Dr. Patrick-Wolf ist Landschaftsökologe. Wie hier im Lüntener Wald kartiert er derzeit gemeinsam mit Kollegen verschiedene Moorflächen im Kreis Borken. © Andreas Bäumer
Moorflächen

Mit Video: Kartierer erkunden die Pflanzenwelt geschützter Moorflächen

Landschaftsökologe Patrick-Johannes Wolf und seine Kollegen kartieren Moorflächen im ganzen Kreis Borken, auch in Vreden. Im Lüntener Wald erklärt er, wie das geht und warum sie es tun.

Auf seinem geländegängigen Tablet zeigt Patrick-Johannes Wolf auf die Flächen, die er an diesem Augusttag besuchen wird. Der Landschaftsökologe und sein freier Mitarbeiter Berthold Ries gehen ins Moor. Im Rahmen der Langzeitbeobachtung wichtiger Biotoptypen erfassen sie die Vegetation flächengenau. Ihre Werkzeuge sind dabei die Geodatenbank, Satellitenaufnahmen, eine Kamera und ihre Artenkenntnis im Feld.

Die Vegetationskundler kartieren im gesamten Kreis

Im Kreis Borken kartieren die beiden derzeit stichprobenartig seltene und naturschutzrelevante Moorlebensräume, im Entenschlatt, im Schwatten Gatt, im Fürstenbusch. Auch die blau umrandeten Formen hier im Lüntener Wald ganz nah der Grenze zu den Niederlanden sind noch „renaturierungsfähige degradierte Hochmoore“.

Zunächst geht es durch einen Kiefern-, Eichen-, Birkenwald. Wolf und Ries erkennen ihn wieder. Sie haben hier schon früher kartiert. Damals hat Peter Pavlovic, beim Kreis Borken zuständig für Natur- und Artenschutz, sich sehr für die Wiedervernässung der grenznahen Moorgebiete eingesetzt.

Wolf hat ihn dabei unterstützt. Er fand aufstaubare Gräben und schlug andere Maßnahmen vor. Seit 2001 Wolf hat mit seinen Mitarbeitern schon viele Flächen kartiert: Hochmoore, Feuchtwiesen und ähnliches. Er konnte beobachten: „Moorgebiete werden durch Management besser“.

Sonnentau, Glockenheide und Wollgras – keine Vielfalt, aber trotzdem schön

Ries nimmt den Bogen einer früheren Kartierung zur Hand, schätzt den Flächenanteil verschiedener Pflanzenarten ab und ändert die zuletzt aufgenommenen Werte, wo nötig, viel Wollgras, ein großer Teil Pfeifengras, ganz wenig Sonnentau. Anhand der Satellitenbilder kann dies später nachjustiert werden. Nach der Feldarbeit wartet noch einige Zeit vor dem Computer auf sie. Etwa die Hälfe der Arbeit geschehe im Büro, so Wolf.

Diese kleine Moorfläche ist eine der Flächen, die Wolf und seine Kollege neu kartieren. Ihnen fällt sofort auf, dass hier zu viele junge Kiefern und Birken wachsen. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Beiden fällt sofort auf, dass in den Flächen viel zu viele Jungkiefern und -birken wachsen. „Hier kann kein schweres Gerät hineinfahren, hier sollte per Hand entkusselt werden“, sagt Wolf. Dies ist eine mögliche Managementmaßnahme. Die Jungbäume werden dabei ausgerissen oder abgeschnitten. Auch solche Vorschläge wird er notieren.

Die Daten gehen dann an das Landesamt für Naturschutz LANUV, das sie zusammenfasst und an den Bund weiterreicht, der alle paar Jahre an die EU berichtet. Bürger können die meisten Informationen in den NRW-Naturschutzinformationen einsehen.

Auch Glockenheide und Sauergräser sind typische Moorpflanzen. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Renaturierungsfähige, degradierte Hochmoore gehören zu den von der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützten Lebensräumen. Für diese besteht ein Verschlechterungsgebot, so erklärt Dr. Ingo Hetzel von der LANUV. Konkret heißt das: Wenn diese Moorflächen im Lüntener Wald zum Kiefern- und Birkenaufwuchs würden und die Summe der Hochmoorflächen in Deutschland durch einige solcher Entwicklungen abnähme, würde die EU ein Vertragsverletzungsverfahren anstrengen.

Deutschland müsste eventuell Strafe zahlen. Hetzel hält die genaue Aufnahme aber auch für eine gute Argumentationsgrundlage gegenüber Verantwortlichen zum Beispiel bei Kreis um Managementmaßnahmen anzuregen.

Man könnte aber auch sagen, dass längst große Chancen verpasst wurden. In Deutschland sind inzwischen 92 Prozent der Moore entwässert, so berichtete das Bundesumweltministerium 2020 in einem Diskussionspapier zur Moorschutzstrategie. Die Strategie selbst scheiterte Anfang August an Uneinigkeiten zwischen Landwirtschafts- und Umweltministerium. Der im Boden verbleibende Torf wird nun von Mikroorganismen zersetzt und es werden Treibhausgase frei, insgesamt gut fünf Prozent des deutschen Gesamtausstoßes.

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