Lehrling beichtet Patzer nach 50 Jahren

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50 Jahre nach Beginn seiner Ausbildung zum Metzger hat Manfred Gevers seinen Meister Bernhard Polhuis wieder getroffen – und hatte einiges zu erzählen.

Vreden

, 01.08.2018, 18:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kannst du arbeiten?“ Das war die einzige Frage, die Bernhard Polhuis dem damals 14-jährigen Manfred Gevers beim Vorstellungsgespräch gestellt hat. Die Antwort war positiv und so fing der Vredener am 1. August 1968 die Ausbildung zum Metzger beim Ehepaar Polhuis an. Genau 50 Jahre später hat er seine Ausbilder jetzt wiedergetroffen. Das Gespräch nutze er auch für eine Beichte.

„Mein erster Handschlag am ersten Tag der Ausbildung war, dass ich eine ganze Stange voller Fleischwürste im Kühlhaus auf den Boden fallengelassen habe. Ich habe nur gedacht: Hoffentlich kommt jetzt keiner rein“, erinnert sich der heute 64-Jährige schmunzelnd. Sein damaliger Chef hört diese Geschichte beim Treffen am Mittwoch zum ersten Mal. „Ich habe das damals gar nicht mitbekommen“, meint Bernhard Polhuis (79) und nimmt es seinem allerersten Auszubildenden im eigenen Betrieb nicht übel.

Gerne Bauernjungs genommen - die konnten anpacken

Eigentlich wollte Manfred Gevers immer Bäcker werden. „Aber meine Mutter hat gesagt: Das mit dem frühen Aufstehen ist doch nichts für dich“, erzählt der heute in Ottenstein lebende, gebürtige Vredener. Also entschied er sich für den Beruf des Metzgers. Immerhin gab es auf dem heimischen Hof auch immer wieder Schlachtungen.

Über familiäre Kontakte hat er dann die Stelle beim Ehepaar Polhuis bekommen. „Ich habe am liebsten die Bauernjungs genommen. Die konnten arbeiten“, meint Bernhard Polhuis. Schließlich war der Beruf zur damaligen Zeit ein Knochenjob. Heute werde vieles maschinell gemacht, was damals noch mit Muskelkraft erledigt werden musste.

Die Metzgerei und das Schlachthaus des Ehepaares befanden sich von 1965 bis 1995 mitten in der Innenstadt, auf dem Gelände der heutigen Volksbank-Filiale. „Die Tiere wurden direkt dort angeliefert. Immer wieder mussten wir Schweine oder Kühe einfangen, weil sie ausgebüxt sind“, erinnert sich Christa Polhuis (75). Heute wäre das so gar nicht mehr möglich, genauso wie die Entsorgung von Innereien. „Die wurden mit einem offenen Anhänger abgeholt und dann quer durch die Stadt gefahren“, so Manfred Gevers. Bernhard Polhuis ergänzt: „Der Müll wurde dort abgeladen, wo bis vor Kurzem die Georgschule stand.“

Die erste Schlachtung

Der damals 14-jährige Gevers wurde während seiner Ausbildung in drei verschiedene Bereiche eingearbeitet: Schlachten, Zerlegen und Verkaufen. Der erste Tag seiner Lehre war ein Donnerstag, das weiß Manfred Gevers noch ganz genau. „Donnerstags wurde Großvieh, also zum Beispiel Kühe, geschlachtet und ich musste sofort helfen. Da hatte ich natürlich Herzklopfen. Nach 14 Tagen hatte ich mich daran gewöhnt. Aber ich muss sagen, heute würde es mir wieder schwerer fallen“, meint der 64-Jährige Ottensteiner.

Nach der Ausbildung in Vreden ist er erst einmal zur Bundeswehr gegangen und hat später seinen Meister gemacht. Doch nach 22 Jahren musste er den Metzger-Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Er machte eine Umschulung und war danach beim Werkschutz im Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus tätig. In diesem Bereich hat er einen zweiten Meister gemacht.

Trotzdem: Wenn er noch einmal 14 wäre, würde er sich sofort wieder für eine Metzger-Lehre entscheiden, meint Manfred Gevers. „Heute will den Job ja keiner mehr machen. Dabei ist er so vielseitig und abwechslungsreich.“ Zusammen mit Christa und Bernhard Polhuis kann er viele Metzger aufzählen, die es vor 50 Jahren in Vreden gab. Heute ist davon nur noch eine Handvoll übrig. Auch das Ehepaar Polhuis musste ihr Geschäft 1995 schließen, als der Mietvertrag gekündigt wurde und kein Nachfolger in Sicht war.

Weniger Auszubildende

Nach Angaben der Handwerkskammer Münster gab es 2006 im Münsterland 302 Metzgerei-Betriebe, zehn Jahre später waren es nur noch 236. Das größte Problem: akuter Mitarbeiter- und Nachwuchsmangel. Der Ausbildungsberuf Fleischer ist bei jungen Leuten nicht besonders beliebt. Ende 2016 waren nach Angaben des Deutschen Fleischer-Verbandes rund 3000 Menschen in einer Fleischer-Ausbildung, 1999 waren es noch über 10.000.

Manfred Gevers kann das nicht so richtig nachvollziehen. Auch bei seinen drei Kindern hat er den eigenen Beruf immer wieder angepriesen. Mit Erfolg: Seine Tochter ist gelernte Fleischereifachverkäuferin und Filialleiterin eines großen Betriebes.

Lehrling beichtet Patzer nach 50 Jahren

Manfred Gevers (r.) hat 50 Jahre nach Beginn seiner Lehre seine alten Arbeitgeber Bernhard und Christa Polhuis getroffen. Den gestreiften Kittel aus dieser Zeit hat er noch.thünte © Victoria Thünte

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