Gleichstellungsbeauftragte Christine Ameling geht davon aus, dass die komplette Gleichstellung in 200 Jahren erreicht ist. Sie möchte den Weg dafür ebnen. © Victoria Garwer
Gleichstellung in Vreden

Mit Video: Brauchen wir noch Gleichstellung? – „Ja!“, findet Christine Ameling

Gerade im Juni stellte Christine Ameling den Zwischenbericht des Gleichstellungsplans in der Ratssitzung vor. Im Video erklärt sie, warum wir die Gleichstellung unbedingt brauchen.

Ob im Beruf oder Privat: Die Gleichstellung ist noch längst nicht überall angekommen. In Vreden arbeitet Christine Ameling aber genau auf das Ziel hin. Die Diplom-Sozialpädagogin ist seit September 2018 Gleichstellungsbeauftragte für die Stadt.

Seminare und Fortbildungen sind gefragt

Sowohl innerhalb der Verwaltung als auch außerhalb bietet sie Seminare und Fortbildungen. „Dabei geht es etwa um Frauen im Berufsleben, oder wie Frauen lernen können sich selbst mehr zu schätzen. Der Bedarf ist auf jeden Fall da, die Seminare sind immer voll“, erzählt Christine Ameling.

Und das ist nur ein Teil ihrer Arbeit. Sie organisiert ebenfalls den Arbeitskreis „Keine Gewalt an Frauen“ in Vreden. Denn auch im Kreis Borken ist die Gewalt an Frauen präsent. „Es gab im letzten Jahr fast 700 Einsätze durch häusliche Gewalt. Das sind allein die, die der Polizei gemeldet werden“, sagt sie.

Höhere Gewaltbereitschaft durch Pandemie

Die Dunkelziffer sei mindestens doppelt so hoch. Gerade durch die Pandemie kommt es immer öfter zu Gewalt an Frauen in den eigenen vier Wänden. Dafür muss sensibilisiert werden, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Um dem entgegenzuwirken, müssen Frauen nicht nur gleichberechtigt, sondern gleichgestellt sein. „Grundsätzlich sind wir ja gleichberechtigt. Sowohl Frauen als auch Männer sind beispielsweise frei in ihrer Schul- oder Berufswahl. Das kann jeder als Mensch in Deutschland selbst entscheiden“, erklärt sie.

Nachteil liegt oft bei Frauen

Die Realität sehe aber anders aus, fügt sie hinzu. Und da greife ihre Arbeit für die Gleichstellung. Denn Frauen können zwar ihren Beruf frei wählen, haben aber nicht dieselben Aufstiegschancen oder das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen. Ebenfalls bei Bewerbungsgesprächen sei die Frau im Nachteil, erklärt Christine Ameling.

„Männer werden selten bis gar nicht gefragt, ob sie einen Kinderwunsch haben.“ Diese Frage ist übrigens nach Paragraf 3 im Gleichbehandlungsgesetz (GlBG) unzulässig. Die Vredener Gleichstellungsbeauftragte wünscht sich, dass es bald keine Rolle mehr spielt, welchem Geschlecht oder welcher Religion eine Person angehört. Ebenso, wen die Person liebt. Dann gebe es Gleichstellung.

Weg zur Gleichstellung ist inklusive Sprache

Rein rechnerisch sei die komplette Gleichstellung in 200 Jahren erreicht, sagt sie. Ein Weg dahin schafft die inklusive Sprache. Es gibt zum einen die gendergerechte Sprache, die Frau und Mann mit einbeziehen. Zudem gibt es Gendersternchen, das Binnen-I, den Unterstrich und den Doppelpunkt: Diese sollen auch nichtbinäre Geschlechtsidentitäten abbilden.

„Was verwendet wird, ist natürlich Geschmackssache. Wir verwenden zurzeit im Rathaus den Doppelpunkt.“ Christine Ameling geht davon aus, dass auch das Landesgleichstellungsgesetz die Zukunft der inklusiven Sprache verändern wird. Dass ältere Generationen eher Schwierigkeiten mit solchen Veränderungen haben, würde sie pauschal nicht sagen. Jede Generation habe Menschen, die damit einfacher oder schwieriger umgehen können.

Dadurch wird aber eine Möglichkeit geschaffen, alle mit einzuschließen. „Letztendlich ist es ein Stück Gewohnheitssache, aber ein großer Teil ist die persönliche Einstellung“, findet sie.

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