Tom Tenostendarp: „Ich rechne am Anfang mit einer 80-Stunden-Woche“

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Fünf Wochen nach seiner Wahl zum Vredener Bürgermeister spricht Tom Tenostendarp im Interview über seine Vorbereitungen auf das Amt, soziale Netzwerke und seinen Führungsstil im Rathaus.

Vreden

, 10.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Bei der Kommunalwahl vor fünf Wochen wurde Tom Tenostendarp (29, CDU) mit 67,5 Prozent zum neuen Bürgermeister gewählt. Vier Wochen vor seinem Amtsantritt hat Redakteurin Victoria Garwer ihn zum Interview getroffen.

Sie haben bei der Bürgermeisterwahl ein sehr gutes Ergebnis bekommen. Stärkt Ihnen das den Rücken oder macht es eher Druck?Beides. Ich habe ein herausragendes Mandat bekommen. Das gibt natürlich Rückenwind, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Und natürlich sind die Erwartungen jetzt groß.

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Wie bereiten Sie sich gerade auf die neue Aufgabe vor? Kann man sich auf so ein Amt überhaupt vorbereiten?

Das ist tatsächlich schwierig. Ich bin erst ab dem 1. November offiziell zuständig und bis dahin gibt es auch noch einige Dinge, auf die ich schon rechtlich gesehen gar keinen Zugriff haben darf. Aber mein Vorgänger Christoph Holtwisch macht da gerade viel möglich. Ich habe zum Beispiel schon den Verwaltungsvorstand kennengelernt und war bei einigen Terminen dabei. Ich gehe – wie auch schon im Wahlkampf – zu allen Ausschuss- und Ratssitzungen und treffe mich zum Beispiel mit dem Stadtmarketing und dem Citymanagement.

Der künftige Bürgermeister Tom Tenostendarp (l.) mit dem amtierenden Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch (r.) sowie den Mitgliedern des Verwaltungsvorstandes (v.l.) Jürgen Buckting, Joachim Hartmann und Bernd Kemper

Der künftige Bürgermeister Tom Tenostendarp (l.) mit dem amtierenden Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch (r.) sowie den Mitgliedern des Verwaltungsvorstandes (v.l.) Jürgen Buckting, Joachim Hartmann und Bernd Kemper © Stadt Vreden

Also hat die Arbeit eigentlich schon begonnen?

Ja, eigentlich schon. Aber es gibt keine Übergangsfrist. Christoph Holtwisch sagt immer: Du bist ab dem 1. November um 0 Uhr offiziell zuständig, egal was ist.

Aber Sie können ihn doch sicher mal anrufen, wenn Sie Hilfe brauchen oder eine Frage haben?

Ja, sicher. Ich habe auch einen guten Draht zu dem ehemaligen Bürgermeister Hermann Pennekamp. Aber ich muss auch mein eigenes Ding machen. Ich werde mit Sicherheit einiges anders machen als meine Vorgänger und das ist auch gut so.

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Was wird sich denn im Rathaus ändern?

Ich werde die Wirtschaftsförderung zur Chefsache machen, das habe ich ja schon im Wahlkampf gesagt. Es wird auch Veränderungen bei der Aufteilung der Fachausschüsse geben. Und ich bin der Meinung, dass man die Beteiligungen der Stadt, also zum Beispiel SVS oder Stadtmarketing, ans Bürgermeisterbüro andocken sollte. Ich bin der Mann von außen und werde mir die Zeit nehmen, die Abläufe zu verstehen und eventuell zu verändern. Die Verwaltung funktioniert schon sehr gut, aber an einigen Stellen kann sicher was verbessert werden.

Was für ein Gefühl ist es, direkt als Chef anzufangen?

Das Amt an sich bringt ja schon einen gewissen Respekt mit sich. Ich glaube, ich bin ein sehr guter Teamplayer, der weiß, wann er Verantwortung übernehmen muss. Das werde ich so weiterfahren. Aber ich sage auch immer: Die Menschen in der Verwaltung sind nicht auf mich angewiesen, sondern ich auf sie. Viele arbeiten schon seit Jahren oder Jahrzehnten für die Stadt Vreden. Sie haben in der Sache viel mehr Ahnung als ich, ich werde mich erst einmal einarbeiten müssen. Da bin ich auf ein gutes Miteinander angewiesen.

Sie waren im Wahlkampf mit vielen per Du. Kann man das als Bürgermeister durchhalten oder muss man da jetzt „seriös“ werden?Tatsächlich habe ich mir darüber auch Gedanken gemacht. Mir fällt das immer wieder auf, wenn ich in Gesprächen einfach Tom genannt werde und mein Vorgänger Dr. Christoph Holtwisch. Aber ich bin einfach ein anderer Typ.
Ich glaube nicht, dass Durchsetzungskraft von der Ansprache abhängt. Ich kann auch Nein sagen, wenn ich jemanden duze. Manchmal bringt es vielleicht sogar Vorteile, weil man Dinge auf einer ganz anderen Ebene erklären kann und so Transparenz schafft. Und in Vreden sind wir eben so. Hier wird sich viel geduzt, auch wenn es zum Beispiel der Firmenchef ist. Ich werde also jetzt niemandem das Du wieder absprechen.

Im Wahlkampf haben Sie viel in den sozialen Netzwerken geteilt. Wollen und können Sie das als Bürgermeister fortführen?

Ja, das möchte ich gerne durchhalten. Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum die Wahl für uns so gut gelaufen ist. Wir haben eine gute Mischung aus persönlichem Kontakt und sozialen Netzwerken geschafft. Ich habe mir Transparenz und Kommunikation auf die Fahne geschrieben und das geht über diese Kanäle einfach sehr gut.

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Es muss ja auch nicht immer ein perfektes Hochglanz-Video sein, sondern soll einfach das wirkliche Leben widerspiegeln. Als ich letztens einen Termin mit Christoph Holtwisch hatte, habe ich zum Beispiel einfach ein kurzes Selfie-Video gemacht und habe den Leuten erklärt, dass jetzt die Vorbereitung beginnt. Oder ich habe ein Foto der offiziellen Annahme der Wahl gepostet. Darauf gab es ein riesiges Echo und das zeigt ja, dass die Leute auch solche Dinge interessieren. Dafür möchte ich mir also auch in Zukunft die Zeit nehmen.

Sie wollen sich für sehr viele Dinge Zeit nehmen....

(lacht) Ja, das ist wohl so. Aber ich rechne auch damit, dass ich in den ersten Monaten eine 80-Stunden-Woche haben werde.

Da bleibt ja nicht mehr viel Zeit für Privates.

Stimmt, aber das gehört zu dem Job dazu. Das ist kein Bürojob von 9 bis 17 Uhr und das war mir von Anfang an total bewusst. Ich weiß, dass ich sicher auch mal bei privaten Treffen oder beim Einkaufen angesprochen werde. Das kann schnell in eine negative Richtung gehen, aber ich sehe das eher positiv. Es ist einfach wichtig, den Kontakt zu den Bürgern zu pflegen und zu halten.

Was hat sich seit der Wahl in Ihrem Privatleben verändert?

Ich habe meine Wohnung in Köln aufgelöst und mein Büro dort geräumt. Zum Jahreswechsel habe ich dann etwas Eigenes hier in Vreden und werde aus der Einliegerwohnung bei meinen Eltern ausziehen. Ich habe außerdem angekündigt, dass ich meine Funktionen beim Jugendwerk, in der DLRG und im CDU-Vorstand niederlegen werde. Ich bleibe natürlich überall Vereinsmitglied, aber diese Posten vertragen sich nicht mit der Aufgabe als Bürgermeister.

Was haben Sie jetzt in den drei Wochen bis zur Amtsübernahme noch vor?

Eigentlich wollte ich Freunde besuchen in Frankreich, Süddeutschland und Berlin. Angesichts der steigenden Coronazahlen habe ich mich dagegen entschieden. Aber man kann ja auch in Vreden gut Urlaub machen. Ich gehe im Moment oft wandern und treffe mich mit Freunden – natürlich unter Einhaltung der Coronaregeln.

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Die Pandemie wird wohl auch Ihre erste Zeit als Bürgermeister prägen. Persönliche Vorstellungen sind eher schwierig. Wie werden also Ihre ersten Wochen aussehen?

Eine große Mitarbeiterversammlung im Rathaus wie ich sie mal geplant hatte, wird nicht möglich sein. Trotzdem ist mir der persönliche Kontakt wichtig und die Leute wollen ja auch wissen, wer an der Verwaltungsspitze sitzt. Es werden also wohl kleinere Termine mit Schutzmaßnahmen werden. Thematisch wird die Pandemie sicher auch eine große Rolle spielen. Wir müssen weiter an der Digitalisierung der Schulen arbeiten. Und im Dezember wird ja schon der Haushalt für 2021 eingebracht. Das wird meine erste größere Amtshandlung sein.

Worauf freuen Sie sich in den kommenden fünf Jahren?

Richtig Lust habe ich darauf, im nächsten Jahr die Kirmes zu eröffnen. Ich hoffe wirklich, dass das möglich sein wird. Ansonsten freue ich mich darauf, die Ratssitzungen zu leiten, eigene Ideen umsetzen zu können und konstruktive Diskussionen mit den Bürgern zu führen.

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