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Mitmachen statt austreten: Messdiener möchten frischen Wind in die Kirche bringen

mlzSt. Georg Vreden

Messe dienen. Sonntags in der Frühe zum Beispiel. Das ist mehr als ein Hobby. Vredener Jugendliche haben erzählt, was sie am Dienst am Altar und an der Gemeinschaft besonders schätzen.

Vreden

, 20.04.2019 / Lesedauer: 6 min

Am Osterwochenende werden besonders viele Gottesdienste gefeiert. Ostern ist das höchste Fest im Kirchenjahr. Viele Gläubige füllen die Kirchenbänke, und viele Messdiener sind im Dienst. Auch für sie sind die Gottesdienste zu Ostern etwas Besonderes. Vor allem die Osternacht. „Für die Messdiener ist die Osternacht das impulsivste und aufregendste Fest überhaupt. Die Liturgie ist eine große Feier, an der alle teilhaben“, umschreibt Lennard Winkler die Bedeutung. Wenn die Osterkerze entzündet wird, entstehe das Gefühl von Licht im Dunkeln, Herzlichkeit, Freude und Erlösung: Jesus Christus ist auferstanden von den Toten. „Das Zeichen der Entzündung der Osterkerze bedeutet für uns: Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern das Leben hat das letzte Wort“, betont der erste Leitersprecher der Messdiener St. Georg.

Aber auch die anderen Festtage, die zum Triduum – Gründonnerstag, Karfreitag, Osternacht/Ostersonntag – dazugehören, erfüllten einen jeden Messdiener mit Interesse und lösen bei einem jeden der Gemeinschaft eine Art tiefes Sinnen und Nachdenken aus. Und so werde versucht, alle Messdienerinnen und alle Messdiener in den Ostertagen zu den Gottesdienstzeiten fest einzuplanen. Alle gleichzeitig – dafür sind es zu viele Messdienerinnen und Messdiener in St. Georg. Für gewöhnlich werden aber die älteren Gruppen für die Eucharistiefeiern miteingeplant, sowie die Jüngsten als Fackelträger zum Beispiel in der Osternacht.

Mitmachen statt austreten: Messdiener möchten frischen Wind in die Kirche bringen

Bei der Gabenbereitung © Anne Winter-Weckenbrock

Soviel steht fest: In Vreden gibt es kein Nachwuchsproblem. 125 Messdiener gibt es in St. Georg, 30 Gruppenleiter und 95 Kinder. Auch die Messdienerinnen haben viel Zuwachs, sie sind 30 Leiterinnen und 130 Kinder. Damit hat St. Georg Vreden eine Ausnahmestellung im Bistum Münster: Nirgendwo mehr außer in Vreden gibt es eine Trennung zwischen Messdienerinnen und Messdienern. Präses ist Pfarrer Christoph Theberath. Er ist mit den Messdienern zum Pressegespräch in die Sakristei gekommen, für das die Messdienerinnen kurzfristig abgesagt hatten, und blickt nach vorn: „Was bringt die Zukunft?“ Diese Frage sei im Pastoralplan für die Gemeinde gestellt. „Wo seht Ihr Euch in fünf Jahren?“, heißt das für die Messdiener. Pfarrer Theberath ist sich sicher: „Wir werden an den Punkt kommen, dass die Messdienerinnen und Messdiener sich zusammentun.“ Aber es wird noch dauern in St. Georg Vreden.

Trennung nur in den Gruppenstunden und in den Ferienlagern

Die Trennung bezieht sich allerdings nicht aufs Messe dienen. Da wird zusammengearbeitet. Ebenso wie gemeinsam an den Prozessionen teilgenommen wird. Es geht um die Gruppenstunden und um die Ferienlager, die nach Jungs und Mädchen aufgeteilt durchgeführt werden. Küster Rainer Pag erinnert sich an die Anfänge: Um das Jahr 1990 herum wurden die Messdienerinnen gegründet. Es gab die katholische junge Gemeinde und die Pfadfinder und die CAJ, in der gemischte Jugendarbeit angeboten wurde. Deswegen entschieden sich die Verantwortlichen, einen reinen Jugendverband und einen reinen Mädchenverband anzubieten. Mit Erfolg. Bis heute. Auch wenn die Zahlen in der Tat schon mal höher waren: Ende der 1990er-Jahre, erinnert sich der Küster, gab es allein 500 Messdiener in Vreden. Und zwei Leiterrunden mit je 30 Mitgliedern.

Mitmachen statt austreten: Messdiener möchten frischen Wind in die Kirche bringen

Beim Einzug © Anne Winter-Weckenbrock

Vor den Gottesdiensten ist einiges los in der Messdienersakristei, die direkt unter der Sakristei liegt, in denen sich Pfarrer und Lektoren umziehen und für den Gottesdienst vorbereiten. Die kleineren Gewänder sind rot, die größeren schwarz. Was aber keine Bedeutung hat. „In Ellewick gibt es Gewänder in den liturgischen Farben, passend zu den Anlässen“, sagt Pfarrer Theberath.

Levi Nünning und Till Biedermann sind beide Messdiener geworden, als sie in der dritten Klasse waren. Die Gruppenstunden und das Ferienlager gefallen den beiden besonders. „Taufen mache ich am liebsten“, erzählt Levi (11). Ob er nervös ist in den Gottesdiensten und Angst hat, Fehler zu machen? Till muss lächeln. Er denkt wohl daran, was Pfarrer Christoph Theberath ihnen mit auf den Weg gegeben hat: „Ihr dürft alles falsch machen. Aber bitte mit Würde.“ Was er damit meint: Einfach weitermachen, dann fällt es am wenigsten auf.

Erster Einsatz als Fackelträger im Hochamt

Wie werden die Kinder überhaupt auf das Dienen in den Gottesdiensten vorbereitet? Im Halbjahr gibt es einen Termin mit Küster Rainer Pag. Die 12 bis 15 Jungen, die in einer Gruppe sind, üben dann eine Stunde lang intensiv die Aufgaben und die Wege. „Der erste Einsatz ist dann als Fackelträger im Hochamt“, erzählt der Küster. Nachdem die Messdiener selbst ihre Heilige Kommunion empfangen haben, dienen sie richtig.

Mario Silkenbäumer ist 15 Jahre alt und seit sechs Jahren Messdiener. „Auf jeden Fall“, beantwortet er die Frage, ob er Freunde gefunden habe in der Messdienergemeinschaft. Die wöchentlichen Gruppenstunden, die Ferienlager und das Messe dienen schweißen zusammen. Auch gegen Kritik oder Sprüche? Es gebe höchstens Frotzeleien im Fußballteam: „Ihr müsst ja morgen dienen!“ Aber das sei ja nur Spaß, betont Marvin Hakvoort. Dass ihr Ehrenamt „uncool“ sein soll, haben sie alle noch nicht gehört. Küster Rainer Pag wird manchmal bei seinem Nebenjob, beim Kellnern, darauf angesprochen, aber stört sich nicht dran: „Ich diene und ich bediene“, sagt er dann und hat auch kein Problem mit Kritik: „Ich freue mich, diskutieren zu können.“

Gruppenleiter wird man nicht „einfach so“

Gruppenleiter wird man nicht „einfach so“, sondern man wird gewählt. Und als Gruppenleiter tragen die Jugendlichen Verantwortung. Einen Gruppenleitergrundkurs absolvieren die Jugendlichen, meistens aufgeteilt an zwei Wochenenden. „Meistens auf der Jugendburg Gemen“, erzählt Marvin Hakvoort. Darüber hinaus seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der Kirche die Sexualpräventionsschulung. „Die machen die Messdiener, die Kita-Angestellten, der Küster, wir alle – alle fünf Jahre“, erklärt Pfarrer Christoph Theberath. „Man wird für das Thema sensibilisiert, einen Blick zu haben für Verhaltensauffälligkeiten zum Beispiel“, erläutert der Geistliche.

Was alle mögen, sind die Gruppenstunden. Beliebt ist da einfach Fußball. Marvin Hakvoort: „Wir spielen meistens am Platz vor der Kirche, aber auch im Park oder am Gummiplatz an der Berkel.“ Aber auch Hockey oder Cricket wird gespielt, wenn das Wetter danach ist. Filme gucken oder ein Quiz spielen – ohne Hilfe von Smartphones – sind auch beliebte Freizeitbeschäftigungen in den Gruppenstunden. Überhaupt spielt das Miteinander eine große Rolle. Fast selbst überrascht waren alle von dem Erfolg eines Smartphone-freien Tages im Ferienlager, erzählt Lennard Winkler.

Mitmachen statt austreten: Messdiener möchten frischen Wind in die Kirche bringen

Messdiener übernehmen im Gottesdienst vielfältige Aufgaben. © Anne Winter-Weckenbrock

Das Eigentliche ist das Messe dienen. Den Pfarrer mit Kerzen beim Einzug begleiten, bei der Gabenbereitung unterstützen, die Kollekte einsammeln... Können die Messdiener eigentlich mit Andacht bei der Messe dabei sein? Ja, sind sich alle einig. „Messe dienen ist auch Gebet“, fasst es Rainer Pag zusammen. Und Lennard Winkler ergänzt: „Jeder kann auch für sich beten, wenn Kommunion ist.“

„Als Messdiener kann ich das Innerliche einer Messe verstehen“, bringt es Jonas Terpelle auf den Punkt.

Die Dienste werden monatlich verteilt. Der Samstagabendgottesdienst ist bei den Messdiener-Gruppenleitern beliebt, geben sie schmunzelnd zu. „Wir müssen aber auch sonntags um 9 Uhr dienen“, sagt Lennard Winkler. Mit Weihrauch.

Samstagsabends wird zu viert Messe gedient, beim Hochamt am Sonntagmorgen sind sechs Messdiener und dazu 10 bis 15 Fackelträger im Einsatz.

Auch in St. Georg gibt es ältere Messdiener, im Alter von 40 bis 60 Jahren. Diese springen vor allem auch werktags bei Beerdigungen ein. Schon wegen des Ganztagsunterrichts stehen die Kinder und Jugendlichen nachmittags nicht zur Verfügung.

„Eintreten statt austreten“

Wie verhält es sich, wenn die Jugendlichen älter werden. Bleiben sie dabei? „Wer nicht Gruppenleiter wird, geht auch schon mal“, hat Rainer Pag beobachtet. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, sich als junger, gläubiger Mensch einzubringen. „Wir haben zum Beispiel einen Jugendliturgiekreis gegründet“, erzählt Lennard Winkler. „Was haben wir, was andere nicht haben?“, hat sich Lennard Winkler schon gefragt. Eine besondere Gemeinschaft, lautet wohl die Antwort. An Gruppenstunden und an den Ferienlagern können auch Andersgläubige teilnehmen, „das ist kein Problem“, sagt der erste Leitersprecher. Alle würden sich freuen über Mitstreiter. Denn „Mittun“ sollten die jungen Leute, und so frischen Wind in die Kirche bringen. „Eintreten statt austreten“, sagt Lennard Winkler und lächelt.

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