Henrike Tenwinkel hat den Abstrich bei Victoria Garwer gemacht. © Privat
Coronavirus

Selbstversuch Corona-Schnelltest: Tränende Augen und gereizte Schleimhaut

Das Seniorenheim St. Ludger in Vreden bietet Corona-Schnelltests für die Angehörigen der Bewohner an. Redakteurin Victoria Garwer möchte dort ihre Oma besuchen und berichtet vom Test.

Beim Schreiben dieser Zeilen am Abend des 23. Dezember ist mein rechtes Nasenloch noch immer gereizt. Es fühlt sich komisch an. Ein wenig ausgeleiert, um es laienhaft zu sagen. Vor einer halben Stunde habe ich am St.-Ludger-Seniorenzentrum einen Corona-Schnelltest gemacht.

Meine Oma wohnt dort und ich möchte sie gerne besuchen – ohne schlechtes Gewissen. „Wir können niemanden zu einem Test zwingen und wir dürfen keinem Besucher den Zutritt verweigern, wenn er sich nicht testen lassen möchte“, stellt Christiane Nitsche-Costa, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Pflegenetz Westmünsterland, klar.

Doch sie appelliert an die Vernunft der Besucher und ich möchte vernünftig sein. Also habe ich einen Termin für den Schnelltest gemacht. Zum vereinbarten Zeitpunkt bin ich vor Ort. Getestet wird in einem leerstehenden Raum des alten Gebäudes neben dem Krankenhaus. Hier gibt es zwei Zugänge direkt von der Straße aus.

Corona-Schnelltest ist nur eine Momentaufnahme

Als erstes erwartet mich ein Tisch mit Desinfektionsspray und einem Formular, dass ich offenbar ausfüllen soll. Menschen habe ich bislang noch nicht getroffen, hier geht alles kontaktlos.

Ich trage meine Daten ein und überfliege die Einwilligungserklärung. An einem Satz bleibe ich hängen: „Mir ist bewusst, dass der Abstrich mindestens als unangenehmen, manchmal sogar als schmerzhaft erlebt wird.“ Oha. Außerdem soll ich unterschreiben, dass es zu Reizungen an der Schleimhaut kommen kann, dass es sich bei dem Schnelltest nur um eine Momentaufnahme handelt, dass es zu falschen Ergebnissen kommen kann und dass ein positives Testergebnis an das Gesundheitsamt gemeldet wird.

Mit dem unterschriebenen Blatt Papier folge ich den Pfeilen in einen großen Raum. Drei Frauen sitzen hier in verschiedenen Ecken an kleinen Tischen. Sie tragen Kittel, Masken, Handschuhe und Schutzbrillen. Ich darf bei Henrike Tenwinkel Platz nehmen.

Abstrich tief in der Nase dauert länger als gedacht

„Schonmal einen Corona-Test gemacht?“, ist das erste, was sie mich fragt. Offenbar möchte sie wissen, ob ich das Gefühl kenne, wenn mir ein Stäbchen so tief in die Nase geschoben wird, dass sich alles zusammenzieht. Nein, das kenne ich bisher nicht.

Nun ist es also soweit. Ich nehme die Maske ab und Henrike Tenwinkel tritt mit dem Stäbchen an mich heran. Langsam und vorsichtig führt sie es in das rechte Nasenloch. Immer tiefer schiebt sie das Stäbchen, bis es offenbar nicht weiter geht. Tränen schießen mir in die Augen, aber nicht wegen der Schmerzen. Die spüre ich zwar eindeutig, aber sie sind auszuhalten. Das Stäbchen hat offenbar meine Tränendrüse gereizt.

Jetzt muss es doch gleich vorbei sein. Nein, Henrike Tenwinkel dreht das Stäbchen langsam und drückt es ein letztes Mal noch ein bisschen tiefer. Dann ist es endlich geschafft. Meine Augen sind feucht, das Nasenloch schmerzt. Ich setze die Maske direkt wieder auf. Darunter fühlt es sich an, als würde ein wenig Flüssigkeit aus meiner Nase laufen. Dass der Abstrich tief in der Nase gemacht wird, war mir ja klar, aber dass es so lange dauert, ist eine Überraschung für mich.

Viertelstunde Wartezeit wird ganz schön lang

Jetzt heißt es warten. Henrike Tenwinkel stellt den Wecker auf 15 Minuten, aus dem Handy kommt leise Musik. Wir nutzen die Zeit für ein lockeres Gespräch. Die Ellewickerin erzählt mir, dass sie medizinische Fachangestellte ist. In der Praxis, in der sie arbeitet, macht sie auch immer wieder Abstriche. Nach Feierabend kommt sie nun zwei Mal pro Woche hierher, um Besucher des Seniorenheims zu testen. „Man kann ja eh nichts unternehmen, da kann ich auch was Gutes tun“, meint sie.

Diese Einstellung ist ein Glück für das Klinikum Westmünsterland. „Wir brauchen für die Tests Personen, die medizinisch vorgebildet sind“, sagt Christiane Nitsche-Costa. Im laufenden Betrieb im Seniorenheim sei das Testen schlicht nicht möglich. Schließlich haben die Pfleger dort schon genug zu tun.

Für die Teststationen wird deswegen noch immer Personal gesucht. Denn pro Test muss eine halbe Stunde Zeit eingerechnet werden. „Die Vorbereitungen zählen ja auch dazu. Die Testflüssigkeit muss ganz genau abgemessen werden und die Tester müssen ihre Schutzkleidung wechseln. Nach jedem Test wird gelüftet und alles desinfiziert“, erklärt Christiane Nitsche-Costa den Aufwand.

Auf dem Schnelltest taucht kein zweiter Strich auf

Am St.-Ludger-Seniorenzentrum können sich Angehörige der Bewohner schon seit dem 21. Dezember einmal pro Woche testen lassen. War denn schon mal ein Test positiv? „Ja, direkt der erste. Die Frau war selber ziemlich überrascht, sie hatte gar keine Symptome“, berichtet Henrike Tenwinkel.

Zum ersten Mal kommt mir der Gedanke, dass ja auch mein Test positiv ausfallen könnte. Hatte ich nicht heute Morgen Kopfschmerzen? Und was war das eigentlich für ein Hustenanfall vorhin? Bei solchen Gedanken werden 15 Minuten auf einmal sehr lang.

Drei Minuten muss ich noch warten. „Aber es sieht gut aus“, sagt Henrike Tenwinkel und schiebt mir das kleine Plastikteil rüber. Nur ein Strich ist zu sehen. „Wenn er positiv wäre, würde hier unten ein zweiter Strich auftauchen.“ Das passiert zum Glück auch in der restlichen Zeit nicht.

Der Schnelltest ist zum Glück negativ ausgefallen. Bei einem positiven Testergebnis wäre eine zweite Linie aufgetaucht. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Henrike Tenwinkel kreuzt „Negativ“ auf meinem Formular an und entlässt mich nach Hause. Wenn ich nun ruhigen Gewissens meine Oma besuche, trage ich trotzdem natürlich eine FFP2-Maske und halte Abstand. Schließlich ist so ein Corona-Schnelltest keine endgültige Garantie. Aber beruhigend ist es schon.

Anmerkung der Redaktion: Test ist seit 24.12. Pflicht – sonst kann Zutritt verwehrt werden

Der oben stehende Text wurde am 23. Dezember erstellt. Nun ist auch unsere Berichterstattung ein Opfer der sich stetig ändernden Rahmenbedingungen geworden: Die zitierte Aussage „Wir können niemanden zu einem Test zwingen und dürfen keinem Besucher den Zutritt verweigern, wenn er sich nicht testen lassen will“, stammt aus einem Hintergrundgespräch zu der Selbsttest-Reportage von Victoria Garwer, das am 22. Dezember geführt wurde. Zu dieser Zeit war es tatsächlich noch so, dass die Pflegeeinrichtungen bei Besuchern nicht auf einen Test bestehen konnten.

Dies änderte sich allerdings bereits am 24. Dezember im Zuge der ab diesem Tag geltenden Allgemeinverfügung „Pflege und Besuche“ des Landes Nordrhein-Westfalen. Seither können die Senioren- und Pflegezentren Besuchern den Zutritt verwehren, wenn diese sich weigern, an einem so genannten Schnelltest teilzunehmen. Hier geht es zur aktuell geltenden Allgemeinverfügung des Landes vom 24. Dezember.

Über die Autorin
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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