Schmitz-Erweiterung: Gerichtsurteil sorgt für deutliche Verzögerung

mlzSchmitz Cargobull

Die Erweiterung von Schmitz Cargobull in Vreden gerät weiter ins Stocken. Ein konkreter Baubeginn ist noch nicht in Sicht und könnte sich auch noch weiter verzögern.

Vreden

, 22.01.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schmitz Cargobull muss weiter auf die Erweiterung des Firmengeländes in Vreden warten: Eigentlich sollten die Arbeiten bereits zum Ende des Jahres 2018 starten, nun droht sich der Baubeginn bis in den Sommer 2021 zu verschieben. Grund ist ein Gerichtsurteil. „Im Bebauungsplan müssen einzelne Festsetzungen verändert werden. Wir sind mit verschiedenen Stellen und Beteiligten im Gespräch. Hierzu werden noch einige Gutachten erstellt“, sagt Joachim Hartmann, Fachbereichsleiter Planen und Bauen der Stadt Vreden.

„Manchmal auch schneller als gedacht“

Ehe ein Heilungsplan erstellt und das gesamte Verfahren inklusive Offenlegung der Unterlagen abgeschlossen ist, könnte es Sommer 2021 werden. „Wir setzen momentan alle Hebel in Bewegung, dass der Heilungsplan erfolgreich ist. Manchmal gelingt solch ein Verfahren auch schneller als gedacht“, meint Anna Stuhlmeier, Pressesprecherin bei Schmitz Cargobull, zum aktuellen Stand.

Mit der Erweiterung will das Unternehmen, ein Hersteller von Sattelaufliegern, Aufbauten und Anhängern, vor allem eine Effizienzsteigerung erreichen. Bisher ist auf dem geplanten Gelände lediglich ein Parkplatz entstanden, auf dem die fertig produzierten Lastkraftwagen abgestellt werden.

Jetzt lesen

Was war passiert: Nachbarn hatten gegen den Bebauungsplan geklagt. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat im April 2019 den Bebauungsplan für die Schmitz-Erweiterung an der B70 für ungültig erklärt.

Die Gründe: Zum einen war die Geruchsbelästigung, der die Arbeiter bei Schmitz ausgesetzt sind, nicht fehlerfrei abgewogen worden. Die Arbeitnehmer haben keine Möglichkeit, beispielsweise den Gerüchen der umliegenden Landwirtschaft auszuweichen.

Auf der Fläche an der B70 in Vreden werden schon Auflieger abgestellt. Hier soll auch ein zweites Werk entstehen.

Auf der Fläche an der B70 in Vreden werden schon Auflieger abgestellt. Hier soll auch ein zweites Werk entstehen. © Geodatenatlas Kreis Borken

Der andere Kritikpunkt: Die Belange des Lärmschutzes sind nicht fehlerfrei abgewogen worden. „Es ist mit einer [...] Zunahme des Verkehrs auf der B70 und infolgedessen mit einer Zunahme der auf die [...] Wohnhäuser einwirkenden verkehrsbedingten Lärmimmissionen zu rechnen“, heißt es im Urteil des OVG.

Heilungsplan im zweiten Quartal 2020

Das Gericht stellte fest, dass bereits beim aktuellen Betrieb rund um das Werk die Lärmbelastung so hoch ist, dass bei einer Erweiterung eine geringe Erhöhung des Pegels unzumutbar für die umliegenden Bewohner sein kann.

Daraufhin beschloss der Bauausschuss der Stadt Vreden, ein ergänzendes Verfahren zur Behebung der Fehler durchzuführen. In diesem Zusammenhang wird nun ein Heilungsplan erstellt. „Das Verfahren läuft seit einigen Monaten. Unser Ziel ist es, den Heilungsplan bis zum Ende des zweiten Quartals 2020 fertig zu bekommen“, sagt Joachim Hartmann.

Jetzt lesen

Im Anschluss wird der Plan öffentlich ausgelegt. Dann haben die Bürger die Möglichkeit, Kritikpunkte vorzubringen. Im Zuge des Gerichtsverfahrens im vergangenen Jahr hatte eine Klägergemeinschaft vor allem den fehlenden Lärmschutz bemängelt.

Anwohner werden in Planungen einbezogen

Sowohl Anna Stuhlmeier als auch Joachim Hartmann betonen, dass sie bei den Gesprächen und Arbeitsgruppen die Sorgen der umliegenden Anwohner auf alle Fälle miteinbeziehen.

Die fertigen Lastkraftwagen stehen schon bereit für den Abtransport.

Die fertigen Lastkraftwagen stehen schon bereit für den Abtransport. © Markus Gehring

Trotz allem kommt es zu einer weiteren Verzögerung der Erweiterung. Daher fragt sich der Fachbereichsleiter Planen und Bauen der Stadt Vreden: „Will Schmitz auch in anderthalb Jahren noch genau das bauen, was sie ursprünglich geplant hatten?“

„Müssen im Zweifel reagieren können“

Die Pressesprecherin von Schmitz Cargobull meint dazu: „Wir müssen unsere Betriebsstätten ständig an die Gegebenheiten des Marktes anpassen, sodass wir im Zweifel auch reagieren können, wenn es in der Transportwirtschaft einen höheren Bedarf gibt. Daher müssen wir uns ständig hinterfragen, ob alle Anlagen und Betriebsstätten auf dem neuesten Stand und vom Platz her noch zeitgemäß sind.“

Jetzt lesen

Als Alternative für die ursprüngliche Erweiterung an der B70 entstand die Idee, dass alle Produkte und Prozesse auf dem bestehenden Gelände ausgebaut werden. Zu diesen Plänen wollte sich Anna Stuhlmeier nicht konkret äußern. Im vergangenen Jahr sagte sie dazu, dass auf dem aktuellen Betriebsgelände die Luft nach oben begrenzt sei und und die geplanten Maßnahmen nicht in der Gänze umsetzbar seien.

Trotzdem betont die Pressesprecherin, dass die Erweiterungspläne ein Bekenntnis zum Standort Vreden sind. Dennoch bleibt es abzuwarten, wie der Heilungsplan ankommt und was im Anschluss passiert.

Lesen Sie jetzt