Pensionierter Polizeibeamter schlägt Nachbarin einen Eimer an den Kopf

mlzNachbarschaftsstreit in Vreden

Bei der Arbeit im Garten ihrer Mutter bekam eine Vredenerin Besuch vom Nachbarn. Er kippte ihr Grünabfall vor die Füße und schlug ihr einen Eimer an den Kopf. Die Quittung: eine Geldstrafe.

Vreden

, 21.08.2019, 12:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gegensätzlicher konnten die Aussagen nicht sein bei der Verhandlung am Montag vor dem Amtsgericht: Der Angeklagte schilderte das Geschehen um einen Garteneimer völlig anders als die drei Zeugen. Denen aber glaubten sowohl Staatsanwalt als auch Richter: Der 74-jährige pensionierte Polizist wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie waren überzeugt davon, dass er der Tochter seiner Nachbarin einen Eimer an den Kopf geschlagen hatte. Er sah das auch nach dem Urteil anders. Der Vredener kündigte an, die drei Zeugen wegen falscher Anschuldigung anzuzeigen.

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Doch von vorn: Der 74-Jährige war wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Zehn-Liter-Eimer, den er „mit großer Wucht“ gegen den Kopf der Geschädigten geschlagen haben sollte, sei als „gefährliches Werkzeug“ zu werten, trug der Staatsanwalt aus der Anklage vor.

Einen Eimer an den Kopf geschlagen

Eine Einblutung über dem Ohr habe sie erlitten, schilderte das Opfer, eine 56-jährige Vredenerin, die als Zeugin aussagte. Alles sei in der Mittagszeit am 27. Februar sehr schnell gegangen: Sie habe im Garten ihrer Mutter gearbeitet, als der Nachbar um die Hecke gekommen sei und den Inhalt eines Eimers vor ihr ausgekippt habe mit den Worten: „Hier hast Du Deinen Scheiß. Räum das selber weg.“ Dann habe er sofort mit dem Eimer zugeschlagen.

Ihr Mann, der sich auch im Garten aufhielt, bestätigte das. „Wir waren gerade da, da ging das sofort los.“ Nach dem Schlag habe er seine Frau sofort zu sich gerufen. Sie sei dann auch sofort weggegangen, habe aber dem Rentner noch „Diesmal gibt es eine Anzeige!“ zugerufen.

„Der ist cholerisch, auf Krawall gebürstet“

Ob es denn einen Anlass für einen Nachbarschaftsstreit gebe, wollte der Richter wissen. „Der legt sich mit allen an. Wegen Kleinigkeiten. Fragen Sie mal in der Nachbarschaft“, sagte der 59-jährige Ehemann des Opfers. Die Vredenerin, die mit ihrem Mann ganz in der Nähe ihrer Mutter und des Rentners wohnt, drückte es drastischer aus: „Der ist cholerisch, auf Krawall gebürstet. Der macht Bälle kaputt und parkt Autos zu.“ Als ihre Kinder Klavier geübt hätten vor vielen Jahren, habe er immer sofort angerufen. Sie und ihr Mann hätten aber seit je her jeden Kontakt gemieden.

Eine weitere Zeugin gab an, den Rentner überhaupt nicht zu kennen. Sie war aber zur Zeit des Vorfalls mit ihrem Hund auf der Gassirunde. Sie sagte aus, sie habe zuerst nur gehört, dass ein Mann laut meckere, dann sei sie um die Ecke gebogen und habe gesehen, wie der Renter der 56-Jährigen den Eimer an den Kopf schlug.

„Ich hatte es eilig und mir fehlte die Zivilcourage“, gestand sie ein, warum sie weitergegangen war. Abends aber habe sie die ihr bekannte 56-Jährige aber angerufen. So wurde auch sie als Zeugin gehört.

Schriftlich Stellung genommen und Skizze angefertigt

Der Angeklagte fuhr schwere Geschütze auf: „Hier ist fast nur gelogen worden“, sagte er. Der 74-Jährige, der ohne Verteidiger zur Verhandlung erschienen war, hatte schon ausführlich schriftlich Stellung zu der Anzeige gegen ihn genommen und seine Schreiben vorab bei Polizei und bei Gericht eingereicht. Am Verhandlungstag lieferte er noch eine Skizze nach, anhand derer er nachweisen könne, dass niemand den Vorfall überhaupt gesehen haben könnte wegen der hohen Hecken.

„Das ist von A bis Z gelogen. Ich habe ihr nie einen Eimer an den Kopf geworfen“, äußerte sich der Vredener zur Anklage. Er habe, wie mit der Mutter der 56-Jährigen seit Jahren vereinbart, ein Pättchen zwischen den benachbarten Grundstücken für sie gesäubert und habe dann wie immer den Grünabfall an dem Grundstück der Nachbarin ausgekippt. Die Nachbarin würde den Abfall dann entsorgen. „Dann fegte die Frau das Unkraut mit der Harke auf den Gehweg und den Eimer auf die Straße“, beschrieb er das Geschehen. Er habe den Eimer geholt und dann sei er weg. „Die Verletzung habe ich ihr nicht zugefügt“, betonte er. Und es sei auch niemand zu sehen gewesen. „Von wo wollen die beiden das gesehen haben?“, fragte er.

Angeklagter vermutete eine Verschwörung

Er habe eine Vermutung: „Die haben sich an einen Tisch gesetzt“. „Warum vermuten Sie, dass die sich gegen Sie verschworen haben?“, hakte der Richter nach. Er habe mit den Leuten nichts zu tun, es habe nie einen Nachbarschaftsstreit gegeben, sagte der Rentner. Dass das Ehepaar die Anzeige online aufgegeben hatte, passte für den ehemaligen Polizeibeamten auch in seine Theorie, dass die drei Zeugen sich gegen ihn zusammengetan hätten.

Der Staatsanwalt hingegen sah es als erwiesen an, dass der 74-jährige zugeschlagen hat. „Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass es so war. Egal, was vorher gewesen sei, die gefährliche Körperverletzung sei erwiesen. Er forderte 90 Tagessätze je 80 Euro. Der Richter sah das genauso: „Ich bin der Meinung, dass Sie den Eimer geschwungen haben“, sagte er in der Urteilsbegründung. Er sah allerdings keine gefährliche, sondern „nur“ eine vorsätzliche Körperverletzung bei dem Schlag mit dem Eimer.

Keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Zeugenaussagen

Und der Richter wurde sehr deutlich: „Dass sich alle zusammentun und sich gegen Sie verschwören – da hätten die Sie aber wohl anderer Dinge beschuldigt als damit, jemanden einen Eimer vor den Kopf gehauen zu haben.“ Er habe keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Zeugenaussagen. Er verurteilte den 74-Jährigen zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen von je 80 Euro, dazu muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen.

Der 74-Jährige hat eine Woche Zeit, gegen das Urteil Berufung oder Revision einzulegen.

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