Die Schüler der Internationalen Klasse folgen konzentriert dem Unterricht. 10 bis 14 Stunden in der Woche nehmen sie am Gymnasium Georgianum an diesem Förderunterricht teil. © Bastian Becker
Internationale Klasse

Schüler aus neun Ländern lernen am Georgianum viel mehr als Deutsch

Seit fünf Jahren gibt es die Internationale Klasse am Gymnasium Georgianum in Vreden. Derzeit werden dort 14 Schüler aus neun Ländern unterrichtet. Ein Highlight liegt etwa ein Jahr zurück.

Als vor fünf Jahren die Internationale Klasse am Gymnasium Georgianum während der „Flüchtlingswelle“ startete, ging alles sehr plötzlich. „26 Kinder standen vor der Tür und wir hatten zunächst keine Ahnung“, erinnert sich Meike Honerbom, die Leiterin der Internationalen Klasse.

An diesem Morgen steht für die Schüler Mathematik auf dem Plan. Zuerst üben die Schüler aber in einer Vorstellungsrunde ihre Deutschkenntnisse. Woher sie kommen, können alle ohne Probleme mitteilen. Mongolei, Italien, Thailand, Polen, Syrien, Libanon, Pakistan, Türkei, Irak – die Liste der Herkunftsländer ist vielfältig. Auf die Frage: „Wo wohnst du jetzt?“ antworten aber alle dasselbe: „Ich wohne in Vreden.“

Schüler bleiben bis zu zwei Jahre in der Internationalen Klasse

Zum kleinen Jubiläum des Erstförderungs-Angebots hat sich in Vreden schon vieles eingespielt. Derzeit gehen 14 Kinder von Klasse 5 bis 9 in die Internationale Klasse. 10 bis 14 Stunden in der Woche lernen sie dort überwiegend Deutsch, aber auch andere Fächer wie Mathematik, um den Wissensstand ihrer gleichaltrigen Mitschüler zu erreichen. Ansonsten nehmen sie am Regelunterricht mit ihren gleichaltrigen Mitschülern teil.

Die Erstförderung läuft zwei Jahre. Danach fällt eine Entscheidung, zu welcher Schulform die Schüler der Internationalen Klasse gehen. „Wenn Kinder hier am Gymnasium bleiben und das schaffen, ist das schon eine enorme Leistung“, weiß Meike Honerbom. Denn es gibt nach der Ankunft in Deutschland viel zu lernen.

Ausflüge in den Supermarkt und auf den Weihnachtsmarkt

Neben Deutsch, Mathe und Englisch stehen Fragen der Arbeitsorganisation (zum Beispiel Heftführung), aber vor allem auch integrative Aspekte im Fokus. Wenn das Thema Einkaufen auf dem Stundenplan steht, besuchen die Schüler der Internationalen Klasse auch mal einen Supermarkt und testen praktisch ihre Kenntnisse.

Ein Höhepunkt aus Meike Honerboms Sicht war der Besuch des Vredener Weihnachtsmarkts im vergangenen Jahr. „Wir hatten dort viele schöne Begegnungen, die Schüler durften zum Beispiel ohne Anmeldung auf die Eisfläche“, erinnert sich die 40-jährige Lehrerin. „Gerade jüngere Schüler lernen intuitiv“, erklärt Meike Honerbom.

Große Unterschiede im Leistungsstand der Schüler

Insgesamt etwa 60 Kinder haben in fünf Jahren die Internationale Klasse besucht. Dabei ist es eher der Ausnahmefall, dass die Erstförderung wie in Vreden oder in Ahaus am Alexander-Hegius-Gymnasium an einem Gymnasium stattfindet.

In der Internationalen Klasse kommen Schüler mit sehr unterschiedlichen Lernniveaus zusammen. „Wir haben Kinder, die eher langsam lernen, und auch Kinder, die sehr intelligent sind und sechs Sprachen sprechen. Eigentlich bräuchte jeder einen eigenen Lehrer“, schildert Meike Honerbom. Deswegen ist sie froh, wenn sie Referendare oder Praktikanten im Unterricht unterstützen. Um ihre Ausführungen für die Schüler verständlicher zu machen, unterstützt die Lehrerin ihre Worte mit starker Gestik.

Doumouh und Kevin schätzen die ruhige Atmosphäre

Zu den älteren Schülern in der Internationalen Klasse zählen die 14-jährige Doumouh aus dem Libanon und der 15-jährige Kevin. Er hat einen italienischen Pass, seine Eltern stammen aus Serbien. Doumouh geht schon seit eineinhalb Jahren in Vreden zur Schule. Sie spricht flüssig und nahezu fehlerfrei Deutsch. „Ich verstehe im Deutschunterricht schon einiges, mir fällt aber das Schreiben noch schwer“, erklärt Doumouh.

Meike Honerkamp vermittelt den Schülern Deutschkenntnisse, aber auch weitere wichtige Fertigkeiten.
Meike Honerkamp vermittelt den Schülern Deutschkenntnisse, aber auch weitere wichtige Fertigkeiten. © Bastian Becker © Bastian Becker

An der Internationalen Klasse schätzt sie besonders die ruhige Arbeitsatmosphäre: „Wenn wir etwas Falsches sagen, korrigiert es Frau Honerbom und erklärt es mehr als ein Mal. Wir bekommen hier mehr Schutz und dürfen alle Fragen stellen, die wir sonst nicht stellen können.“

Kevin besucht seit dem Sommer das Vredener Gymnasium. „Ich mache gerne Deutsch, aber der Unterricht in meiner Regelklasse ist noch schwierig. Die sind fast fertig mit der Grammatik“, erzählt er. Die Aussprache einiger deutscher Wörter findet er schwierig, aber zur Internationalen Klasse geht er immer gerne. „Ich kann hier gut lernen und Spaß haben“, freut sich Kevin.

Auch die Lehrerin lernt ständig dazu

„Die Internationale Klasse ist ein geschützter Raum. Die Schüler können mir alles erzählen und kommen hier gerne hin“, weiß Meike Honerbom. Aber auch die Pädagogin selbst nimmt einiges aus ihren sieben Wochenstunden mit den internationalen Schülern mit. „Man bekommt viel zurück, es bildet einen selbst ungemein. Ich bekomme ein anderes kulturelles Hintergrundwissen“, sagt sie dazu.

So manche Vorstellung werde dabei über den Haufen geworfen. „Bei einem Frühstück zu Beginn der Internationalen Klasse haben alle das Geschirr falsch in die Spülmaschine eingeräumt, damit hatte ich nicht gerechnet“, blickt Meike Honerbom zurück.

Positives Zwischenfazit mit Verbesserungspotenzial

„Wir sind ein ganzes Stück weitergekommen, was die Professionalisierung betrifft“, stellt die Pädagogin als Zwischenfazit fest. Das Netzwerk mit Stadt, Kreis und den anderen Schulen ist bekannt, auch die Verlage bieten mittlerweile passende Unterrichtsmaterialien an. „Auch die anderen Schüler profitieren davon, dass die Klassen bunter werden, und vom Kontakt mit anderen Kulturen“, ist sich Meike Honerbom sicher.

Für die Zukunft will das Georgianum die Verknüpfung mit dem Regelunterricht noch weiter verbessern. „Zum Beispiel können wir im Fachunterricht darauf achten, bestimmte Begriffe besser einzuführen“, nennt Meike Honerbom einen Aspekt.

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Bastian Becker

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