Mit einem Luftgewehr hat der 56-Jährige 2019 auf seine Nachbarin geschossen. © picture alliance / dpa
Nachbarschaftsstreit

Mann (56) schießt mit Luftgewehr auf Nachbarin: „Ich mach Dich tot“

Ein 56-jähriger Mann, der zuletzt im St. Antoniusheim in Vreden untergebracht war, hat sich zuvor über Monate mit einer Nachbarin gestritten. Am Ende griff der Mann sogar zum Luftgewehr.

Jedes Mal, wenn der 56-Jährige, der bis vor Kurzem noch im St. Antoniusheim in Vreden untergebracht war, zur Flasche greift, wird es gefährlich. Gefährlich für seine Mitmenschen. Unberechenbarkeit und eine starke Neigung zu Gewalt im Rausch treiben den Mann bisher durch sein Leben. Das bekam auch seine ehemalige Nachbarin zu spüren.

Es ist der 19. Juni 2019. Gronau. Eine kleine Nebenstraße im östlichen Stadtteil. Der heute 56-Jährige hat viel getrunken. Und obwohl ihm die Polizei nach zuvor etlichen Gewalt- und Beleidigungseskapaden auferlegt hat, keine Waffen besitzen zu dürfen, hat sich der Mann ein Luftgewehr mit hunderten Schuss besorgt.

56-Jähriger schießt auf seine Nachbarin

Mit diesem im Anschlag steht er vor seiner Garage. Wenige Meter entfernt öffnet seine Nachbarin die Haustür. Zuvor hatte der Mann einen Stein vor ihre Tür geschmissen. Jetzt, wo die Frau vor der Tür steht, zielt der 56-Jährige mit dem Gewehr auf sie, drückt ab und verfehlt sie. Die Frau kann sich in Sicherheit bringen. „Ich mach Dich tot“, ruft der Mann ihr dabei nach.

So verlas es der Richter am Landgericht Münster aus den Akten. Denn dort wurde diese versuchte gefährliche Körperverletzung und weitere Vergehen des Mannes jetzt verhandelt – auf Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft. Das Amtsgericht Gronau hatte den 56-Jährigen seinerzeit zu 15 Monaten auf Bewährung und einer Unterbringung in einer Entzugseinrichtung verurteilt.

Grund für die Streitigkeiten bleibt unklar

Warum und wieso sich der Mann mit seiner Nachbarin über Monate zoffte, wurde nicht thematisiert. Auch ging es nicht um schuldig oder unschuldig, sondern darum, wie die Bestrafung aussehen soll und wie das mit der Therapie im Detail laufen soll.

Bis vor einer Woche war der Mann noch im St. Antoniusheim in Vreden untergebracht. Am 13. Juli wurde er wegen zahlreicher Eskapaden im Alkoholrausch vor die Tür gesetzt.
Bis vor einer Woche war der Mann noch im St. Antoniusheim in Vreden untergebracht. Am 13. Juli wurde er wegen zahlreicher Eskapaden im Alkoholrausch vor die Tür gesetzt. © Markus Gehring © Markus Gehring

Und direkt zu Beginn der Verhandlung gab es eine Überraschung. Der Angeklagte hat keinen festen Wohnsitz mehr. Nach den Vorfällen in Gronau war er im St. Antoniusheim in Vreden untergekommen. Doch bei der Wohnungshilfe gab es nur Probleme. Der Angeklagte, das sagte er offen aus, betrank sich auch dort regelmäßig und wurde gegenüber den Mitarbeitern ausfällig.

„Jeden Montag ist mein Zimmernachbar nach Vreden rein und hat mir ne Flasche Korn mitgebracht“, so der 56-Jährige. Nachdem er diese und „ein paar Bier“ getrunken habe, sei es immer wieder zu Eskapaden gekommen. Es hagelte schriftliche Abmahnungen, ehe die Einrichtung am 13. Juli dieses Jahres die Reißleine zog und den Mann vor die Tür setzte.

Der 56-Jährige ist stark alkoholabhängig

„Und wo leben Sie jetzt?“, hakte der Richter nach. „Ich zelte in Gronau“, lautete die Antwort. Sein geringes Hab und Gut habe er bei der Familie in Gronau zwischengelagert. Zu diesen zu ziehen, sei keine Option, so seine Verteidigerin. „Das Verhältnis ist belastet. Und wenn mein Mandant getrunken hat, ist er nicht mehr händelbar.“

Das bestätigte auch ein Facharzt für Suchttherapie vor Gericht. Seine Diagnose: Starke Alkoholabhängigkeit beim 56-Jährigen und fehlende Einsichtsfähigkeit. Seine dringende Empfehlung: Eine Entzugstherapie und das so schnell wie möglich. Auch, weil die bisherigen Versuche des Angeklagten keinen langfristigen Erfolg brachten.

Haftstrafe ohne Bewährung

Im Plädoyer wurde die Staatsanwältin deutlich: „Momentan stehen Sie unter keiner Kontrolle, da Sie obdachlos sind.“ Und weiter: „Sie sind eine Gefahr für die Allgemeinheit. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert.“

Sie forderte die 15 Monate Haftstrafe ohne Bewährung ein, ebenso die Unterbringung in den Maßregelvollzug (Entziehungsanstalt). Dem nicht genug. Bis zum Beginn der Therapie solle es einen sechsmonatigen Vorwegvollzug geben. Sprich: Erst Gefängnis, dann Maßregelvollzug.

Naturgemäß sah das die Verteidigerin des Mannes anders. „Einen Vorwegvollzug halte ich nicht für sinnig.“ Geholfen hat der Einwand nichts. Das Gericht folgte im vollen Umfang der Forderung der Staatsanwaltschaft.

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