Tierschützer erheben massive Vorwürfe gegen Johannes Röring

Bauernpräsident und CDU-Abgeordneter

In Ställen von führenden Funktionären deutscher Landwirtschaftsverbände ist es offenbar zu massiven Tierschutzverletzungen gekommen. Auch gegen den westfälischen Bauernpräsidenten Johannes Röring werden schwere Vorwürfe erhoben. Der Vredener, der einen Schweinemastbetrieb betreibt, hat eine erste Stellungnahme dazu veröffentlicht. Am Freitagnachmittag gab der Vredener darüber hinaus eine Pressekonferenz auf seinem Hof.

VREDEN

, 23.09.2016, 09:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das ARD-Magazin Panorama berichtete am Donnerstag erstmals über den Verdacht, der sich auf Aufnahmen gründet, die Aktivisten der Organisation „Animal Rights Watch“ (Ariwa) im vergangenen Jahr erstellten und die NDR und Süddeutsche Zeitung überprüft haben. Johannes Röring äußerte sich am Freitag auf seinem Hof in Ellewick bei einer Pressekonferenz. 

Eindeutige Gesetzesverstöße

Nach Beurteilung von Tierschutz-Experten zeigen einige der Bilder eindeutige Gesetzesverstöße, so der NDR in einer Pressemitteilung. Die Verantwortlichen müssten angezeigt werden, sagt etwa der Veterinärwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly von der Universität Bozen. 

Auf den Aufnahmen, die vom Familienbetrieb von Johannes Röring stammen, stellten die beiden Tierschutz-Experten Diana Plange und Matthias Gauly ebenfalls schwerwiegende Probleme fest. Röring, westfälischer Bauernpräsident und CDU-Bundestagsabgeordneter aus Vreden, betreibt einen Schweinemastbetrieb mit Tausenden Tieren. Auch hier sind mehrere schwer verletzte Tiere zu sehen, die offensichtlich nicht ausreichend tierärztlich behandelt worden sind - unter anderem mit blutigen Wunden, einem eingerissenen Darm, Abszessen und Verletzungen an den Beinen. Ein Schwein kann sich offensichtlich nur noch mühsam vorwärts robben.

Spaltböden zu weit auseinander

Die Spaltböden weisen teils zu große Abstände auf. Die von den Tierschutz-Aktivisten gemessenen Ammoniak-Werte liegen mit mehr als 50 ppm ebenfalls deutlich über der zulässigen Höchstgrenze.

Außerdem zeigen die Bilder einen Tierkadaver, der von anderen Schweinen angefressen wird. Nach Einschätzung der Fachexperten lag das Tier dort bereits längere Zeit. Diana Plange kritisierte, dass der Halter anscheinend seine Schweine und die Ställe nicht ausreichend kontrolliert habe. Matthias Gauly sagte gegenüber NDR und SZ: „Zusammengefasst stellt das so die schlechteste Form der Schweinehaltung dar, die man sich vorstellen kann, mit einem hohen Potenzial an Tierleid und katastrophalen hygienischen Bedingungen.“

Röring: Tierschützer haben Kadaver in den Stall gelegt

Johannes Röring hatte zunächst zugesagt, sich nach einer Prüfung der Bilder in einem Interview zu äußern. Ein Termin dafür kam jedoch nicht zustande. Stattdessen schickte die Röring GbR ein Anwaltsschreiben. Darin heißt es, die Haltungsbedingungen im Stall seien zum Zeitpunkt der Bildaufnahmen „einwandfrei“ gewesen. Auf den Bildern sei „nichts zu sehen, was einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellen könnte“. Der Kadaver sei „erst kurz vor der Aufnahme in das Abteil gelegt worden“, um es dort zu fotografieren, heißt es in dem Schreiben. „Denn die anderen Schweine würden einen Kadaver, der dort abgelegt wird, sofort als Futter ansehen und damit beginnen, es aufzufressen.“ Entsprechende Bissverletzungen seien auf dem Bild jedoch nicht zu sehen. Die Tierschutz-Aktivisten von Ariwa bestreiten, den Kadaver dort hingelegt zu haben.

Inzwischen hat Johannes Röring auf seiner Homepage eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin sagt er, dass er die ihm vom NDR zugegangenen Bilder dem Hoftierarzt vorgelegt habe, der seit mehr als zehn Jahren die Tierbestände betreue: "Von ihm wie vom Geschäftsführer Christian Röring liegen eidesstattliche Versicherungen vor, dass auf den übersendeten Aufnahmen keinerlei Tierschutzverstöße zu sehen sind." Auch habe sich Röring umgehend mit der landwirtschaftlichen Prüfstelle QS (Qualität und Sicherheit GmbH) in Verbindung gesetzt und um ein schnellstmögliches Sonder-Audit,eine Betriebsprüfung, gebeten.

Verletzung der Privatsphäre beklagt

Johannes Röring kritisiert in seiner Stellungnahme das Vorgehen von Animal Rights Watch: "Immer wieder verschaffen sich so genannte ,Tierrechtler' widerrechtlich Zutritt zu landwirtschaftlichen Betrieben. Ziel dieser Personen ist es, die Nutztierhaltung in Gänze zu diskreditieren." Den Schaden hätten die Familien, die psychisch mit dieser Verletzung ihrer Privatsphäre klarkommen müssten. "Neben dem widerrechtlichen Zutritt zum Stall meines Sohnes kam es bundesweit noch zu weiteren Aktionen gegen andere Funktionsträger der Nutztierhaltung", so Johannes Röring weiter. 

Die Tatsache, dass die Bilder mit angeblichen Tierschutzverstößen erst eineinhalb Jahre später instrumentalisiert würden, zeige, dass es den Aktivisten nicht um Tierschutz, sondern um eine Kampagne gehe, so Röring. Ein angeblicher Tierschutzverstoß hätte sofort zur Anzeige gebracht werden müssen. Röring: "Wir nehmen aber alle Vorwürfe sehr ernst. Gleichzeitig lasse ich es nicht zu, dass meiner Familie Schaden zugefügt wird, um mich als WLV-Präsident zu diskreditieren."

Tierschützer: "Öffentliches Interesse überwiegt"

Sandra Franz, Sprecherin von Animal Rights Watch, hat die Kritik Rörings an den Recherchen der Tierschützer zurückgewiesen. Rein rechtlich sei das Betreten des Stalles als "leichter Hausfriedensbruch" zu werten: "Es ist nicht in Wohnräume eingedrungen worden, es wurde auch nichts verändert und nichts zerstört." Das öffentliche Interesse an einer Aufklärung sei höher einzustufen als der Rechtsverstoß: "Die Tiere leiden, und wir haben nur so die Chance, das zu dokumentieren."

Dass Animal Rights Watch nicht unmittelbar nach Entstehung der Aufnahmen eine Anzeige erstattet habe, begründete die Sprecherin mit den Erfahrungen, die ihre Organisation in den vergangenen zehn Jahren bei derartigen Recherchen gemacht habe: "Die Anzeigen bringen nichts." Ihrer Organisation gehe es darum zu zeigen, dass solche Zustände kein Einzelfall seien sondern symptomatisch für eine ganze Branche. Sandra Franz: "Es kann sich niemand darauf zurückziehen, dass es nur einige wenige schwarze Schafe gibt."

Als "lächerlich" stufte sie die Vermutung ein, die Tierschützer selbst hätten den Kadaver eines Schweins für ihr Foto in ein Abteil gelegt:  "Wir vertrauen den Menschen, die für uns recherchiert haben."

Wir berichten weiter.

 

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