Opernsängerin Heike Wessels singt Arien in Taiwan und Rumänien

mlzKlassische Musik

Die Opernsängerin Heike Wessels aus Vreden ist inzwischen so gefragt, dass sie auch im Ausland auftritt. Zum Beispiel in Rumänien und Taiwan. Eine anstrengende Zeit für die Stimme.

Vreden

, 03.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Musik verbindet“, findet Heike Wessels. Sie sagt das nicht einfach so, weil sie das irgendwo gelesen hat und weil es sich gut anhört. Sie hat es erlebt. Die Opernsängerin mit „Vredener Blut“, wie sie es selbst nennt, ist in der ganzen Welt unterwegs. Ihr Beruf hat sie zuletzt nach Taiwan und Rumänien geführt, wo sie sich mit ganz unterschiedlichen Problemen auseinandersetzen musste.

Zwölf Stunden dauert der Flug nach Taipeh, der Hauptstadt von Taiwan in Asien. Das bedeutet auch: zwölf Stunden trockene Luft aus der Klimaanlage. „Das ist der Tod für die Atemwege“, sagt die Opernsängerin. Nach der Landung folgt das nächste Extrem: heiße, feuchte Luft. „Es waren 30 bis 33 Grad, das kennen wir ja hier auch. Aber dort war die Luftfeuchtigkeit extrem hoch. Sobald man das Haus verlassen hat, war man direkt nass geschwitzt“, erzählt Heike Wessels.

Mit dieser Hitze kommt sie nicht so gut klar. „Ich habe die Taiwanesen total bewundert, die abends noch joggen gegangen sind.“ Ihr selber sei es dafür schlichtweg zu heiß gewesen.

Proben für die Konzerte mit Pullover und Schal

Im Probenraum wiederum läuft die Klimaanlage. „Da war es so kalt, dass wir mit Pullover und Schal proben mussten.“ Einer der Sänger kommt mit den immensen Temperatur-Unterschieden nicht klar. Er wird krank, hat keine Stimme mehr. Heike Wessels hat vorgesorgt. Sie befeuchtet ihre Atemwege regelmäßige mit bestimmten Mittelchen, damit ihre Mezzosopran-Stimme bis zur Aufführung durchhält.

Nach zwei Wochen mit intensiven Proben stehen zwei Konzerte an, die in dem asiatischen Land sogar im Fernsehen übertragen werden. Gezeigt wird das Werk „Parsifal“ von Richard Wagner. Halbszenisch, wie die Vredener Opernsängerin erklärt. „Da gibt es also keine kompletten Kostüme und kein aufwendiges Bühnenbild, sondern es wird alles nur angedeutet.“

Heike Wessels (l.) bei dem Auftritt des Stücks „Walküre“ von Richard Wagner in Rumänien

Heike Wessels (l.) bei dem Auftritt des Stücks „Walküre“ von Richard Wagner in Rumänien © Privat

Halbszenisch ist auch die Oper, bei der Heike Wessels im Oktober 2018 in Rumänien mitwirkt: „Die Walküre“ von Richard Wagner. Vor der Reise war die Vredenerin sehr neugierig auf das osteuropäische Land, von dem ja nicht immer nur Gutes zu hören ist. Von solchen Vorurteilen möchte Heike Wessels aber nichts wissen. „Das ist ein sehr ursprüngliches, wildes Land, perfekt zum Wandern. Die Menschen sind sehr zuvorkommend und fortschrittlich.“

Keine Zeit für Sightseeing

Immer wieder führt ihr Job als Opernsängerin die Vredenerin ins Ausland. „Das ist ein sehr schöner Teil des Berufs.“ Viel sieht sie bei solchen Reisen aber nicht von den Ländern. „Ich bin ja hauptsächlich zum Arbeiten dort.“ Neben den intensiven, mehrstündigen Proben bleibt da kaum Zeit für Sightseeing. In Taiwan hat sie es lediglich geschafft, sich ein paar Tempel anzusehen. Gerne hätte sie Land und Leute besser kennengelernt. Doch dafür reichte der zweiwöchige Besuch nicht aus.

Bei solchen Oper-Projekten im Ausland nehmen häufig Musiker aus der ganzen Welt teil. Das findet Heike Wessels besonders spannend: „Wir sprechen alle unterschiedliche Sprachen, aber das ist eigentlich total egal. Wir sprechen alle die Sprache der Musik, und Musik verbindet.“

Zur Person

  • Heike Wessels kommt aus Vreden und wohnt inzwischen mit ihrem Mann und einem Hund in Mannheim. Ihre Eltern wohnen noch in Vreden.
  • Sie hat Gesang in Essen und Strasbourg studiert und Meisterklassen bei Brigitta Fassbaender, Thomas Hampson und Dame Gwyneth Jones belegt.
  • 2006 gewann sie den Internationalen Wettbewerb für Wagnerstimmen in Venedig.
  • Sie stand unter anderem schon in Graz, Wien, Rom, Paris, Venedig, Berlin und London auf der Bühne. Im Moment laufen Gespräche für Projekte in Mexiko. Aber Heike Wessels sagt: „Man kann auch in Münster oder München spannende Dinge machen.“
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