Der perfekte Schnitt: Die 325 Quadratmeter Rasenfläche hinter dem Haus von Matthias Merten und seiner Familie am Fasanenweg werden liebevoll gepflegt. Die grünen Halme sind das große Hobby des 45-Jährigen und sein Ausgleich zu seiner Arbeit in der IT-Branche. © Stephan Rape
Rasenpflege extrem

Matthias Merten (45) aus Vreden und seine Liebe zum perfekten Rasen

Der Rasen ist der ganze Stolz vieler Gartenbesitzer. Der Vredener Matthias Merten treibt das auf die Spitze: In seine 325 Quadratmeter Rasenfläche investiert er jede Menge Herzblut.

Es gibt die eher vernachlässigten, mit Moos durchsetzten Grasflächen, es gibt gepflegten Rasen im Garten – und es gibt die Rasenfläche von Matthias Merten. Ein Rasen, der es auf Instagram schon zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Normalerweise ist er fein säuberlich geschnitten. Im Schachbrett- oder Linienmuster. Exakt getrimmt, gewalzt und ins rechte Licht gerückt. Gerade stehen die Halme allerdings etwas länger. Der Rasen befindet sich in einer Pflegephase.

Matthias Merten (45) liebt und pflegt seinen Rasen. Im Freundes- und Bekanntenkreis wird er natürlich oft um Rat gefragt. Auf seinem Instagram-Account
Matthias Merten (45) liebt und pflegt seinen Rasen. Im Freundes- und Bekanntenkreis wird er natürlich oft um Rat gefragt. Auf seinem Instagram-Account „mms_rasenwerk“ veröffentlicht er regelmäßig aktuelle Bilder von seinem Rasen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Der 45-jährige Vredener Matthias Merten ist vernarrt in den grünen Teppich hinter seinem Haus am Fasanenweg. Liebevoll hegt und pflegt er die 325 Quadratmeter – und hat sich über die Jahre zu einem echten Rasenprofi entwickelt. Wie viel Zeit er dort investiert, mag er nicht genau beziffern. „Meine Frau sagt natürlich zu viel“, erklärt er grinsend. Und zählt auf: Mindestens dreimal die Woche mähen, samstags wird der Rasen mit Flüssigdünger versorgt. Dazu kommen bis zu 154 Pflegeeinsätze im Jahr – um den Rasen zu belüften, den Boden zu lockern, Sand zu streuen … Zu tun gebe es eigentlich immer etwas.

Rasen-Spleen entwickelte sich bei ihm mit Mitte 20

Irgendwann mit Mitte 20 habe ihn der Rasen gepackt und sich zum Spleen entwickelt. „Ich hab da auf einem Golfplatz gestanden und das Putting Green gesehen. Das fand ich einfach toll“, sagt er. Auch die Streifenmuster auf Fußballplätzen faszinierten ihn. Auf einen gut gepflegten Rasen habe er da schon immer Wert gelegt. Doch zum Spleen habe sich das erst nach und nach entwickelt. Vielleicht seit zwei Jahren betreibe er das Hobby „Rasen“ exzessiv. „Ich würd’s als pathologisch bezeichnen“, gibt er unumwunden zu.

Der Spindelmäher sorgt nicht nur für einen sauberen Schnitt, sondern läuft auch besser geradeaus als ein Sichelmäher. Nur so seien die sauberen Linien möglich.
Der Spindelmäher sorgt nicht nur für einen sauberen Schnitt, sondern läuft auch besser geradeaus als ein Sichelmäher. Nur so seien die sauberen Linien möglich. © privat © privat

Was das genau bedeutet, wird beim Blick in seine Garage deutlich: Ein ganzer Maschinenpark ist dort fein säuberlich aufgereiht. Unterschiedliche Spindelmäher, eine Spritze für Flüssigdünger, Walzen, ein Gerät, um den Boden zu belüften, mehrere hundert Kilo Quarzsand, um den Boden aufzulockern.

Spindelmäher für den sauberen Schnitt

Einen der Mäher nennt er dann auch als letzten Auslöser für den „Spleen“: „Ich wollte einen Spindelmäher haben, weil der einen ganz anderen Schnitt produziert, als ein üblicher Sichelmäher“, sagt er. Der Sichelmäher – also jenes profan handelsübliche Gerät, das auf normalsterblichen Rasenflächen seinen Dienst versieht – schlage die Rasenhalme ab. Sie fransen aus. Dieser unsaubere Schnitt sei zum Einen optisch nicht schön. Andererseits bietet er Krankheiten idealen Nährboden. Der Spindelmäher hingegen schneide die Halme sauber wie mit einer Schere ab. Und mit dem ersten Profi-Mäher waren alle Dämme gebrochen.

Die Preise für die einzelnen Geräte mag er nicht nennen. Die habe er gebraucht gekauft, online oder bei Bekannten. „Günstig geschossen“, sagt er lächelnd. Und auch sonst redet er nicht zu viel über die Kosten: „Es ist eben ein Hobby“, sagt er.

Und noch einen Vorteil hat der Spindelmäher: Damit lässt sich der Rasen viel kürzer schneiden. „Ein normaler Mäher schneidet den Rasen auf 20 oder 25 Millimeter“, sagt Matthias Merten. Für den normalen Gartenbesitzer sei das schon kurz. „Meinen Rasen schneide ich im Sommer auf acht Millimeter, wenn das Wetter und die Pflegebedingungen es zulassen“, erklärt er.

Kurzer, dichter, grüner Teppich ist das oberste Ziel

Ein so kurzer Rasen – eben genau so kurz wie rund um das Loch auf einem Golfplatz – gleicht dann schon eher einem dicken, grünen Teppich, als einem üblichen Rasen. Doch spätestens da wird es kompliziert: „Längst nicht jeder Rasen kann so kurz geschnitten werden“, sagt er. Allerdings ließen sich auch mit dem Rasensamen vom Discounter gute Ergebnisse erzielen.

Düngemittel und ihr Einsatz auf der Rasenfläche sind eine Wissenschaft für sich. Ein Kanister mit Düngemitteln oder Zusätzen für den Rasen könne schon mal ein paar hundert Euro kosten. „Der reicht dann aber auch für mehrere Jahre“, sagt er.

Wenn Matthias Merten seinen Rasen auf wenige Millimeter Länge kürzt, sind auch aufwendige Muster wie dieses Karo möglich. Dafür müssen allerdings Wetter- und Pflegebedingungen passen.
Wenn Matthias Merten seinen Rasen auf wenige Millimeter Länge kürzt, sind auch aufwendige Muster wie dieses Karo möglich. Dafür müssen allerdings Wetter- und Pflegebedingungen passen. © privat © privat

Denn einfach nur viel zu düngen, bringe nichts. „Das ist so, als wenn man als Mensch viel Fastfood isst: Erstmal ist man satt, aber auf Dauer ist so eine Diät ziemlich ungesund“, sagt er. Das gelte für den Rasen genauso: Stickstoff, Phosphor und Kalium müssten im Boden in einem empfindlichen Gleichgewicht sein. Nur dann funktioniere der Stoffwechsel richtig. Und ein gesunder Boden schaffe ein gesundes Pflanzenwachstum.

Mischung aus Chemie, Physik und Technik

Da schlummert für ihn die eigentliche Faszination: im Zusammenspiel aus Biochemie, Bodenphysik, Geowissenschaft und Technik. Und in der Gemeinschaft mit anderen „Rasen-Verrückten“: Rund 100 dieser Enthusiasten gebe es in Deutschland. International noch einmal viel mehr.

Denn der Trend zum perfekten Rasen komme ursprünglich aus den USA und Australien. Über Instagram (#lawngoals) kommen sie miteinander ins Gespräch, fachsimpeln oder zeigen sich gegenseitig ihre Ergebnisse.

Rasen darf natürlich betreten werden

Jetzt aber die eigentlich wichtigste Frage: Darf ein so umsorgter Rasen überhaupt betreten werden? Oder gilt er im Garten der Mertens als unberührbares Heiligtum? Matthias Merten muss laut lachen: „Natürlich darf man auf den Rasen treten. Dafür ist er ja da.“ Schließlich sollen auch die gerade neugeborenen Zwillinge einmal über den Rasen toben und spielen.

Es gehe ihm ja darum, einen gesunden und belastbaren Rasen zu haben. Dass das möglich ist, zeige ein Blick in die großen Fußballstadien: „Die Greenkeeper dort schaffen es ja auch, dass der Rasen direkt vor den Toren, also da wo die Belastung am größten ist, immer gut aussieht.“

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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