Restaurant Meyerink schließt wegen Corona, Gasthaus Terrahe bleibt auf

mlzGastronomie in Vreden

Jeder Gast im Restaurant muss Namen und Telefonnummer angeben. Undurchführbar, sagt Michael Meyerink. Es ist ein Grund, warum er sein Restaurant geschlossen hat. Er ist nicht der Einzige.

Vreden

, 16.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Erlass der Landesregierung zwingt die Gastronomie zu handeln. Gefordert werden erhöhte Maßnahmen der Sicherheit. Auf der anderen Seite kommen viele Gäste von sich aus nicht mehr. Michael Meyerink hat deshalb am Montag sein Restaurant geschlossen. Auch die Stammtische können sich in der Gaststätte am Up de Bookholt nicht mehr treffen. Der Hotelbetrieb geht weiter. Es ist eine Entscheidung mit Folgen.

„Wie soll ich bei einem Stammtisch alle Gäste abfangen und nach Namen und Telefonnummer fragen, alles mit Datum und Uhrzeit notieren“, sagt Michael Meyerink. Die Entscheidung ist ihm schwer gefallen, sei aber unumgänglich.

Seine sechs fest angestellten Mitarbeiter hat er nach Hause geschickt. Für sie wird er Kurzarbeit anmelden. Ob das auch für die drei Auszubildenden gilt, und was er für die Aushilfen tun kann, das will er alles abklären. Es gibt viel zu tun.

Von 26 Zimmern sind nur vier belegt

Reservierungen und Stammtischen hat er alle storniert. Erst einmal bis zum 19. April. Den Hotelbetrieb erhält Michael Meyerink erst einmal aufrecht. Das Frühstück macht er jetzt alleine. Die Tische weit auseinanderzustellen wie gefordert, fällt nicht schwer. „Von 26 Zimmern sind zurzeit vier belegt“, sagt er am Montag, „wenn alle tatsächlich anreisen...“

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Am Samstag lief das Geschäft noch. 50 Prozent der Stammtische waren da. Und auch ein paar Gruppen kamen, wenn auch leicht reduziert. Für alle standen auf einem Stehtisch die Informationen zur Hygiene und Desinfektionsmittel bereit. Jetzt ist erst einmal Schluss. „Fünf Wochen sind eine lange Zeit“, so der Vredener Gastronom. Und wer weiß heute schon, wie es dann weitergeht.

Brautpaar hat seine Hochzeit ganz abgesagt

Das starke Ostergeschäft: zu 100 Prozent abgesagt. Ein Brautpaar hat seine Hochzeit ganz abgesagt. „Ab April kommen dann die vielen kirchlichen Hochzeiten, auch mal mit 150 bis 180 Leuten“, erzählt Michael Meyerink. Das sind immense Umsatzeinbußen.

Einnahmeverluste hat er jetzt schon. „Das Kühlhaus ist voll“, sagt er. Obst und Gemüse, ein ganzes Gouda-Rad. Er will jetzt die Tafel ansprechen, so sagt er am Montag, damit die Lebensmittel nicht vernichtet werden müssen.

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Die Folgen der Corona-Epidemie sind für die Gastronomie dramatisch, so Meyerink, der in Vreden auch Vorsitzender des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbands ist. Mit vielen Kollegen ist er im Gespräch, sucht außerdem den Kontakt mit der Dehoga.

Gastronomen unterstützen Forderungen der Dehoga

Die Forderungen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands an die Politik wollen auch die Vredener Gastronomen unterstützen. Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent oder ein Rettungsschirm für Gastronomen durch die Bundesregierung nennt der Vredener als Beispiele. In diesen Tagen sammelt er dafür Unterschriften bei seinen Kollegen.

Etliche machen es in Vreden wie er. „Schweren Herzens schließen wir vorerst die Türen unseres Restaurants aufgrund der aktuellen Corona-Krise erst einmal bis zum 22. März“, schreibt das Hotel Restaurant Am Kring in Ammeloe auf seiner Facebook-Seite. Erst in den kommenden Tagen will man entscheiden, ob man das Restaurant mit den neuen Standards und Auflagen weiterführen kann. Der Hotelbetrieb wird auch hier weitergeführt.

Auch der Gasthof Zur Aalten Post in Ammeloe schließt das Restaurant und die Gaststätte bis zum 19. April. Reservierte Tische und die vielen Stammtisch sind davon betroffen. Freitags bis sonntags bietet der Gasthof eine kleine Speisekarte an, allerdings nur als Abholservice.

Gasthaus Terrahe bleibt geöffnet

Einen anderen Weg gehen ganz bewusst Ulf Dingslaken und Markus Krandick in ihrem Gasthaus Terrahe an der Königstraße. „Wir haben weiterhin geöffnet“, sagt Ulf Dingslaken auf Anfrage. Dabei setzen sie die neuen Standards um.

Bereits am Wochenende sei man auf den Saal ausgewichen, weil man dort größeren Abstand zwischen den Tischen bieten könne, so der Gastronom. Die Speisekarten wurden desinfiziert. Dass er jetzt auch noch jeden Gast nach Namen und Telefonnummer fragen muss, sieht er kritisch. „Datenschutz interessiert jetzt keinen mehr“, sagt der Vredener.

Ulf Dingslaken (l.) und Markus Krandick betreiben gemeinsam das Gasthaus Terrahe.

Ulf Dingslaken (l.) und Markus Krandick betreiben gemeinsam das Gasthaus Terrahe. © Johannes Schmittmann

Samstags lief das Geschäft noch. Sechs der angekündigten acht Firmungen wurden noch gefeiert, für eine weitere lieferte Terrahe das Essen nach Hause.

„Wir haben alle angerufen. Sie wollten trotzdem kommen, manchmal eben ohne Opa und Oma“, berichtet Ulf Dingslaken. „Wir konnten die Katastrophe noch einmal abwenden.“ Schließlich waren alle Lebensmittel gekauft.

Aber seit Sonntag steht das Telefon nicht mehr still. Absagen am laufenden Band - für die Gaststätte und für das Catering. Gerade erst kam eine Absage für eine Kommunionfeier am 19. April rein. Eine Firma wollte demnächst mit 300 Personen kommen.

Mitarbeitern wird das Kurzarbeitergeld nicht reichen

Und zwei Hochzeitspaare haben auch schon abgesagt. Jeweils 180 Gäste hätten im Gasthaus Terrahe gefeiert. „Ein Paar hat die Hochzeit aufs nächste Jahr verlegt, das andere heiratet, verschiebt aber die Party“, so Ulf Dingslaken. Schon jetzt liegen die Umsatzeinbußen im höheren fünfstelligen Bereich.

Warum das Gasthaus trotzdem geöffnet bleibt? Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind da die Mitarbeiter, die er möglichst beschäftigen will. Ob er darum herumkommt, für die zwölf Festangestellten Kurzarbeit anzumelden, weiß er nicht.

„In der Gastronomie verdient man nicht viel. 67 Prozent des Lohns, damit kommen viele nicht zurecht“, sagt er und erzählt von dem allein verdienenden Vater oder der allein stehenden Mutter in seinem Team.

Wer freiwillig schließt, kann keine Versicherungsleistungen erwarten

Vor allem aber kritisiert er, dass das Land zwar die Schließung von Bars angeordnet habe, nicht aber die der Restaurants. Sollten alle Restaurants jetzt freiwillig schließen, wäre damit eine offizielle Anordnung gar nicht mehr notwendig.

Die braucht es aber in seinen Augen. Nur dann könne man über eventuelle Betriebsausfallsversicherungen einen Teil des Schadens abfedern.

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