Was seit dem Stall-Einbruch mit 900 toten Schweinen bei Familie Röring passiert ist

mlzStall in Ellewick

900 Schweine sind im Januar im Schweinestall der Familie Röring in Ellewick gestorben, nachdem Einbrecher die Lüftungsanlage manipuliert hatten. Was ist seitdem passiert?

Vreden

, 19.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass Einbrecher im Schweinestall der Familie Röring in Ellewick die Lüftungsanlage ausgeschaltet haben und 900 Schweine gestorben sind. Der Fall hat damals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, auch weil der Stall vom Sohn des CDU-Bundestagsabgeordneten und Bauernpräsidenten Johannes Röring betrieben wird.

Doch in den vergangenen sechs Monaten gab es keine weiteren Nachrichten zu dem Thema. Wie also ist der Stand der Dinge? Eine Sprecherin des Staatsschutzes hält sich auch jetzt gegenüber der Redaktion bedeckt. Sie bestätigt nur, dass die Ermittlungen noch laufen – in alle Richtungen. Neue Erkenntnisse gebe es nicht.

Christian Röring spricht von einem „unguten Gefühl“

Somit ist weiter unklar, wer oder was hinter dem Einbruch steckt. Wegen der öffentlichen Ämter von Johannes Röring haben die Ermittler schon früh auch einen politischen Hintergrund nicht ausgeschlossen. Deswegen wurde der Staatsschutz eingeschaltet.

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Christian Röring, Sohn von Johannes Röring und Betreiber des betroffenen Schweinestalls, möchte sich auf Anfrage der Redaktion derzeit nicht äußern. Er verweist auf die laufenden Ermittlungen. Dass aber immer noch nicht feststeht, was hinter dem Einbruch steckt, sei ein „ungutes Gefühl“.

Keine Hinweise bei Peta eingegangen – trotz Belohnung

Die Tierrechtsorganisation Peta hat nach dem Vorfall eine Belohnung in Höhe von 2500 Euro ausgesetzt. „Die Umstände, die zu dem qualvollen Tod der Schweine geführt haben, müssen aufgeklärt werden. Ganz sicher haben Tierschützer nichts mit dem Tod der Schweine zu tun“, sagte Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei Peta, damals.

Doch auch bei der Tierrechtsorganisation sind bislang keine Hinweise eingegangen, sagt Haferbeck jetzt gegenüber der Redaktion. Das wundere ihn aber auch nicht, meint er und nennt Johannes Röring in einer schriftlichen Stellungnahme ein „Mitglied der Organisierten Kriminalität des agrarindustriellen Komplexes“. Schon kurz nach dem Vorfall im Januar hatte er öffentlich angezweifelt, „ob wirklich Dritte an diesem Vorfall beteiligt waren“.

Alarmanlage und Notstromaggregat sind Pflicht

Mittlerweile läuft der Betrieb in Ellewick wieder. Nach dem Einbruch hat sich die Familie von unterschiedlichen Stellen beraten lassen, was die Sicherheitsvorkehrungen angeht. Wie genau die aussehen, möchte Christian Röring nicht sagen – aus Sicherheitsgründen.

„Wenn die Lüftung in einem Stall von einer elektrischen Anlage abhängig ist, muss auch eine Alarmanlage und ein Notstromaggregat vorhanden sein“, erklärt Dr. Albert Groeneveld, Leiter der Facheinheit Tiere und Lebensmittel beim Kreis Borken. Diese Vorschrift gibt es seit 2006 und ist in der sogenannten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung festgeschrieben.

Anlage wurde manipuliert

Die Einhaltung dieser Vorschriften werde regelmäßig kontrolliert, so Albert Groeneveld. Wichtig sei außerdem, dass Lüftung und Alarmanlage einen separaten Stromkreis haben, damit bei einem Stromausfall trotzdem Alarm ausgelöst wird.

Eine Alarmanlage und auch ein Notstromaggregat hatte auch die Familie Röring an ihrem Stall. Ausgelöst wurden die jedoch nicht. Denn nach Angaben der Polizei haben die Täter auch die Alarmvorrichtungen manipuliert. „Das macht man nicht aus Versehen. Da kommen einige Warnungen, man muss das mehrfach bestätigen“, meint auch Albert Groneveld. Auch die Polizei geht davon aus, dass die Täter sich mit solchen Anlagen auskennen müssen.

Ähnliche Fälle im Kreis Soest

Im Mai diesen Jahres gab es zwei ähnliche Vorfälle im Kreis Soest. In Geseke sind 900 Ferkel erstickt, weil Einbrecher die Lüftungsanlage außer Betrieb gesetzt haben. Zwei Wochen später wurde die Lüftung in einem Schweinestall in Erwitte deaktiviert. In diesem Fall wurde der Landwirt jedoch über den Alarm gewarnt und konnte die Tiere retten. Im Dezember 2018 sind in Mecklenburg-Vorpommern 400 Ferkel nach der Manipulation einer Lüftungsanlage erstickt.

In all diesen Fällen ermitteln die zuständigen Staatsanwaltschaften. „Wenn sie einen Zusammenhang zu der Tat in Ellewick entdecken, würden sie sich bei uns melden“, sagt eine Sprecherin des Staatsschutzes in Münster. Das sei bislang allerdings nicht geschehen.

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