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Spargel und Erdbeeren wachsen auf dem Hof Geesink zum Kerngeschäft

mlzLandwirtschaft

Das Geld liegt auf der Straße, man muss es nur aufheben, heißt es. In der Vredener Bauerschaft Großemast liegt es in der Erde. Auf dem Hof Geesink findet man sogar „weißes Gold“: Spargel.

Vreden

, 15.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Großemast Nr. 13 - der Hof Geesink. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ein klassischer Familienbetrieb in fünfter Generation. Heute ist Daniel Geesink (30), Landwirtschaftsmeister und Agrarbetriebswirt, der Chef auf dem Hof, zurzeit noch als Pächter. Übergeben haben die Eltern Hermann (65) und Margret (56) bislang nicht. „Sie sind ja noch nicht in Rente“, sagt Sohn Daniel. Das Gegenteil ist sogar richtig. Ohne den Einsatz der Altvorderen nämlich wäre das Unternehmen Geesink wohl nicht zu stemmen.

Spargelanbau auf 10 Hektar

Aktuell gehören zum Betrieb rund 260 Sauen in den Ställen, bislang das landwirtschaftliche Kerngeschäft. Für diesen Betriebszweig haben Vater und Sohn sich zu einer GBR zusammengetan. Unterstützt werden sie von einem Azubi und einem Minijobber. Rund 36 Hektar Fläche werden bewirtschaftet. Ein Großteil wird für den Anbau von Mais, Zuckerrüben und Getreide genutzt. Auf zehn Hektar aber wächst Spargel, vorzugsweise weißer. Früher und später Spargel.

Und auf 0,5 Hektar werden Erdbeeren geerntet. Allerdings nicht in Bodenhöhe sondern in „Stellagen“, wie Daniel Geesink sagt, Hochbeeten nicht unähnlich. Und das in Gewächshäusern aus Folientunneln. Dort haben die Pflanzen Blüten angesetzt, sind Hummelvölker gerade im Bestäubungseinsatz. Mit der Ernte dauert es noch.

Hochbetrieb auf dem Feld und im Hofladen

Anders sieht es beim Spargel aus. Das Schild an der Zufahrtsstraße lässt bereits darauf schließen, dass sich hier was tut. Daniel Geesink: „Offiziell wurde die Saison in NRW am Mittwoch eröffnet, aber wir sind bereits am 5. April gestartet.“ Drei Monate – Saisonende ist an Johanni, am 24. Juni – in denen auf dem Hof Geesink Hochbetrieb herrscht. Auf den Feldern sind die zurzeit fünf Erntehelfer aus Polen mit dem Stechen beschäftigt.

Zwar hilft technisches Gerät beim Abdecken der Folien, die Hauptsache der Ernte aber ist Handarbeit. Kaum hat Helfer Antek eine weiße Spitze im schwarzen Erdreich entdeckt, sticht er zu und befördert die weißen Stangen, noch ummantelt von Erde, blitzschnell nach oben und legt sie ins „Körbchen“. An die 2000 Stangen erntet ein Mitarbeiter am Tag. Am Ende der Saison werden es rund 40 Tonnen sein.

Bewährtes Erntehelferteam aus Polen

Seit Jahren schon sind bei Geesinks Erntehelfer aus Polen aktiv. „Anders als andere Betriebe, die bereits auf Saisonarbeiter aus Ungarn oder Rumänien zurückgreifen, ist das bei uns noch anders“, sagt Betriebsleiter Daniel Geesink. „Für den Mindestlohn kommen die polnischen Mitarbeiter aber auch nicht mehr.“

9,50 Euro Stundenlohn legt der Vredener Betrieb auf den Tisch, zuzüglich Mittagessen, das ein Caterer liefert. Zudem steht den ausländischen Arbeitskräften Wohnraum auf dem Hof zur Verfügung. Für die Unterbringung im Doppelzimmer ist eine kleine Mietpauschale fällig.

Spargel und Erdbeeren wachsen auf dem Hof Geesink zum Kerngeschäft

Noch sind die Spargel-Stangen von dunkler Erde ummantelt und werden im Körbchen gesammelt. © Hildebrand-Stubbe

Zurzeit beginnt der Arbeitstag auf dem Feld um 7 Uhr morgens, um 10 Uhr ist eine 30-minütige Pause und von 12 bis 13.30 Uhr Mittagspause. Gearbeitet wird bis 16 Uhr. Wenn allerdings die Sonne höher steigt und die Ernte so richtig Fahrt aufnimmt, verschieben sich die Arbeitszeiten nach vorne oder vielmehr nach hinten.

Und je nach Temperatur und Sonnenstand werden die Spargelbeete auch mit schwarzer oder weißer Folie bedeckt. Schwarz sorgt für Halten der Temperatur im Boden, Weiß für weniger Wirkung durch die Sonne. Bei der frühen Ernte sorgt ein Minifolientunnel darüber noch für zusätzlichen Wärmeeffekt.

Die Arbeiten nach der Ernte

Während die einen auf dem Acker ernten, sind Margret Geesink und einige kurzfristig Beschäftigte aus Nachbarschaft und Familie mit der Weiterverarbeitung beschäftigt. Die Stangen werden maschinell gewaschen und nach Güteklassen sortiert. Im Hofladen von „Geesinks Spargelhöffken“ werden sie dann zum Verkauf angeboten. Bei Bedarf auch geschält, wofür eine extra Schälmaschine im Dienst ist. Zurzeit ist der Preis für das Kilo Spargel noch hoch: 9,90 Euro für Güteklasse 1.

Spargel und Erdbeeren wachsen auf dem Hof Geesink zum Kerngeschäft

Gerade frisch vom Feld: Spargel auf dem Hof Geesink. © Hildebrand-Stubbe

Seit 1989 ist Spargel ein großes Thema auf dem Hof Geesink. Die Idee dazu kam Hermann Geesink am Stammtisch, als die Wirtin ihn fragte, ob er es nicht mal mit Spargel versuchen wolle. Er wollte. Und seitdem wurde dieser Betriebszweig stetig ausgebaut. Inzwischen so weit, dass Sohn Daniel davon spricht, dass Spargel und Erdbeeren mittlerweile zum Kerngeschäft gewachsen seien.

Hauptabsatz über Direktvermarktung

Das Hauptgeschäft erfolgt bei der Direktvermarktung ab Hof oder im weiteren Laden in Südlohn. Abnehmer sind aber auch Gastronomie und Einzelhandel. Konkurrenz fürchten die Geesinks nicht, zumal sie vor Ort ohne Konkurrenz sind.

Dass trotz verschärfter Rahmenbedingungen und wachsender Bürokratie sich das Geschäft lohnt, bestätigt Daniel Geesink: „Es bleibt Geld übrig.“

Bis es allerdings dazu kommt, muss jede Menge Vorarbeit geleistet werden. Erst drei Jahre nach dem Pflanzen kann nämlich der erste Spargel geerntet werden. Zuvor müssen die Flächen vorbereitet werden, tiefengelockert und durch Kalkung der PH-Wert ausgeglichen werden.

Lange Wartezeit bis zur ersten Ernte

Für Spargel liegt er optimalerweise zwischen 5,5 und 6. Mit Hilfe einer Spezialmaschine werden die Pflänzchen sozusagen vom Band in den Boden eingedreht und anschließend mit Erde bedeckt. So hoch, dass die Stangen etwa 30 Zentimeter wachsen können, ohne die Sonne zu sehen. Bei Sonnenlicht färben sich die Spitzen zuerst violett, bei längerer Lichtzufuhr schließlich grün. In Deutschland werde, anders als in anderen Ländern, die weiße Form bevorzugt, weiß Daniel Geesink und legt darauf sein Augenmerk. In einem kleinen Bereich wächst aber auch in Großemast grüner Spargel.

Spargel und Erdbeeren wachsen auf dem Hof Geesink zum Kerngeschäft

Helfer Antek bei der Ernte auf dem Feld. Die Technik unterstützt ihn beim Abziehen der Folie. © Hildebrand-Stubbe

Zwei Jahre brauchen die Pflanzen, um die Wurzeln zu entwickeln. Zwei Jahre, in denen die Beete stetig gepflegt, gedüngt und von Unkraut befreit werden müssen. Sechs bis acht Jahre kann auf der gleichen Fläche Spargel geernet werden, dann ist Schluss. Daniel Geesink: „Es heißt dreimal in 100 Jahren am selben Standort.“ Um neue Flächen nutzen zu können, hat man sich mit den Nachbarn arrangiert und tauscht bei Bedarf.

Nach dem Spargel kommen die Erdbeeren

In einigen Wochen startet auch die Erdbeerernte. Die ist inzwischen dank der Ernte in der Höhe (Pflücken ohne bücken) sehr viel komfortabler geworden. Was sich nicht nur positiv auf die Gesundheit der Erntehelfer, die Anzahl wird dann nochmal aufgestockt, auswirkt. Es hat auch einen handfesten finanziellen Hintergrund: „Wir können so Lohnkosten senken“, erklärt Senior Hermann Geesink.

Spargel und Erdbeeren wachsen auf dem Hof Geesink zum Kerngeschäft

Die Erdbeeren sind erst in der Blüte. Daniel Geesink zeigt, wie die Früchte später hängend und in der Höhe geerntet werden können. © Hildebrand-Stubbe

Ein Datum steht übrigens schon jetzt fest: Am 24. Juni ist definitiv Schluss für Spargel und Erdbeeren auf dem Hof Geesink. „Wir gehen nicht in die Verlängerung, schließlich ist Spargel noch das einzige Saisongemüse und soll es auch bleiben“, sagt Daniel Geesink.

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