In der Kirche in Wennewick-Oldenkott finden Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten statt. © Victoria Garwer
75 Jahre Gelübde Oldenkott

Sperrgebiet: Oldenkotter danken, dass sie in ihre Häuser zurückdurften

Nach dem Krieg wurden viele Oldenkotter vertrieben. Als sie zurück durften, verpflichteten sie sich zu jährlichen Dankesandachten. Ihr Gelübde halten die Oldenkotter nun schon seit 75 Jahren.

Als der Zweite Weltkrieg 1945 endet, geht für viele Menschen entlang der niederländischen Grenze ein mehrmonatiges Bangen um das eigene Zuhause erst los. Sie werden von ihren Höfen und aus ihren Häusern vertrieben, weil eine Pufferzone zwischen dem besiegten Deutschland und den Niederlanden eingerichtet wird. Ein militärisches Sperrgebiet.

Einer der letzten Zeitzeugen ist Anton Terhürne alias Jösners Töns. Die Erinnerungen an die Zeit des Sperrgebietes und der Vertreibung hatte er schon vor Jahren im Buch „Aus dem Vredener Grenzland“ zusammengefasst:

Besatzer schossen auf das Portal der Oldenkotter Kirche

Das Niemandsland an der deutsch-niederländischen Grenze hätte nur von Soldaten der Siegermächte betreten werden dürfen. Überwacht wurde das von Niederländern, die aus Übermut und Rachegelüsten erhebliche Schäden an den verlassenen Häusern angerichtet hätten. Sie hätten sogar auf das Portal der Oldenkotter Kirche geschossen.

Erst nach zähen Verhandlungen habe dann die britische Militärregierung den Landwirten aus Oldenkott gestattet, die Heuernte einzubringen. Das aber nur unter der Vorlage von Sonderausweisen und zu bestimmten Tageszeiten. Menschen, die ohne diese Papiere oder zur falschen Uhrzeit aufgegriffen wurden, seien festgenommen und zum Verhör abgeführt worden. Auf großen Warnschildern wurde bei Zuwiderhandlung gegen die Anordnungen sogar die Todesstrafe angedroht.

Münsterscher Bischof setzte sich für Oldenkotter ein

Schließlich habe sich der Bischof von Münster persönlich, Clemens August Graf von Galen, für die Oldenkotter eingesetzt. In dieser Zeit begannen auch die Bittandachten in den Küchen der verbliebenen Gehöfte kurz vor dem Sperrgebiet.

„Doch erst nach langem Hin und Her, zähen Verhandlungen und anderweitigen Fürsprachen wurde im November zum Rückzug geblasen“, schreibt Jösners Töns. Die Menschen konnten in ihre Häuser zurückkehren. Da war es schon November. Rektor Driehaus habe daraufhin den jährlichen Bet- und Danktag angesetzt.

Das ist nun schon 75 Jahre her. Doch noch immer halten die Oldenkotter ihr Gelübde: Am Sonntag, 15. November, steht die nächste Andacht an. Auch wenn die Gruppe der Betenden inzwischen geschrumpft ist. Statt mehrerer Andachten für die einzelnen Höke, die sich über den ganzen Tag verteilten, gibt es nur noch eine zentrale an der Kirche St. Antonius in Oldenkott. Sie schließt sich um 11.30 Uhr an die eigentliche Sonntagsmesse an und wird von Pater John geleitet.

Sie kann trotz des Coronavirus stattfinden: Während der Andacht gelten dieselben Regeln wie in der normalen Messe: Abstand halten und Mundschutz-Pflicht.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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