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Schulcampus: Die Fraktionen im Rat erklären, warum sie wie abgestimmt haben

mlzBürgerentscheid

CDU und Grüne haben in der Ratssitzung im November 2018 für die Variante D gestimmt, SPD, UWG und FDP dagegen. Die fünf Fraktionen haben sehr unterschiedliche Argumente.

Vreden

, 24.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Seit fast neun Jahren beschäftigen sich die Kommunalpolitiker ehrenamtlich mit dem Thema Schulcampus. Unzählige Diskussionsrunden und Beschlüsse gab es dazu. Am Ende steht kein einheitliches Stimmungsbild. CDU und die Grünen haben im November 2018 für die Variante D gestimmt, SPD, UWG und FDP dagegen. Sie unterstützen jetzt den Bürgerentscheid.

CDU: „Es ist die beste Entscheidung, die Schulstraße aufzugeben“

In der CDU-Fraktion wurde lange und intensiv diskutiert, bevor sich die Mehrheit für die Variante D entschieden hat. Dabei hat die CDU selber die Variante ins Spiel gebracht, die jetzt von der Bürgerinitiative bevorzugt wird. „Wir wollten sie prüfen lassen, aber wir haben uns zu keinem Zeitpunkt darauf festgelegt“, erklärt Fraktionsvorsitzender Heinz Gewering.

Zur Sache: „Die verschiedenen Verkehrsströme kommen in der Variante D nicht mehr miteinander in Berührung. Deswegen ist es die beste Entscheidung, die Schulstraße aufzugeben“, meint er. Der Schulsport werde weiter und in besserer Qualität an den Schulen stattfinden können, sagt Stephan Bengfort aus dem Fraktionsvorstand. Ohne 400-Meter-Bahn gebe es mehr Möglichkeiten, auf die Schulentwicklung zu reagieren. Mit dem Campus werde zum einen eine Verbindung zwischen den Schulen, zum anderen ein neuer Eingangsbereich für den Theatersaal im Gymnasium geschaffen.

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Beim Thema Hallen vertraut die CDU auf die Expertise der Sportvereine. „Wenn die sagen, wir brauchen eine große Halle, dann brauchen wir eine große Halle“, meint Stephan Bengfort. Genauso argumentiert Heinz Gewering zum Thema Sportzentrum: „Wir können doch nicht erst die Vereine und Schulen fragen, was sie wollen, und dann einfach was ganz anderes machen.“

SPD: „Der TV Vreden gehört ins Schulzentrum“

Markus Windmeier, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, arbeitet als Sportlehrer in Ahaus und sagt: „Die geplanten Anlagen sind für den Schulsport nicht ausreichend. Wenn die eine Gruppe Weitsprung macht, kann keine andere 100-Meter-Lauf machen.“ Auch die Kleinspielfelder findet er zu eng. „15 gegen 15 zu spielen, ist da nicht möglich.“

Er möchte das große Ganze sehen und vor allem Vereine und Schule nicht trennen. Die Leichtathletikanlage im Sportzentrum sei ein „exklusives Stadion für wenige“. Stattdessen solle vor allem der TV Vreden sich im Schulzentrum positionieren und beim Ganztag oder bei AGs mitarbeiten.

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Die Daten der Kreispolizei, die zeigen, dass es nur sehr wenige Unfälle auf der Schulstraße gab, findet er überzeugend. „Wenn die Straße bis jetzt nicht gefährlich war, dann wird sie auch nicht gefährlich werden“, so seine Meinung. Die Straße und das Widukindstadion aufzugeben, kommt für ihn deswegen nicht infrage. „Wir brauchen den großen Platz nicht und der jetzige Haupteingang zum Gymnasium mit Theatersaal ist sehr repräsentativ.“

Zum Thema Fördergelder sagt Markus Windmeier: „Andere Projekte haben wir erst beschlossen, als feststand, dass wir Fördergelder bekommen. Jetzt sollen wir schon vorher beschließen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand sagt: Wir fördern die Auslagerung eines Sportzentrums vom Zentrum an den Stadtrand.“

Grüne: „Wir halten die Variante D für die zukunftssicherste Variante“

Immer wieder hat Gerd Welper, Fraktionsvorsitzender der Grünen, darauf gepocht, doch nun endlich mal einen Beschluss zu fassen. Er hat sich früh festgelegt: „Wir halten die Variante D für die zukunftssicherste Variante.“ Es gehe vor allem um Flexibilität. „Wir reden über eine Nutzungsdauer bis 2075. Diese Variante gibt uns die Möglichkeit, auf alles zu reagieren.“

Zum Thema Verkehrssicherheit sagt er: „Die Schulstraße ist eine Straße durch ein Schulzentrum. Die hat da nichts verloren, sie zerschneidet ein System.“ Aus den Daten der Polizei abzuleiten, dass die Straße bleiben muss, kann er nicht nachvollziehen. „Das heißt doch nicht, dass alles andere gefährlich ist.“ Auch die Rundlaufbahn muss seiner Meinung nach nicht im Schulzentrum bleiben. Sie beanspruche zu viel Platz in dem sowieso schon engen Raum. Die geplanten Anlagen seien für den Schulsport ausreichend.

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Ein Problem hat Gerd Welper mit der Formulierung des Bürgerentscheids. „Das würde keinen Handlungsdruck erzeugen, das würde nur den Status Quo festschreiben.“ Die Forderungen der Bürgerinitiative seien erfüllbar, ohne wirklich etwas zu tun. Nur die Schulstraße müsste optimiert werden – in welcher Form auch immer. „Die Bürgerinitiative steht planungstechnisch da, wo wir vor zweieinhalb Jahren standen. Vor der Kommunalwahl im Herbst 2020 würden wir bestimmt nirgendwo mehr ankommen.“

FDP: „Wir brauchen die 400-Meter-Bahn im Schulzentrum“

FDP-Fraktionsvorsitzender Hendrik Mulder ist der Meinung: „Wir brauchen die 400-Meter-Bahn, aber nicht an der Ottensteiner Straße, sondern im Schulzentrum.“ In diesem Zusammenhang wirft die Partei der Verwaltung eine eindeutige Falschaussage vor. „Es ist möglich, eine normgerechte Rundlaufbahn im Schulzentrum zu errichten“, sagt Hendrik Mulder. Tatsächlich musste Fachbereichsleiter Joachim Hartmann bereits im Februar 2018 zugeben, dass der Platz dafür ausreicht.

Mulders Eindruck ist, dass die Diskussion mit Absicht auf den Sport reduziert wird, weil dort viele Wähler zu erreichen sind. Dabei sagt er deutlich: „Wir wollen den Sport in Vreden nicht schädigen.“ Die Mehrkosten für die Anlage im Sportzentrum könne man jedoch sparen. „Wir sollten lieber Fahrradwege oder Wirtschaftswege sanieren. Das schieben wir immer wieder auf, weil das Geld fehlt.“

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Der Fraktionsvorsitzende glaubt, dass es bei der ganzen Diskussion eigentlich nur darum geht, einen neuen Eingangsbereich zum Theatersaal im Gymnasium zu ermöglichen. „Nur deswegen soll das Stadion verlegt werden.“ In der Variante, die die FDP erarbeitet hat, sei sowohl die normgerechte 400-Meter-Bahn als auch ein 2000 Quadratmeter großer Vorplatz eingezeichnet.

Die Schulstraße hält er für sicher, wenn auch nicht ganz optimal. Die Alternative jedoch findet er schlimmer: „Der Busbahnhof wird nicht so funktionieren, wie die Verwaltung sich das vorstellt.“

UWG: „Die BI untermauert ihre Argumente valide“

„Die Bürgerinitiative macht ihre Sache sehr gut und untermauert ihre Argumente valide“, meint UWG-Fraktionsvorsitzender Elmar Kampshoff. Ein Beispiel: Die Daten zur Verkehrssicherheit von der Kreispolizei. „Die Verwaltung stellt diese Zahlen infrage, ohne einen Gegenbeweis zu haben. An dem geplanten fünfarmigen Kreisverkehr treffen mehrere hundert Fahrradfahrer, Fußgänger, Busse, Durchgangs- und Anwohnerverkehr aufeinander. Das muss man in Relation stellen zu einer Straße, die nachweislich sicher ist.“

Das Widukindstadion soll seiner Meinung nach ebenfalls erhalten bleiben. Wie die FDP spricht auch Elmar Kampshoff (UWG) von einer Falschaussage der Verwaltung, wenn die behauptet, dass eine normgerechte 400-Meter-Bahn im Schulzentrum nicht möglich sei. Er möchte Schule und Sport verbinden statt zu trennen. Ohne die Erweiterung am Sportzentrum könne zudem Geld gespart werden. „Es darf natürlich kein Wettbewerb sein, wie es am günstigsten wird. Aber wir haben eine Verantwortung für Steuergelder und damit für alle Bürger.“

Die große Mehrfachhalle zwischen den Schulen sei aus städtebaulicher Sicht „die schlechteste Variante“. „Das ist ein riesen Koloss, das hat mit einer Verbindung zwischen den Schulen nichts zu tun“, meint Kampshoff. Die UWG unterstützt deswegen den Bürgerentscheid und meint: „Die Vorbereitungen der Verwaltung sind so wenig überzeugend, wie es nach neun Jahren nicht sein darf.“

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