Wegen der Corona-Pandemie war der Diesel wie auf diesem Symbolbild noch billiger als jetzt im Nachbarland. © picture alliance/dpa
Diesel-Preis

Tanken im Nachbarland ist jetzt günstiger – „aber erwünscht ist es nicht“

Seit Neujahr sorgt ein neues Gesetz dafür, dass Diesel und Benzin in Deutschland teurer werden. Deswegen zum Tanken kurz über die Grenze? Während des Corona-Lockdowns sollte davon abgesehen werden.

Das neue Jahr 2021 startet mit höheren Preisen an der Zapfsäule. Grund dafür ist ein neues Klimaschutz-Gesetz. Das soll CO2 teurer und somit die fossilen Brenn- und Kraftstoffe unattraktiver machen. Bis 2025 soll der CO2-Preis schrittweise weiter ansteigen.

Seit Neujahr sind die Diesel-Preise kräftig angestiegen. Am 30. Dezember 2020 lag der Tiefstwert bei der Star-Tankstelle in Vreden für einen Liter Diesel bei 1,15 Euro. Etwa eine Woche später, am 5. Januar 2021, zahlt man etwa 1,29 Euro für einen Liter Diesel. Das ist eine Differenz von 14 Cent.

Diesel seit dem neuen Jahr in Winterswijk günstiger als in Vreden

Anders sieht es im niederländischen Nachbarland aus. In Winterswijk ist der Diesel momentan günstiger als in Vreden. Am 5. Januar 2021 lag der Preis für einen Liter Diesel bei der Avia Tankstelle in Winterswijk bei etwa 1,16 Euro. Damit ist der Liter Diesel um 13 Cent günstiger als in Vreden.

Zu Corona-Zeiten ist Tanken in den Niederlanden jedoch ein umstrittenes Thema. Marie-Lou Perou, Sprecherin des deutsch-niederländischen Zweckverbands Euregio, sagt: „Die Grenze ist offen, aber erwünscht ist es nicht. Wenn Sie in Deutschland wohnen gilt der kleine Grenzverkehr.“

So ist Tanken und Einkaufen im Nachbarland nicht grundsätzlich verboten. Aber: „Der Kreis Borken und verschiedene Bürgermeister entlang der Grenze raten davon ab, überhaupt zu reisen. Je mehr wir lokal unterwegs sind, desto mehr kann sich das Virus verbreiten“, sagt Perou.

So empfiehlt das Gesundheitsamt der Niederlande eine Selbstquarantäne bei der Einreise in das Nachbarland. Auch dann, wenn man nur zum Tanken das Auto verlässt. Grund sind die hohen Inzidenzwerte in den Niederlanden. In Winterswijk liegt die 7-Tage-Inzidenz beispielsweise bei 273,7 (Stand: 5.1.).

Weniger Kunden, aber nicht wegen des günstigeren Diesels

Dass die Deutschen jetzt in langen Autokorsos über die Grenze zum Tanken fahren, konnten die Tankstellen im Grenzgebiet bisher nicht beobachten. „Generell haben wir weniger Kunden“, sagt Chris Schmidt, Auszubildener in der Star Tankstelle in Vreden, „das liegt aber nicht an den Preisen, sondern eher am Lockdown. Den Preis-Unterschied müsste man noch ein paar Wochen beobachten, bevor man da etwas feststellen könne.

Norbert Lansing von der Avia Tankstelle in Vreden hat ebenfalls weniger Kunden, was er jedoch auch mit dem Lockdown und nicht der Gesetzesänderung begründet. „Sonst kamen die Holländer rüber wegen des Kraftstoffes. Natürlich kommen die noch vereinzelt, aber nicht mehr in Scharen“, sagt der Eigentümer. Bis 2025 soll der CO2-Preis noch weiter ansteigen: „Wenn sich dann in Holland nichts verändert, haben wir ein Problem.“

Gesetzesänderung zu neu für aussagekräftige Prognosen

Eine ähnliches Meinungsbild herrscht bei der Westfalen Tankstelle in Vreden. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keine Aussage dazu treffen“, sagt Stefan Jung, Pressesprecher der Westfalen AG.

Die Umstellung sei noch zu neu. „Viele Verbraucher haben im letzten Jahr noch vollgetankt und brauchen erst mal nichts mehr. Es ist schwer zu messen, ob die Leute in Holland tanken oder es wegen Corona leerer in den Tankstellen ist.“

Im Nachbarland habe man noch nicht vermehrt deutsche Autos an den Zapfsäulen beobachten können. „Nur fürs Tanken? Nein. In diesen Zeiten nicht“, sagt eine Mitarbeiterin der Avia Tankstelle in Winterswijk im Telefonat mit der Redaktion.

Über die Autorin
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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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Anne Schiebener

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