Sie kannten sich nicht und ähneln sich doch

Kunstausstellung eröffnet

Schlicht, aber dennoch ergreifend: Die Ausstellung "Strich - Schrift - Raum" ist am Samstag in Zusammenarbeit von Volkshochschule (VHS) und dem Kunst- und Kulturkreis Berkelkraftwerk in den Räumen der VHS in Vreden eröffnet wurde.

VREDEN

08.03.2015, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht." Lustig ist er, dieser Malvers, den wohl jeder kennt und zu dem unzählige Strophen hinzugefügt werden können. Und doch ist er mehr, als ein bloßer Kinderreim, denn eigentlich beinhaltet die kurze Strophe die Auflistung aller Grundelemente einer guten Zeichnung. Eindrucksvoll beweist dies die Ausstellung.

Die Werkschau zeigt zahlreiche, zumeist kleinformatige Zeichnungen und Drucke der beiden Künstler Heinz-Albert Heinrichs und Albert Lösener. Der bereits verstorbene Lösener wohnte in Köln und arbeitete zeitlebens als Jurist. "Er war sehr scheu, lebte sehr abgeschieden und schuf seine Arbeiten in seinem ,Ich-Universum’, einem kleinen Zimmer in seinem Kölner Haus", erklärte Bernd Sikora, Vorsitzender des Vredener Kunst- und Kulturvereins, bei der Ausstellungseröffnung.

Literat und Musiker

Heinz-Albert Heindrichs hingegen lebt in Gelsenkirchen, ist nicht nur Künstler, sondern zugleich auch Literat und Musiker und hatte bis 1996 eine Professur für Musik und Komposition an der Universität Essen inne.

Wer die Werke betrachtet, die teilweise getrennt, teilweise jedoch auch direkt nebeneinander angeordnet sind,, vermag kaum glauben, dass sich die Künstler nicht kannten oder wenigstens Kenntnis vom Wirken des Anderen hatten.

Doch was unglaublich scheint, ist tatsächlich wahr. Zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, gelangen unabhängig voneinander zu einer ganz ähnlichen Ausdrucksform und Formensprache: die Verbindung von Schrift-Chiffren mit Strichfolgen zu energetischen Bildern, deren filigrane und doch zugleich kraftvollen Strukturen es zu ergründen gilt. Nicht selten benötigt der Betrachter mehr als nur einen Blick, zuweilen sogar eine Lupe, um die Liniengebilde zu erforschen und ihrem Inhalt auf den Grund zu gehen.

Impulsiver Charme

Löseners frühe Zeichnungen haben den Charme zufällig entstandener, impulsiver Kritzeleien. Erst später werden die Striche strukturierter, gezielter, gelangen zu eigener Ordnung. "Er selbst sprach von ,wachsenden Zentren’, Striche waren für ihn ,verwandelte Gefühle’, so Sikora.

Heindrichs Werke sind größer als die von Lösener, ähnelt diesen aber stark. Er verwendet "geschriebene Chiffren": Bei ihm ist es die Schrift, die sich zum Strich verwandelt, Texte, die von imaginärem Inhalt sind. Neben den Zeichnungen sind auch Bilder in Kratztechnik zu sehen, in Schichten gearbeitete Werke, die im wahrsten Sinne des Wortes von Hintergründigkeit sind.

Noch nie zuvor wurden Werke der beiden Künstler zusammen präsentiert. Doch ihre enorme Synergie beweist, dass es Zeit wurde.

  • bis 24. Mai, zu den Kurszeiten sowie So 13 bis 17 Uhr
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