Weil es zu wenig Lehrer gibt, bekommen Grundschulen in Vreden jetzt Schulsozialarbeiter

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Beim Kreis Borken gibt es zahlreiche Lehrerstellen, die nicht besetzt sind. Davon könnten jetzt Grundschulen profitieren. Denn die Stellen können umgewandelt werden - für Schulsozialarbeiter.

Vreden

, 20.02.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schulsozialarbeiter statt Lehrer. Das ist ganz grob das Konzept, das Schulamtsdirektor Siegfried Werner jetzt im Bildungs-, Sport- und Kulturausschuss vorgestellt hat. Dahinter steckt ein umfangreiches Programm, das hier mit Fragen und Antworten erklärt wird.

? Wo liegt das Problem an den Grundschulen?

Eigentlich gebe es gleich zwei Probleme, sagt Siegfried Werner. Erstens: „Eine veränderte Kindheit und veränderte Familien führen zu einem veränderten Verhalten in der Kindheit.“ Weil immer mehr Kinder Probleme haben, sei ein geregelter Unterricht an Grundschulen oft gar nicht möglich.

Zweitens: „Es herrscht Lehrermangel“, macht Siegfried Werner deutlich. Gerade hier im ländlichen Bereich sei es schwierig, Nachwuchs zu bekommen.

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? Was schlägt der Kreis Borken als Lösung vor?

Lehrerstellen können in Stellen für Schulsozialarbeiter umgewandelt werden. Grundlage dafür ist ein Erlass des Ministeriums für Schule und Weiterbildung in NRW. Darin steht, dass Schulen statt eines Lehrers auch einen Schulsozialarbeiter beschäftigen können.

? Aber gibt es dann nicht weniger Lehrer für die Schulen?

Nicht wirklich, sagt Schulamtsdirektor Siegfried Werner. Denn die Lehrerstellen können gar nicht mit Lehrern besetzt werden. „Die Alternative wäre, dass es weiter freie Stellen gibt, die nicht genutzt werden können, weil dafür das Personal fehlt.“

? Wie schlimm ist der Lehrermangel?

„Wir haben im Kreis gerade 94 bis 96 Prozent der Lehrerstellen besetzt“, sagt Siegfried Werner. Optimal sei eine Besetzung von 104 Prozent, damit es sogenannte Springer gibt. Die können bei längeren Krankheiten oder sonstigen Ausfällen einspringen.

„An den Grundschulen in Vreden kann der Unterricht im Moment gewährleistet werden“, erklärt der Experte vom Kreis Borken. Springer gibt es jedoch nicht. Heißt: Sobald ein Lehrer ausfällt, fällt auch der Unterricht aus.

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? Müssen die Vredener Schulen auf Lehrer verzichten, wenn sie einen Schulsozialarbeiter bekommen?

Nein. Denn die Stellen werden nicht bei der jeweiligen Schule abgezogen. Sie stammen aus dem allgemeinen Stellenpool des Schulamtes.

? Wie viele Schulsozialarbeiter könnte Vreden bekommen?

Der Kreis Borken schlägt vor, an jeder der drei Vredener Grundschulen eine halbe Stelle Schulsozialarbeit einzurichten. Dafür würde aus dem Gesamtpool jeweils eine viertel Lehrerstelle umgewandelt werden. Das Land NRW finanziert darüber also den Schulsozialarbeiter zur Hälfte. Die andere Hälfte übernimmt die Stadt Vreden. Sie müsste also insgesamt für alle drei Schulen zusammen 0,75 Stellen bezahlen.

? Ist das Konzept eine Lösung für den Lehrermangel?

Nein. „Schulsozialarbeiter geben auf gar keinen Fall Unterricht“, macht Siegfried Werner deutlich. Sie sollen lediglich durch ihre Arbeit dazu beitragen, einen geregelten Unterricht möglich zu machen. Sie arbeiten vor allem mit den Schülern, beraten aber auch Eltern und Lehrer. Außerdem arbeiten sie mit der Jugendhilfe und sozialen Diensten zusammen.

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? Was ist, wenn es irgendwann doch wieder genug Lehrer gibt?

Das Ganze kann jederzeit wieder rückgängig gemacht werden. Die Stellen für Schulsozialarbeiter werden dann wieder zu Lehrerstellen. Doch Joachim Hartmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, ist sich sicher, dass die Schulen auch dann nicht auf Sozialarbeiter verzichten müssten: „Wenn die einmal da sind, wird die niemand mehr abschaffen.“ Zur Not müsste die Stadt in dem Fall eine eigene Lösung zur Finanzierung finden.

? Wie sind die Meinungen in Vreden zu dem Konzept?

Die Grundschulen haben nach Angaben der Stadtverwaltung zugestimmt. Auch die Mitglieder des Bildungs-, Sport- und Kulturausschusses waren überzeugt. Der Rat muss jetzt noch die finanziellen Mittel bereitstellen und dem Kooperationsvertrag mit dem Kreis Borken zustimmen, dann kann es zum nächsten Schuljahr losgehen.

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