Elena Titze, Nada Urbaitis und Thomas Kersting wollen sich mit der Münsterland Pflege Zeit nehmen für pflegebedürftige Menschen. © Victoria Garwer
Münsterland Pflege

Neuer Pflegedienst will alles anders machen: Mehr Zeit, mehr Empathie

Nada Urbaitis hat einen Pflegedienst in Vreden gegründet. Die Mitarbeiter wollen sich Zeit nehmen für die Patienten, und zwar gleich mehrere Stunden am Stück. Der Bedarf ist offenbar da.

Vom Job im Marketing zum eigenen Pflegedienst: Nada Urbaitis hat sich mit ihrem Unternehmen „Lesana – Münsterland Pflege“ einen Lebenstraum erfüllt. Sie und ihr Team wollen dabei alles anders machen als bestehende Pflegedienste.

„Die fahren ihre Touren, springen rein, machen die Grundpflege, geben die Medikamente und sind nach 20 bis 30 Minuten wieder weg“, sagt Nada Urbaitis. Dieses System sehe einfach nicht vor, dass die Pflegekräfte Zeit mit den Patienten verbringen.

Genau das ist aber das Konzept von Münsterland Pflege. „Wir sind immer mindestens zwei Stunden da“, macht Nada Urbaitis den wichtigsten Unterschied deutlich. „Der Mensch steht im Fokus und die Zeit, die wir ihm geben können.

Grundpflege und Betreuung, keine Medikamente

Die Betreuungskräfte kümmern sich auf der einen Seite um die Grundpflege, das heißt sie waschen die Kunden, helfen beim Anziehen und Essen. Medikamente und Spritzen geben sie aber nicht. „Wir haben zwar auch qualifizierte Fachkräfte, die das theoretisch könnten, aber wir haben uns bewusst dagegen entschieden“, sagt die Pflegedienstleiterin Elena Titze.

Man wolle nicht in eine Routine fallen und darüber die Zeit für die Kunden verlieren. Bei der Medikamentengabe arbeitet Münsterland Pflege deswegen mit einem Kooperationspartner zusammen.

Auf der anderen Seite geht es auch um Betreuung im Alltag. „Wir gehen gemeinsam einkaufen, kochen, nehmen Außer-Haus-Termine wahr und erhalten so den sozialen Kontakt aufrecht“, sagt Nada Urbaitis. Ein Putzdienst sei das Unternehmen aber nicht. „Es geht um aktivierende Hilfe. Alles, was gemeinsam möglich ist, machen wir gemeinsam.“

Pflegende Angehörige entlasten

Dabei gehe es zum einen darum, pflegebedürftigen Menschen die Einsamkeit zu nehmen. Zum anderen sollen die pflegenden Angehörigen entlastet werden. „Die kriegen oft keine Luft mehr und zerreißen sich zwischen der Pflege und dem eigenen Leben“, sagt Nada Urbaitis.

In der eigenen Familie machte sie ähnliche Erfahrungen. Der engagierte Pflegedienst war immer unter Zeitdruck, eine Alternative konnten sie und ihr Mann nicht finden. Hinzu kam, dass Nada Urbaitis in ihrem Marketing-Job schon länger das Gefühl hatte, nicht wirklich etwas Sinnvolles zu tun.

Im Oktober 2021 startete dann das Herzensprojekt Lesana. In dem Firmennamen sind die Anfangsbuchstaben von ihr und ihren beiden Söhnen vereint. Das Team besteht zurzeit aus 17 Mitarbeitern in Teilzeit oder auf 450-Euro-Basis. „Das sind Heilerziehungspfleger, Mamas, Hausfrauen, Studenten, rüstige Rentner – einfach Menschen, die empathisch sind“, sagt Nada Urbaitis.

Pflegekasse bezahlt auch zeitintensive Pflege

Die Betreuungskräfte werden entsprechend geschult und bekommen spezielle Schulungen für den konkreten Kunden. Obwohl die Betreuung erst seit eineinhalb Monaten läuft, gibt es schon 20 Kunden. Darunter sind Demenzkranke, Kinder und pflegebedürftige Senioren. Jede Betreuungskraft soll maximal drei feste Kunden haben, damit eine Beziehung aufgebaut werden kann.

„Ich habe letztens mit einem Kunden Kniffel gespielt und war dort so glücklich und entspannt wie schon lange nicht mehr“, sagt Nada Urbaitis. Ähnlich äußert sich Elena Titze. Sie hat vorher in einem Krankenhaus und bei einem ambulanten Pflegedienst gearbeitet. „Ich hatte immer das Gefühl, dass ich die Menschen alleinelasse. Jetzt kann ich so vor Ort sein, wie ich gebraucht werde“, sagt sie.

Was viele Menschen nicht wissen: Auch diese zeitintensive Pflege wird von der Pflegekasse zu einem großen Teil bezahlt. Im Pflegegrad 3 werden pro Woche zum Beispiel zehn Stunden finanziert.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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