvorschlag: Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage.

Verteidiger und Angeklagter zogen sich für eine kurze Beratung zurück. Ergebnis: Der 26-Jährige zahlt 1200 Euro an die Verkehrswacht im Kreis Borken, das Verfahren wird eingestellt.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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