Protest der Landwirte über Weihnachten: Vredener stellen vier Meter große Kreuze auf

mlzLand schafft Verbindung

Rund vier Meter große Kreuze haben Vredener Landwirte einen Tag vor Heiligabend an zehn Stellen in Vreden aufgestellt. Ihr Protest soll über die Feiertage nicht in Vergessenheit geraten.

Vreden

, 27.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während in den Innenstädten einen Tag vor Heiligabend die Menschen durch die Geschäfte hetzen, lassen sich die Vredener Landwirte von dem Vorweihnachtstrubel nicht anstecken. Trotzdem sind sie am Vormittag gut beschäftigt: Sie stellen große, grüne Kreuze auf. Knapp vier Meter hoch, mit Lichterketten behängt, mitten auf dem Acker.

Zehn neue Kreuze vor Weihnachten aufgestellt

Zehn solcher Kreuze haben sie am Wochenende zusammengebaut und grün angestrichen. „Wir wollen, dass die Menschen auch über die Feiertage über unsere Zukunft nachdenken“, erklärt Jana Gewers.

Protest der Landwirte über Weihnachten: Vredener stellen vier Meter große Kreuze auf

Jana Gewers (28), staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin aus Köckelwick, betreibt einen Hof mit rund 60 Milchkühen. Sie macht sich ernste Sorgen um ihre Zukunft. © Stephan Teine

Die 28-Jährige betreibt mit ihrem Vater einen Milchviehbetrieb in Köckelwick. Und sie macht sich wie viele ihrer Kollegen große Sorgen vor der Zukunft.

Landwirte fühlen sich in die Ecke gedrängt

Das geplante Agrarpaket der Bundesregierung, die neue Düngeverordnung, das Mercosur-Handelsabkommen – diesen Ertragseinbußen auf der einen Seite stehen billig produzierten Lebensmitteln aus Übersee gegenüber. Die Landwirte fühlen sich gleich aus zwei Richtungen in die Enge getrieben.

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„Und wir werden ohne wissenschaftlichen Beweis zum Sündenbock der Nation gemacht“, sagt Jana Gewers, die im Kreis Borken mit im Organisationskomitee der Protestaktion „Land schafft Verbindung“ sitzt. Diese Gruppen organisieren seit vergangenem Sommer die unterschiedlichen Protestaktionen, unter anderem die grünen Kreuze oder die großen Traktorkorsos.

Mit Protest nicht in den Mittelpunkt drängen

Mit der aktuellen Aktion wollen die Landwirte den Protest auch über die Feiertage und den Jahreswechsel wach halten. „Die Autofahrer sollen die Kreuze sehen und darüber nachdenken oder sich informieren, was sie bedeuten“, erklärt Daniel Elling, der in Vreden einen Agrarhandel betreibt.

Gleichzeitig möchten sie sich aber über die Feiertage nicht zu sehr in den Vordergrund drängen. Ein erneuter Traktorkorso etwa kam für sie aktuell nicht in Frage. „Wir wollen den Bogen ja auch nicht überspannen. Außerdem sind in diese Richtung noch einige Aktionen geplant“, ergänzt Daniel Elling. Alternativ sollen die beleuchteten Kreuze in den kommenden Tagen noch stärker ins Bewusstsein der Autofahrer kommen.

Wunsch an die Verbraucher: Informieren und regional einkaufen

Doch was wollen die Landwirte überhaupt? Ganz einfach: Dass sich die Menschen über die Probleme in der Landwirtschaft informieren. „Wir sind für angepasste Düngung, Insekten-, Tier-, Umwelt- und Wasserschutz“, fasst Jana Gewers zusammen. „Aber all das soll unter wissenschaftlichen Fakten so beschlossen und umgesetzt werden, dass unsere Betriebe konkurrenzfähig bleiben.“

Protest der Landwirte über Weihnachten: Vredener stellen vier Meter große Kreuze auf

Rund vier Meter hoch sind die Kreuze, die Landwirte in und um Vreden vor Weihnachten aufgestellt haben. Damit wollen sie ihren Protest im Bewusstsein halten – auch ohne Traktorkorso. © Stephan Teine

Sie wünscht sich von den Verbrauchern, dass sie sich über die Produktion von Lebensmitteln informieren. Und dass sie regionale Produkte kaufen. Einen weiteren Wunsch schickt sie in Richtung Politik: einen ehrlichen Dialog auf Augenhöhe. „Der wurde uns nach den ersten Demonstrationen sogar von Angela Merkel versprochen“, sagt Jana Gewers.

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Eingehalten habe das bisher jedoch niemand. „Es wird weiter einfach über unsere Köpfe hinweg entschieden“, sagt sie. Teils sogar ideologisch geprägt und ohne jeden wissenschaftlichen Hintergrund.

Ans Aufhören mag niemand denken

Eigentlich müsse man bei diesen Vorzeichen einfach aufhören. Doch das kommt für die Landwirte nicht in Frage. „Landwirt ist ja nicht einfach nur ein Beruf“, sagt Jana Gewers. Die Leidenschaft dafür brenne schon seit Kindertagen in ihr. Ihren Kollegen gehe es da nicht anders.

An diesem Vormittag auf dem Acker an der T-Kreuzung in Doemern kommt dann aber doch noch so etwas wie Weihnachtsstimmung auf. Jana Gewers, Daniel Elling und ihre Mitstreiter sind fertig. Auch die anderen Kreuze seien fertig aufgestellt und weihnachtlich beleuchtet. Für sie alle geht es jetzt nach Hause. Denn auch dort ist noch genug zu tun.

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