Für das Neubaugebiet Pirolstraße (freie Fläche unten rechts im Bild) ist ein Lärmschutzwand vorgesehen, für das bestehende Wohngebiet am Amselweg nicht. © Geodatenatlas Kreis Borken
Lärmschutz

Neubaugebiet bekommt Lärmschutzwand, Häuser direkt daneben nicht

Für das Neubaugebiet Pirolstraße in Vreden muss eine Lärmschutzwand gebaut werden. Die Nachbarn mit ähnlicher Entfernung zu Straße aber gehen leer aus. Das Problem gibt es an weiteren Stellen.

Wieso bekommt der Nachbar eine Lärmschutzwand, aber wir nicht? Mit dieser Frage haben sich einige Vredener an die Stadtverwaltung gerichtet. Das Thema landete auf der Tagesordnung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses.

Wieso wird gerade jetzt über Lärmschutz diskutiert?

Grund sind zwei Bauprojekte: das Neubaugebiet an der Pirolstraße und Gaxelino an der Winterswyker Straße. In beiden Fällen sind neue Lärmschutzwände vorgesehen. Einige Anwohner in den Wohngebieten dort wundern sich, warum sie weiterhin ohne Lärmschutz auskommen sollen, die Nachbarn aber unter ähnlichen Bedingungen welchen bekommen.

Wie ist die Situation konkret?

Das Neubaugebiet Pirolstraße wird mit einer Lärmschutzwand zur Ringstraße hin abgeschirmt. Diese soll jedoch in Höhe des Amselweges Hausnummer 9 enden. Die Bewohner der anderen Häuser an dieser Straße sind also weiter dem Lärm ausgesetzt, obwohl die Gebäude ähnlich weit von der Ringstraße entfernt stehen wie die neuen Häuser.

Einige Anwohner der Finkenstraße wünschen sich eine Lärmschutzwand hin zur Winterswyker Straße.
Einige Anwohner der Finkenstraße wünschen sich eine Lärmschutzwand hin zur Winterswyker Straße. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Beim Projekt Gaxelino ist es so, dass ein Teil der Ringstraße und der Winterswyker Straße deutlich angehoben wird. Deswegen soll eine Lärmschutzwand zum Wohngebiet Toschlag/Finkenstraße hin gebaut werden – allerdings nur dort, wo auch die Straße angehoben wird. Die anderen Anwohner des gleichen Wohngebietes gehen leer aus.

Woran liegt diese ungleiche Behandlung?

Das hat rechtliche Gründe. Bei bestehenden Gebäuden ist ein neuer Lärmschutz nur verpflichtend, wenn eine Straße in unmittelbarer Nähe neu gebaut oder grundlegend geändert wird. „Aus einer schleichenden Verkehrsentwicklung entsteht kein Rechtsanspruch“, machte Jürgen Gesing vom Büro Wenker und Gesing deutlich.

Das heißt konkret: Weil es sowohl die Ringstraße als auch die Häuser am Amselweg bereits gibt, muss die Stadt dort keine neue Lärmschutzwand bauen – obwohl die Richtwerte teilweise überschritten werden. Diese gelten aber nur für Neubaugebiete. Genau deswegen bekommen die neu geplanten Grundstücke einen Lärmschutz, die bestehenden nicht.

Ähnlich ist es im Wohngebiet Toschlag/Finkenstraße. Nur wo die Straße verändert wird, besteht ein Rechtsanspruch auf Lärmschutz.

Finden die Verantwortlichen bei der Stadt das gerecht?

Nein. „Wir können verstehen, dass das für die Anwohner nicht nachvollziehbar ist“, sagte Stadtplaner Dirk Hetrodt. Jürgen Gesing ergänzte: „Die Frage kommt immer wieder und es ist ganz schwer, das zu vermitteln.“ Auch die Mitglieder des Ausschusses fanden die Anfrage und den Wunsch der Anwohner absolut nachvollziehbar.

Warum baut die Stadt die Lärmschutzwände dann nicht einfach länger?

„Wenn wir jetzt bauen, dann kommen weitere Wünsche. Wir machen ein Fass auf und irgendwann sehen wir kein Ende mehr“, sagte Alfons Effing (SPD). Schließlich gebe es in Vreden noch weitere Stellen, wo eine ähnliche Problematik vorliegt. Ein Meter Lärmschutzwand kostet je nach Bauweise und Standort zwischen 500 und 900 Euro.

Was hat die Stadt nun vor?

Die Stadt wird eine Lärmkartierung in Auftrag geben. An der B70, der äußeren Ringstraße, der Otto-Hahn-Straße und der Winterswyker Straße außerorts soll die Lärmbelastung für die Anwohner gemessen und analysiert werden. Auf Anregen von Gerd Welper (Grüne) wird zudem eine Hauptverkehrsstraße innerorts untersucht. Dort wird zwar keine Lärmschutzwand möglich sein, „aber dann können wir einordnen, welchem Lärm die Bewohner dort ausgesetzt sind“, so Gerd Welper.

Mit dieser Übersicht wird dann über mögliche Lärmschutzmaßnahmen beraten. Gleichzeitig wird die Verwaltung prüfen, ob es für solche Projekte Fördermöglichkeiten gibt.

Die Bauprojekte Pirolstraße und Gaxelino sollen ungehindert davon fortgeführt werden. Eine Verlängerung der Lärmschutzwände ist aber nach Angaben der Verwaltung auch im Nachhinein noch möglich.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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