Unabhängig von der Corona-Pandemie sollen die Osterfeuer in Vreden reduziert werden. Hier ein Foto aus dem Jahr 2018 vom Brauchtumsfeuer der KAB St. Marien. © Elvira Meisel-Kemper
Vredener Rat

Politik will strenge Auflagen für Osterfeuer möglichst verhindern

Wenn es nach der Vredener Verwaltung geht, müssen die Osterfeuer in Vreden zukünftig strenger reguliert werden. Das gehe aus einem Gerichtsurteil hervor. Die Fraktionen wollen noch kämpfen.

Unabhängig von Corona wird aktuell über Osterfeuer diskutiert. Grund dafür ist der Naturschutz. Das Umweltministerium des Landes NRW hatte festgestellt, dass die Feinstaubwerte an den Osterfeiertagen enorm hoch sind. Als Ursache wurden unter anderem die sogenannten Brauchtumsfeuer ausgemacht, von denen es in letzter Zeit immer mehr gab – zuletzt allein in Vreden circa 100 pro Jahr.

Schon 2010 hatte sich das Ministerium an die Kommunen gewandt und angeregt, die Anzahl zu reduzieren. Bis heute ist nicht viel passiert, obwohl mittlerweile auch der Kreis Borken den Druck erhöht. Hintergrund ist ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts. Darin heißt es, dass Osterfeuer der Brauchtumspflege dienen, „wenn das Feuer von einer in der Ortsgemeinschaft verankerten Glaubensgemeinschaft, Organisation oder einem Verein ausgerichtet wird und im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltungen für jedermann zugänglich gemacht wird.“

Private Osterfeuer erfüllen Kriterien wohl nicht

Private Osterfeuer, die in Vreden einen beachtlichen Teil der inzwischen circa 100 angemeldeten Feuer pro Jahr ausmachen, erfüllen die vom OVG genannten Aspekte allerdings nach Meinung der Richter nicht. Sie sollen daher auch nicht mehr genehmigt werden. Auch der Naturschutzbund (NABU) Borken mischt in der Angelegenheit mittlerweile mit und fordert eine drastische Reduzierung zum Schutz von Mensch, Tier und Natur.

Bernd Kemper, Erster Beigeordneter der Stadt Vreden, wusste in der jüngsten Ratssitzung um die Schwierigkeit des Themas. „Ich wäre froh, wenn ich es Ihnen nicht vorlegen müsste, weil ich die Tradition des Osterfeuers in der Region bestens kenne.“ Dennoch sei es keine Option, die Hinweise des Umweltministeriums zu ignorieren. „Wir kommen langfristig nicht drumherum, weniger Osterfeuer zu erlauben.“

Die Ratsmitglieder sahen das zumindest in Teilen anders. Denis Gescher von der CDU-Fraktion erklärte: „Das Osterfeuer gehört in Vreden seit jeher zum Brauchtum für Vereine und Verbände. Es ist für viele ein Highlight.“ Mit Blick auf die von der Verwaltung vorgeschlagenen Auflagen erklärte er: „Wollen wir diesen Brauch wirklich in einem solchen Maße reglementieren?“ Dass die Zahl von 100 Feuern plus Dunkelziffer zu hoch sei, räumte Denis Gescher allerdings ein.

FDP will keine Differenzierung

Hendrik Mulder, Fraktionsvorsitzender der FDP, ergänzte: „Es glaubt doch keiner wirklich, dass wir mit solchen Regeln die Umwelt schützen. Zu 95 Prozent wird Schlagabraum verbrannt, der sowieso anfällt.“ Seine Fraktion halte auch nichts von einer Differenzierung zwischen den Organisatoren der Feiern. „Es ist egal, ob es eine Familie oder eine Verein ausrichtet.“

Gerd Welper von den Grünen hielt entgegen: „Es geht um die Spitzenwerte. Es ist etwas anderes, ob der Schlagabraum über einen Zeitraum verteilt abgebrannt wird oder alles auf einmal entzündet wird. Aus Erfahrung weiß ich: Der Rauch der Feuer nimmt einem an diesen Tagen den Atem.“ Reinhard Laurich (SPD) behauptete hingegen, dass die Feinstaubbelastung beispielsweise an Silvester deutlich höher sei.

Am Ende einigten sich die Fraktionen darauf, das Thema in den Bauausschuss zu verlegen. Bürgermeister Tom Tenostendarp erklärte allerdings: „Die Vorlage ist nicht in Stein gemeißelt, aber wir werden das Thema wieder auf die Tagesordnung bekommen und handeln müssen.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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