Aufgrund einer schwierigen familiären Lage kam ein Vredener mit Drogen in Kontakt. Das Auftauchen der Polizei habe ihm die Augen geöffnet, so der 24-Jährige. © picture alliance / Oliver Berg/dpa
Gerichtsprozess

Schluss mit den Drogen: Vredener legt sofort alle Karten auf den Tisch

Die Trennung der Eltern hatte einen Vredener schwer mitgenommen. Etwas Ablenkung verschaffte sich der 24-Jährige über Drogenkonsum. Das sei nun vorbei – und das nahm ihm der Richter auch ab.

Es sei nun mal eine Straftat, die es zu ahnden gelte. Bei allem Verständnis für die Motivation, die hinter einer kurzen, aber durchaus intensiven Drogenkarriere eines Vredeners steckte, verurteilte der Richter im Amtsgericht Ahaus einen 24-Jährigen wegen des unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe.

In mindestens 96 Fällen hatte der Vredener binnen eines Jahres regelmäßig Drogen erworben – und das gab dieser auch unumwunden zu.

Jeweils zweimal wöchentlich erstand der 24-Jährige von Dezember 2019 bis zum 9. Dezember 2020 ein paar Gramm Marihuana. „Ein Kollege hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mal einen zu rauchen.“

So habe er in einer Runde auf einer Party erstmals konsumiert, so sei auch der Kontakt zum Dealer entstanden. Außerdem besuchte der Vredener regelmäßig Coffeeshops in den Niederlanden.

Mindestens 96 Fälle in zwölf Monaten

Konsumiert habe er letztlich gar länger als nur im besagten Zeitraum, der mit mindestens 96 Fällen nachvollzogen werden konnte. „In dem Jahr zuletzt aber regelmäßig“, erklärte der Vredener. „Durch die Trennung der Eltern war mein Mandant empfänglicher für Drogen zur Ablenkung und Entspannung“, berichtete seine Verteidigerin.

Abrupt zu Ende war die Karriere mit dem Auftauchen der Polizei im Dezember 2020. „Da haben mir dann mein Vater, bei dem ich nun wohne, und meine Verteidigerin geholfen, den Weg zur Drogenberatung zu finden“, erklärte der Angeklagte. Eine erste Abstimmung mit Vater und Verteidigerin in Absprache mit der Betreuerin hatte Ende April 2021 stattgefunden, so die Verteidigerin.

Eine Betreuerin sei dem 24-Jährigen unter anderem wegen einer ADH-Störung und einer festgestellten Minderbegabung an die Seite gestellt worden, erklärte die Verteidigerin. Wegen der Pandemie sei es zunächst noch schwer gewesen, an Termine für eine Einzeltherapie zu kommen.

Mittlerweile konnte der 24-Jährige aber drei Einzeltermine nachweisen. Nach einer ersten Entzugsphase sei er nun weg von den Drogen, der Vater kontrolliere dies nun auch.

Angeklagter zeigt Einsicht und sucht Beratung auf

In seinem Plädoyer stellte der Vertreter der Staatsanwaltschaft dann auch das „glaubwürdige Geständnis“ heraus: „Sie zeigen Einsicht, die vielen Fälle zeugen aber dennoch auch von einer gewissen kriminellen Energie.“ Angemessen seien 60 Tagessätze in Höhe von je 20 Euro.

Kurzhalten konnte sich auf dieser Basis die Verteidigerin, die ein „mildes Urteil“ für einen in der Gesamtbetrachtung doch eher minderschweren Fall anregte. Seinen Willen untermauere ihr Mandant durch die Aufnahme einer Drogenberatung. „Ich hab’s mir selbst eingebrockt und will mich bessern“, ergänzte der Angeklagte.

Auf 50 Tagessätze reduzierte der Richter letztlich das Strafmaß in seinem Urteil. „Sie haben alles eingeräumt, sofort alle Karten auf den Tisch gelegt, als die Polizei aufgetaucht ist“, erkannte der Richter nahezu eine „Selbstanzeige“. „Ihre Einsicht nehme ich Ihnen ab.“ Ebenso berücksichtige er die schwierige familiäre Situation des Angeklagten, auch sei dieser bisher ein „komplett unbeschriebenes Blatt“.

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