Ein 31-Jähriger hat mehrmals auf einen 46-Jährigen eingeschlagen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Körperverletzung

Schlägerei mit Faustschlägen und Tritten sorgt vor Gericht für Tränen

Zwei Männer sind bei einer Party im Februar aufeinander getroffen. Am nächsten Tag war einer von ihnen im Krankenhaus, neun Monate später stehen nun beide vor Gericht.

Sehr emotional und tränenreich ging es am Dienstag im Gerichtssaal am Amtsgericht Ahaus zu. Als eine Zeugin detailliert beschrieb und sogar vorführte, wie heftig ein Vredener einem anderen gegen den Kopf getreten habe, bekam das Opfer einen regelrechten Weinkrampf. Daraufhin fing sein Sohn im Publikum ebenfalls an zu weinen und zu schluchzen. Und auch zwei Zeuginnen taten sich bei ihren Aussagen schwer, ihre Gefühle unter Kontrolle zu behalten.

Es war bereits der zweite Prozess, der sich mit einer Schlägerei im Februar vor einer Gaststätte in Vreden beschäftigte. Am vergangenen Freitag musste sich ein 46-Jähriger wegen Körperverletzung und Beleidigung vor dem Amtsgericht verantworten. Dieser trat nun als Nebenkläger auf, auf der Anklagebank saß ein 31-Jähriger.

„Bei mir sind die Sicherungen durchgebrannt“

Im Großen und Ganzen waren sich alle Befragten einig, was in jener Nacht im Februar passiert ist. Der Angeklagte wollte mit seiner Lebensgefährtin feiern gehen, als sie vor der Gaststätte auf den 46-Jährigen trafen. „Er hat uns direkt beleidigt und zwar ziemlich übel“, berichtete der Angeklagte vor Gericht.

Die Situation schaukelte sich immer weiter hoch, beruhigte sich wieder und eskalierte nach einiger Zeit dann doch. Der 46-Jährige soll die Freundin des Angeklagten bedroht haben, sie zu vergewaltigen und umzubringen. So sagen es zumindest der Angeklagte, seine Freundin und ein weiterer Zeuge. „Da sind bei mir die Sicherungen durchgebrannt und ich habemehrmals zugeschlagen“, gab der 31-Jährige offen zu. „Das war bestimmt nicht die richtige Entscheidung, aber ich habe einfach die Nerven verloren.“

Der 46-Jährige selbst könne sich an gar nichts erinnern, sagte er. Weder an die Beleidigungen von seiner Seite noch an die Schläge des anderen Mannes. „Ich bin erst einige Stunden später im Krankenhaus wieder wach geworden.“ Wegen seiner Rolle bei dem Ganzen läuft ein separater Prozess, der am vergangenen Freitag vertagt wurde. Es wird einen zusätzlichen Verhandlungstermin geben, in dem noch weitere Zeugen gehört werden sollen.

Tritte gegen den Kopf wurden zum Knackpunkt vor Gericht

Auch in dem Prozess gegen den 31-Jährigen bestanden der Nebenkläger und sein Anwalt darauf, alle Zeugen zu dem Vorfall zu hören. Denn eine große Frage stand im Raum: Hat der 31-Jährige sein Opfer ins Gesicht getreten, als dieser schon am Boden lag?

„Das kann ich mir nicht vorstellen, das würde ich nie tun“, sagte der Angeklagte. Später musste er aber zerknirscht zugeben, dass er es doch nicht ganz ausschließen könne. Seine Freundin meinte: „Ich habe keine Tritte gesehen. Das würde nicht zu ihm passen.“ Doch auch sie konnte es auf Nachfrage nicht definitiv verneinen. Genauso sah es bei einem Zeugen aus, der die beiden Männer schließlich getrennt hat.

Doch eine Gruppe Frauen, die ein paar Meter entfernt gestanden hat, beschrieben übereinstimmend ebendiese Szene. „Das Opfer saß im Vierfüßlerstand am Boden und der Angeklagte hat ihn getreten. Mehrmals. Ein Tritt ging definitiv ins Gesicht, da hat man das Blut richtig spritzen sehen“, erzählte eine 41-jährige Zeugin.

Opfer leidet noch immer unter psychischen Problemen

„Diese Frauen haben nichts mit der Situation zu tun und kennen beide Männer nicht“, fasste der Richter zusammen und stufte die Aussagen als glaubwürdig ein. Deswegen verurteilte er den bislang nicht vorbestraften Vater von drei Kindern wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro. Damit blieb er unter dem Antrag der Staatsanwältin, die eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung beantragt hatte.

In seinem letzten Wort richtete sich der Angeklagte erneut an sein Opfer: „Ich weiß, dass es nicht zu entschuldigen ist, was ich Ihnen angetan habe. Aber es tut mir wirklich leid.“ Für den 46-Jährigen jedoch war es mit einer Entschuldigung nicht getan. „Das hätten Sie sich vorher überlegen müssen“, meinte er. Er habe bei der Schlägerei erhebliche Verletzung erlitten und leide noch heute an psychischen Problemen: „Ich bin nicht mehr der Alte.“

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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