Entlang der B70 wird der erste Teil der neuen Leitung fürs Industriegebiet verlegt. © Victoria Garwer
Erneuerbare Energien

Neue Leitung ins Industriegebiet Gaxel macht mehr Solaranlagen möglich

Im Moment ist das Leitungsnetz ins Industriegebiet Gaxel ausgelastet. Noch mehr Photovoltaik-Anlagen sind deswegen nicht möglich. Die Bauarbeiten für eine neue Leitung sind nun gestartet.

Eigentlich ist es ein Luxusproblem, das das Industriegebiet Gaxel derzeit hat. Dort haben so viele Unternehmen eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, dass das Leitungsnetz an seine Grenzen stößt. „Wir mussten zuletzt einigen Unternehmen absagen“, sagt SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß. Deswegen verlegen die Versorgungsbetriebe jetzt neue Leitungen ins Industriegebiet.

Gestartet sind die Bauarbeiten vor einigen Tagen an der B70. Entlang der Bundesstraße werden die neuen Leitungen verlegt. „Der erste Abschnitt soll noch in diesem Jahr abgeschlossen sein“, sagt Hermann Wilde, zuständig für den Bereich Planen und Bauen bei Westnetz und SVS. Im nächsten Jahr geht es weiter am Berkelsee vorbei Richtung Industriegebiet.

Leitungen wurden unter der Bundesstraße verlegt

Den ersten größeren Arbeitsschritt haben die Bauarbeiter bereits geschafft. Drei dicke Leerrohe haben sie unter der B70 her verlegt. Bei fließendem Verkehr haben sie von der einen Seite der Bundesstraße zur anderen Seite gebohrt. Dort werden die Leitungen mit dem Umspannwerk Vreden verbunden.

Drei Leerrohre für die Kabel sind bereits mithilfe einer Bohrung unter der B70 her verlegt worden.
Drei Leerrohre für die Kabel sind bereits mithilfe einer Bohrung unter der B70 her verlegt worden. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

„Wir verlegen zwei 30kV-Leitungen, die wir zunächst als 10kV-Leitungen betreiben werden“, erklärt Hermann Wilde. Das entspricht nämlich dem derzeitigen Standard-Netz. Allerdings möchte man für die Zukunft gerüstet sein. „Wenn nötig, können wir so die Leistung verneunfachen“, erklärt der Fachmann.

Erweiterung des Industriegebietes Gaxel geplant

Das freut die Stadt, denn schließlich ist eine Erweiterung des Industriegebietes geplant. „Wir haben derzeit 120 Hektar Industrieflächen und Erweiterungsmöglichkeiten auf 60 Hektar“, nennt Joachim Hartmann Zahlen. Das Industriegebiet wird also in Zukunft um bis zu 50 Prozent wachsen.

Dadurch wird zum einen der Strombedarf steigen. „Zum anderen speisen eben immer mehr Unternehmen auch Strom ein, zum Beispiel aus PV-Anlagen. Daran müssen wir unser Netz jetzt anpassen“, sagt Thomas Spieß. Mehr als 3700 EEG-Anlagen gebe es im Zuständigkeitsgebiet der SVS. Schon jetzt werden in Stadtlohn, Vreden und Südlohn 68 Prozent der verbrauchten Energie auch wieder eingespeist.

Norman Sladeczek, Joachim Hartmann, Daniel Elsner, Thomas Spieß und Tom Tenostendarp freuen sich, dass die Bauarbeiten endlich beginnen.
Norman Sladeczek, Joachim Hartmann, Daniel Elsner, Thomas Spieß und Tom Tenostendarp (v.l.) freuen sich, dass die Bauarbeiten endlich beginnen. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

In Vreden alleine liege diese Quote noch deutlich höher, so Bürgermeister Tom Tenostendarp. Große Windparks, Biogasanlagen und Solaranlagen auf den Dächern und an den Wänden der Industriehallen tragen dazu bei. Das sorgt dafür, dass das Netz, das ursprünglich auf das reine Verteilen des Stroms ausgelegt war, ausgelastet ist.

Genehmigung und Lieferung brauchen einige Zeit

Das Problem ist bereits seit einiger Zeit bekannt. „So schnell wie die PV-Anlagen auf die Dächer kommen, können wir nicht bauen“, sagt Thomas Spieß. Zum einen dauert das Planungs- und Genehmigungsverfahren einfach seine Zeit. Es muss geschaut werden, wo die beste Trasse für neue Leitungen ist. Diese muss mit Anliegern und Grundstückseigentümern abgestimmt werden. Verschiedene Behörden, zum Beispiel auch die Wasser- und Bodenverbände, müssen ihr Okay geben. Erst dann können die Arbeiten ausgeschrieben werden.

Zum anderen gibt es eine lange Lieferzeit für die benötigten Leitungen. „Wir haben jetzt alleine 20 Wochen auf die Kabel gewartet“, sagt Hermann Wilde. In dieser Woche aber haben die ersten 500 Meter ihren Platz unter der Erde gefunden. Insgesamt ist die Trasse zwischen Umspannwerk und Industriegebiet 4,2 Kilometer lang.

Die SVS investiert rund eine Million Euro in das Projekt, das Hermann Wilde „durchaus eine größere Baumaßnahme“ nennt. Im nächsten Schritt werden die Bauarbeiter gleichzeitig unter der B70 und der Berkel her bohren und am Norbertstein werden sie einen Teil der Straße aufnehmen müssen. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die neuen Leitungen im Sommer 2021 in Betrieb gehen.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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