Raphael Kampshoff beim Impftermin in Köln: Ob er den Impfstoff oder aber eine Kochsalzlösung injiziert bekommen hat, weiß er nicht. Die Spritze ist gelb abgeklebt, damit auch der, der sie setzt, nicht weiß, was drin ist. © privat
Impfstoff-Studie

Raphael Kampshoff (45) testet noch nicht zugelassenen Corona-Impfstoff

Raphael Kampshoff will etwas zum Kampf gegen die Corona-Pandemie beitragen: Er nimmt als Proband bei der Studie der Uni Köln für den mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac teil.

Raphael Kampshoff ist 45 Jahre alt, Familienvater, gesund, sehr sportlich. Der Vredener will, dass die Corona-Pandemie bald besiegt wird, und er will dazu beitragen. Er hat sich freiwillig als Teilnehmer einer Studie gemeldet, bei der ein noch nicht zugelassener Impfstoff getestet wird. „Das ist eine Möglichkeit, wie ich helfen kann, die Pandemie zu bekämpfen“, sagt er.

Als er über Corona las, stieß er im Internet auf ein zentrales Register der Uniklinik Köln für Menschen, die sich als Proband bei einer Studie mit dem Impfstoff von Curevac zur Verfügung stellen würden. „Ohne zu zögern“ habe er sich eingetragen, blickt der 45-Jährige auf den Tag im November zurück. „Ich habe keine Angst, dass da was passieren könnte. Soviel Vertrauen in die Medizin habe ich“, bekräftigt er.

Von der Corona-Pandemie ist er betroffen wie viele andere auch: Die Kinder im Homeschooling, kaum soziale Kontakte, keine Termine für die Redaktion der Münsterland Zeitung, für die er in normalen Zeiten als freier Mitarbeiter unterwegs ist. Auch die Nebeneinkünfte aus verschiedenen Trainertätigkeiten fallen weg.

Erst Online-Infoveranstaltung, dann Impftermin

Aktuell trainiert Raphael Kampshoff selbst – für den Ironman in Hamburg, der am 6. Juni geplant ist. 3,8 Kilometer Schwimmen, 183 Kilometer Radfahren und dann 42,195 Kilometer laufen – Schwimmtraining geht gerade nicht, aber laufen und radeln geht. Nur nicht direkt nach den Impfungen.

In der dritten Kalenderwoche war es soweit: Raphael Kampshoff machte sich auf den Weg nach Köln. Zuvor hatte er zwischen den Feiertagen an einer Online-Infoveranstaltung für alle Probanden teilgenommen, wo alle Fragen gestellt werden konnte. „Da blieb keine offen, es wurde alles gut erklärt“, erinnert sich der Vredener.

Zum Impfstoff

  • Das Unternehmen Curevac mit Sitz in Tübingen informiert auf seiner Internetseite über die Entwicklung seines Impfstoffs. Da heißt es:
  • Die zulassungsrelevante Phase 2b/3-Studie, die im Dezember 2020 gestartet wurde, untersucht die Wirkung einer 12µg-Dosis in zwei Phasen: in einer ersten Phase-2b-Studie, die nahtlos in eine Phase-3-Wirksamkeitsstudie übergeht.
  • Sowohl die Phase 2b als auch die Phase 3 werden als randomisierte, Beobachter-verblindete, placebokontrollierte Studien an Erwachsenen über 18 Jahren und älter durchgeführt.
  • Während das Ziel der Phase 2b-Studie die weitere Charakterisierung der Sicherheit, Reaktogenität und Immunogenität von CVnCoV ist, wird in der Phase 3 die Wirksamkeit von CVnCoV untersucht.
  • Die Studie findet an mehreren Standorten statt, wobei den Probanden im Abstand von 28 Tagen CVnCoV oder ein Placebo injiziert wird.
  • Insgesamt werden mehr als 35.000 Teilnehmer in die Phase 2b/3 HERALD-Studie an mehreren Standorten in Europa und Lateinamerika aufgenommen.
  • Quelle: www.curevac.com/covid-19/

Viel mehr als seinen Namen, sein Geschlecht, sein Alter und Angaben zu Vorerkrankungen hatte Raphael Kampshoff nicht eintragen müssen. Größe und Gewicht wurden dann beim ersten Termin an der Uniklinik erfasst, Blut wurde abgenommen, der Blutdruck und der Puls gemessen, die Lunge wurde abgehört.

Die ausgefüllten Bögen samt Einverständniserklärung ging der 45-Jährige dann noch mal mit einer Ärztin durch. „Und dann wurde gelost“, erzählt Raphael Kampshoff. Denn zu einer Studie gehört, dass einem Teil der Probanden der Impfstoff, einem anderen Teil ein Placebo – in diesem Fall eine Kochsalzlösung – injiziert wird. Wer was bekommt, wissen aber nur einige verantwortliche Mediziner, die die Studie leiten.

Die Hälfte der Probanden bekommt ein Placebo injiziert

Sogar die Spritze ist abgeklebt, damit der, der injiziert, nicht weiß, welche Lösung sich darin befindet. Der Vredener – „Proband 455“ – kann nur raten. Er hat beide Impftermine nun hinter sich und hat „überhaupt nichts gemerkt“. Raphael Kampshoff tendiert deswegen zur Einschätzung, dass er „Kochsalz-Proband“ ist. Doch wer weiß….

Nach den Impfterminen musste sich der Vredener eine halbe Stunde in der Uniklinik aufhalten, dann wurde noch einmal Fieber gemessen, der Blutdruck und der Puls. Dann ging es wieder nach Hause, und es galt, „Tagebuch“ zu führen. „Die ersten acht Tage musste ich täglich, dann alle drei bis vier Tage informieren“, erzählt Raphael Kampshoff. Das ging ganz einfach mithilfe einer App.

Jetzt hat er vor ein paar Tagen die zweite Dosis bekommen und beschreibt gerade wieder täglich seinen Gesundheitszustand. Im März fährt er wieder nach Köln: Dann wird per Blutanalyse festgestellt, ob Antikörper gebildet wurden. Wenn er denn den mRNA-Impfstoff verabreicht bekommen hat, sollte das so sein. Er wird es nicht erfahren. Noch nicht. „Die Studie läuft noch ein Jahr“, sagt der 45-Jährige. „Aber ich könnte auch jederzeit abbrechen.“

Diese Frage stellt sich aber im Moment für ihn nicht. „Ich hatte bislang sehr wenige Risikobegegnungen, ich sehe mich auch nicht als besonders gefährdet“, so Raphael Kampshoff. Wenn aber der Rest der Familie schon im Herbst geimpft sein sollte und er müsste dann bis Februar 2022 warten, bis die Studie ausgelaufen ist…. „Im besten Fall bin ich geimpft“, sieht der Vredener seine Teilnahme eher positiv.

Als Proband einer Impfstoff-Studie beim Kampf gegen Corona helfen

Sein Motiv ist ja nun einmal, dass die Studie hilft, schnell rauszukommen aus der Pandemie. „Ich hatte mich auch auf den ersten Aufruf gemeldet, als es um Hilfe im bürokratischen Bereich ging“, blickt Kampshoff zurück. Damals musste er nicht einspringen, aber jetzt hat er sich sozusagen zur Verfügung gestellt. Sechs Mal muss er insgesamt nach Köln fahren. Vergütet wird die Teilnahme mit 100 Euro pro Termin. „Darum geht es nicht, so etwas würde ich nicht aus finanziellen Gründen machen“, betont der Vredener. Er fahre sechs Mal nach Köln und zurück und nehme dafür sechs Urlaubstage, umschreibt er seinen Aufwand.

Als Proband in prominenter Gesellschaft von Dr. Eckart Hirschhausen

Raphael Kampshoff ist übrigens als Curevac-Studien-Proband in prominenter Gesellschaft: TV-Arzt und Moderator Dr. Eckart Hirschhausen macht auch mit, als „Proband Nummer 20“. Hirschhausen erzählt in einer Dokumentation, die noch in der Mediathek zu sehen ist, von seiner Teilnahme (www.bit.ly/3bCtyP0) . Insgesamt nehmen nach Angaben des Unternehmens Curevac 35.000 Teilnehmer an Studien für den Impfstoff teil.

Über die Autorin
Redaktion Ahaus
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Anne Winter-Weckenbrock

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