Nur 100 der 661 bestellten Tablets wurden bislang geliefert. Einen Liefertermin für den Rest gibt es noch nicht. © Victoria Garwer
Digitalisierung

Liefertermin unklar: Schulen warten auf mehr als 550 bestellte Tablets

Auf komplett digitalen Unterricht war in Vreden niemand vorbereitet. Da helfen auch die gut ausgestatteten Schulgebäude nicht. Ein Großteil der bestellten Tablets lässt auf sich warten.

Rund 1,2 Millionen Euro hat die Stadt Vreden in den vergangenen fünf Jahren in die Digitalisierung der Schulen investiert. Das berichtete Kämmerer Jürgen Buckting in der letzten Ratssitzung des Jahres. Die SPD hatte den Antrag gestellt, über das Thema auf dem Laufenden gehalten zu werden.

„Alle Schulen haben seit zwei Jahren eine Glasfaseranbindung“, so Jürgen Buckting. Einzige Ausnahme ist die Grundschule in Ellewick. Außerdem gebe es in den Gebäuden flächendeckend W-Lan, in jedem Raum ist ein Netzwerkanschluss. In den vergangenen fünf Jahren wurden zudem viele Klassen mit Beamern, Computern oder Laptops, Dokumentenkameras, Lautsprechern, Mediensteuerung und zum Teil mit digitalen Tafeln ausgestattet.

Wo investiert wird, richtet sich nach dem Medienentwicklungsplan. Auf dieser Grundlage führt die Verwaltung jährlich ein Gespräch mit den Schulleitern und den IT-Fachlehrern und legt den Bedarf fest. Der aktuelle Medienentwicklungsplan galt von 2015 bis 2020, über den neuen Plan sollen die Lokalpolitiker Anfang 2021 beraten und beschließen.

Gute Ausstattung der Schulen bringt im Lockdown nichts

Doch eines muss Kämmerer Jürgen Buckting zugeben: „Wir merken jetzt, dass Endgeräte fehlen. Aber das war vorher auch nie eine Forderung.“ Schließlich habe man vor der Pandemie nie das Ziel gehabt, den Schulunterricht komplett digital und zu Hause stattfinden zu lassen.

„Dass die Schulen so gut ausgestattet sind, hat uns bei der Schulschließung nichts gebracht“, sagt auch Christoph Terrahe (CDU), der als Lehrer am Gymnasium arbeitet. Das sei vermutlich auch der Grund, warum es in der Öffentlichkeit so aussehe, als hätte die Stadt Vreden in Sachen Digitalisierung einiges nachzuholen. Diesen Eindruck nämlich hatte Reinhard Laurich (SPD) geschildert: „Wir hören immer wieder von Eltern und Schülern, dass es da gehörig hakt.“

Auf die neue Situation hat die Stadt im Sommer reagiert. Es wurde eine einheitliche Software eingeführt, über die die Schulen zum Beispiel Videokonferenzen abhalten oder E-Mails schreiben können. Damit die Schüler das jedoch auch nutzen können, brauchen sie die entsprechenden Endgeräte.

661 Tablets bestellt, nur 100 geliefert

Aus dem Sofortausstattungsprogramm des Landes NRW wurden für digitale Endgeräte 139.000 Euro aufgewendet, die zu 90 Prozent (=125.000 Euro) durch das Land NRW erstattet werden. Diese Geräte sind für Schüler mit besonderem Bedarf gedacht. Für die Ausstattung der Lehrkräfte werden die Kosten in Höhe von 124.000 Euro vollständig durch das Land NRW erstattet.

Die Stadt Vreden hat 661 Tablets bestellt, 198 davon sind für die Lehrkräfte gedacht, der Rest für Schüler. Mit den bereits vorhandenen 265 Tablets stehen dann also 926 Tablets zur Verfügung. Allerdings wartet die Stadt noch auf die Lieferung. Bislang sind nur 100 Geräte angekommen. Das liegt daran, dass momentan bundesweit alle Kommunen ihre Schulen aufrüsten. Bestellt wurden zusätzlich 50 Laptops für die Lehrkräfte und 70 Apple TVs für die Schulen.

„Es braucht auch ein pädagogisches Konzept“

Eines jedoch betont Jürgen Buckting: „Es bringt nichts, die Schulen einfach mit Tablets zuzuschmeißen. Es braucht auch ein pädagogisches Konzept.“ Hier seien die Lehrer gefragt, die Möglichkeiten anzunehmen und zu nutzen. Auch Mareen Waning (SPD) meinte: „Digitalisierung ist kein Allheilmittel.“

Auf Antrag der SPD wird sich die Arbeitsgruppe aus Verwaltung, Politik, Schulleitern, Lehrern, Schülern und Eltern, die für das Thema Schutz vor Covid19 gegründet wurde, auch mit der Digitalisierung beschäftigen. Die Sitzung soll zeitnah und digital stattfinden.

Über die Autorin
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
Zur Autorenseite
Victoria Garwer

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt