Polizei und Jäger warnen Autofahrer vor Wildunfällen

mlzGefahr auf der Landstraße

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, weil Wildtiere auf die Straße rennen. Jäger und Polizei warnen vor den Folgen und mahnen zu vorsichtiger Fahrweise – gerade in der Dämmerung.

Vreden

, 19.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Albert Janknecht ist Jäger. Er kommt aus Kirchhellen, hat sein Revier aber entlang der B70 zwischen der Gaststätte Pries und dem Parkplatz der Firma Schmitz-Cargobull. Sechs Mal sei es dort in diesem Jahr schon zu Wildunfällen gekommen. Einen siebten hatte es kurz vor Silvester gegeben: „Das ist schon deutlich mehr als üblich“, sagt er.

Natürlich sei es schade um die Tiere. Viel wichtiger ist ihm aber, dass es bisher noch zu keinen ernsten Verletzungen kam. „Gerade die Motorradfahrer machen mir Sorgen“, sagt er. Wenn er im Revier sei und die extrem schnell fahrenden Motorradfahrer höre, warte er jedes Mal fast schon auf den Knall. „Bisher ist es Gott sei Dank gut gegangen“, erklärt er. Dennoch will er die Verkehrsteilnehmer vor der Gefahr durch Wildunfälle warnen.

Polizei sieht keine Häufung von Wildunfällen

Eine besondere Häufung von Wildunfällen kann Thorsten Ohm, Pressesprecher der Kreispolizei Borken, nicht bestätigen. Mit rund 800 Fällen im ersten Halbjahr liege die Zahl im Kreis im Durchschnitt der vergangenen Jahre. „Das heißt natürlich nicht, dass es nicht viele Unfälle sind“, erklärt er.

Besonders in Vreden und Ahaus komme es zu besonders vielen Unfällen mit Wildtieren. „Das liegt aber auch daran, dass es dort besonders viel Wald gibt und die Kommunen entsprechend groß sind“, so Thorsten Ohm weiter.

Reh schlägt beim Unfall mit bis zu einer halben Tonne ein

Zum Schutz vor den Unfällen rät er vor allem zu zwei Dingen: vorsichtiger Fahrweise und im Zweifel gedrosseltem Tempo. „Man muss sich das mal vor Augen führen“, erklärt er. Ein durchschnittliches Reh wiege 20 Kilogramm. „Wenn das Tier aber bei 100 Stundenkilometern von einem Auto erfasst wird, erhöht sich das Aufschlaggewicht auf fast eine halbe Tonne“, sagt er.

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Die Verkehrsschilder, die vor Wildwechseln warnen, würden dabei nicht ohne Grund an der Straße stehen. „An solchen Stellen ist immer mit Tieren zu rechnen, die plötzlich auf die Fahrbahn laufen oder dort stehen“, sagt er weiter.

"Geschwindigkeit anpassen und bremsbereit bleiben", rät die Polizei. Schilder wie dieses würden aus gutem Grund an der Straße stehen und auf eine konkrete Gefahr hinweisen.

„Geschwindigkeit anpassen und bremsbereit bleiben", rät die Polizei. Schilder wie dieses würden aus gutem Grund an der Straße stehen und auf eine konkrete Gefahr hinweisen. © Stephan Teine

Hinweise für Auto- und Motorradfahrer

Er gibt allen Auto- und Motorradfahrern einige Ratschläge mit auf den Weg:

  • Auf Landstraßen – gerade an Waldgrenzen und vor allem in der Dämmerung immer bremsbereit sein.
  • Geschwindigkeit anpassen
  • Fahrbahnränder beobachten
  • entdeckt man ein Tier am Straßenrand sofort die Geschwindigkeit drosseln und bremsbereit bleiben. Es kann jederzeit auf die Straße rennen
  • sollte man in der Dunkelheit ein Tier im Kegel des Fernlichts sehen, sofort abblenden. Die Tiere bleiben durch das grelle Licht wie hypnotisiert stehen.
  • Hupen, um das Tier nach Möglichkeit zu verjagen
  • wo ein Tier über die Straße läuft, folgen meist weitere. Rehe leben in Gruppen.
  • ist eine Kollision nicht mehr zu vermeiden, bremsen, das Lenkrad festhalten und geradeaus weitersteuern. „Versucht man auszuweichen, gerät man leicht von der Straße ab oder in den Gegenverkehr“, sagt Thorsten Ohm. Das habe dann meist noch schwerere Unfallfolgen.
  • Wenn es trotzdem zum Unfall gekommen ist, als erstes die Unfallstelle absichern.
  • Dann immer die Polizei verständigen. „Die leitet dann die weiteren Schritte ein und informiert auch den zuständigen Jäger“, erklärt Thorsten Ohm. Ausdrücklich warnt er davor, sich verletzten aber noch lebenden Tieren zu nähern. Sie könnten beispielsweise Krankheiten übertragen oder plötzlich versuchen, in den Wald zu fliehen.

Motorradfahrer sind besonder gefährdet

Für Motorradfahrer würden ausdrücklich die selben Regeln gelten. „Aber natürlich überlegt es sich ein Motorradfahrer doppelt, ob er eine Kollision riskiert“, sagt Thorsten Ohm. Allerdings würden Ausweichmanöver auch in diesen Fällen oft zu noch schlimmeren Unfällen führen. „Deswegen ist bei Zweirädern natürlich noch wichtiger, mit angepasster Geschwindigkeit und bremsbereit unterwegs zu sein“, so der Polizeipressesprecher.

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