Streit um 80 Euro bringt Vredener vor Gericht und ins Anti-Gewalt-Training

Amtsgericht Ahaus

Kurz vor der Entbindung seiner Freundin gab es noch immer keinen Kinderwagen. Deshalb entschloss sich ein 19-jähriger Vredener, geliehenes Geld zurück zu holen. Das brachte ihn vor Gericht.

Vreden

von Christin Lesker, Victoria Garwer

, 18.11.2019, 12:59 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Freundin war hochschwanger, doch noch immer hatte ein junges Paar aus Vreden keinen Kinderwagen. Deswegen wurde ein 19-jähriger Vredener straffällig und musste sich nun wegen des Vorwurfs der Nötigung vor dem Ahauser Amtsgericht verantworten.

Eigentlich ging es nur um 80 Euro. Die hatte sich eine Bekannte von der Freundin des Angeklagten geliehen. Als das Paar das Geld auch nach Monaten noch nicht wiederbekommen hatte, entschloss sich der 19-Jährige im Dezember 2018, sich selbst um die Sache zu kümmern.

Vorwurf: Unerlaubter Waffenbesitz

Er schickte einen Freund vor, dem freundlich die Tür geöffnet wurde und kam dann selbst in die Wohnung. „Mir hätten sie ja nicht geöffnet“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Laut Zeugenaussagen soll er in der Wohnung mit einem Teleskop-Schlagstock herumgefuchelt haben.

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„Der hatte die Körperstatur meines Beines. Das wäre ja peinlich, wenn ich da eine Waffe ziehen müsste“, bestritt der 19-Jährige diesen Vorwurf. Und: „Wie hätte ich einen Schlagstock tragen sollen? Ich hatte doch in jeder Hand eine der Spielekonsolen.“

Spielekonsolen als Pfand mitgenommen

Weil er die 80 Euro nicht wiederbekommen hat, nahm er kurzerhand zwei Spielekonsolen mit. Als Pfand, bis er das Geld zurückbekommt. Das passierte einige Tage nach der Tat und der Angeklagte gab die Konsolen zurück. „Das ist eine Nötigung, weil sie drohend aufgetreten sind und Sachen mitgenommen haben“, machte der Richter deutlich.

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Schon in der Vergangenheit war der Angeklagte unter anderem wegen des Besitzes eines unerlaubten Schlagringes auffällig geworden. Daraus schloss der Richter, dass der Angeklagte zu Gewalt neigt.

In diesem Fall aber konnte der Besitz und Gebrauch des Schlagstocks nicht nachgewiesen werden, da die Zeugen zum Gerichtstermin nicht auftauchten. Wegen Nötigung verurteilte der Richter den Vredener zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einem Anti-Gewalt-Training.

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