Skulptur mit Strahlkraft

Bildhauersymposium in Vreden

Die Frau hat ihre Augen geschlossen. Den Kopf himmelwärts gerichtet, erwartet sie in ruhiger Gewissheit das, was mit ihr und ihren sieben Söhnen geschehen wird: Felicitas und ihre Kinder werden sterben müssen.

VREDEN

, 22.07.2017, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Plastik von Getrud Wedemeyer strahlt Harmonie aus. Viele Vredener sehen sie fast täglich, wenn sie an ihrem Aufstellungsort vorbeikommen - direkt an der Kirche, deren Namenspatronin die Heilige ist. Entstanden ist das Werk im Rahmen des Bildhauersymposiums der Stadt Vreden, das sich in diesem Jahr zum 40. Mal jährt.

Wer würde allein beim Betrachten auf das grausame Schicksal schließen, dass dieser jungen Frau der Legende nach im zweiten Jahrhundert bestimmt war? Was die in sehr runden, fast weichen Formen gehaltene Figur ausstrahlt, mag vielleicht den Kern der Botschaft besser treffen: Glaube kann trösten und stärken selbst in den allerdunkelsten Stunden der menschlichen Existenz.

Christliche Witwe

Felicitas sei eine christliche Witwe gewesen. Sie sollte ihren Glauben leugnen, sonst drohte ihren sieben Söhnen und ihr selbst der Tod. Sie blieb standhaft und nahm ihr Ende in Kauf - eine starke Frau und Mutter, die auf himmlische Erlösung für sich und ihre Kinder hoffend unbeirrt ihren Weg bis ans Ende ging.

Die Verbindung zwischen Vreden und der Heiligen hat eine lange Geschichte: Eine Reliquie Felicitas' gelangte im Jahre 839 nach Vreden. Die Stiftskirche trägt ihren Namen, ebenso die Förderschule.

Später in Bronze

Gertrud Wedemeyer, Jahrgang 1939, kam 1977 mit den anderen Teilnehmern des Bildhauersymposiums nach Vreden. 1939 in Berlin geboren, gehörte sie zu den Studenten der Bildhauerklasse von Professor Kratz an der Folkwangschule in Essen. Ihr Werk wurde zunächst in Polyester mit Bimsstein gefertigt, später in Bronze realisiert.

Hinzugefügt wurde auch eine Bodenplatte mit einer Inschrift, die dem Betrachter über den Hintergrund der Plastik informiert. Zu lesen ist darauf unter anderem: "Hl. Felicitas Patronin der Stiftskirche, starb mit ihren 7 Söhnen 162 n. Chr. einen ruhmvollen Märtyrertod." Sie hat ihren Platz im Bewusstsein der Vredener, und dazu trägt auch das Kunstwerk bei, das Gertrud Wedemeyer vor 40 Jahren beim Bildhauersymposium schuf.

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