Viele Zimmer bleiben vorerst zwangsläufig frei. Auf die Frage nach Öffnungen in der Tourismusbranche konnte die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch keine Antwort geben. Die Entscheidungen wurden vertagt. Auch in den Vredener Reisebüros ist die Enttäuschung entsprechend. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Corona und Tourismus

Tourismusverbände schlagen Alarm: Reisebüros bleiben in der Warteschleife

Schrittweise Lockerungspläne präsentierte die Ministerpräsidentenkonferenz. Ausgenommen ist weiter die Tourismusbranche. Die Enttäuschung ist da, es gibt aber auch einen kleinen Lichtblick.

Einen mehrstufigen Lockerungsplan hat das Bund-Länder-Treffen am Mittwoch gebracht. Es haben sich aber nicht die Hoffnungen aller Branchen erfüllt. Trotz großer Ankündigungen und Mahnungen wurden unter anderem keine Öffnungsperspektiven für den Tourismus aufgezeigt. Die Enttäuschung auch in den Vredener Reisebüros ist entsprechend. Es gibt aber auch einen ersten kleinen Lichtblick für diese: Click & Meet (Terminshopping).

„Die Ergebnisse der Bund-Länder-Gespräche sind ein Schlag ins Gesicht der gesamten Tourismusbranche. Von den groß angekündigten Öffnungsperspektiven für die Wirtschaft sehen wir nahezu nichts – nur für die Außengastronomie gibt es eine vage Perspektive“, moniert Dr. Achim Schloemer, Vorstandsvorsitzender von Tourismus NRW.

Ein wenig mehr Perspektive hätte sich auch Heike Hammans-Decker vom Reisestudio Hammans gewünscht: „Wir sind enttäuscht über das Ergebnis.“ Und auch Peter Orthey vom A-Z Reisedienst hätte sich gerade für die vielen kleinen Betriebe konkrete Pläne gewünscht – wohl wissend, dass Öffnungen mit hoher Verantwortung vorgenommen werden müssten und eine stufenweise Lockerung grundsätzlich richtig sei.

Verhältnismäßigkeit passt nicht

Peter Orthey verweist auch auf die grundlegende Öffnung des eigenen Büros, vor allem auf die Kontrollierbarkeit, mit denen er Beratungen unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts vornehmen könnte. „Auf Termin kann ich doch immer ein oder auch zwei Personen einladen. Manche Dinge kann man nun mal nicht per Mail oder am Telefon erklären“, so Orthey.

Der kleine Lichtblick: Diese Möglichkeit – Click & Meet – wird den Reisebüros ab dem 8. März wie dem gesamten Einzelhandel nun auch eingeräumt – ebenso eingeschränkt auf Kunden pro Quadratmeterzahl, die sich gleichzeitig auf der Fläche aufhalten dürfen. Mit entsprechendem Aufwand.

Im Gegensatz dazu dürften, so Orthey, große Baumärkte wieder frei öffnen oder Discounter Prospekte mit Reiseangeboten verteilen. Und dies teils in Zielgebiete, in die er selbst nun nicht reisen würde. „Da passt die Verhältnismäßigkeit nicht“, so Orthey, der auch sonst Zurückhaltung bei den Kunden spürt: „Das ist doch auch verständlich.“

Heike Hammans-Decker weist auf einen weiteren Punkt hin: „Die Öffnung des Büros ist das eine, ich muss aber auch etwas verkaufen können.“ Sprich verlässliche Angebote präsentieren können. Mit einer Öffnung des Deutschland-Tourismus wäre ein erster kleiner Schritt gemacht, doch leben könnte die Branche davon sicher nicht.

Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbandes, stellt in seinem Statement darauf ab: „Die Ergebnisse sind für den Deutschland-Tourismus sehr enttäuschend und nicht akzeptabel. Enttäuschend, weil durchdachte und ausgewogene Vorschläge seit langem auf dem Tisch liegen. Nicht akzeptabel, weil Öffnungsstrategien für den Tourismus entgegen allen Ankündigungen erneut verschoben wurden.“ Der Tourismus brauche Planbarkeit und eine Perspektive.

Dieter Bußmann von Weltenbummler Reisen zeigt grundsätzlich Verständnis: „Die Zahlen sprechen nun mal noch nicht für Öffnungen. Wir hoffen, dass sich die Maßnahmen dann wieder positiv auf das zweite Halbjahr auswirken.“ So wie im Vorjahr, dort seien vor allem noch Fahrradtouren gut gelaufen.

Verbände befürchten „nie gesehenen Kahlschlag in der Branche“

Achim Schloemer verweist er auf den inzwischen über vier Monate andauernden Lockdown für touristische Betriebe: „Wir waren die Ersten, die schließen mussten, und nun werden wir auch von Öffnungsschritten komplett ausgenommen.“ Er fordert weiter: „Vor Ostern muss es eine Öffnung mit entsprechenden Auflagen für unsere Betriebe geben, anderenfalls werden wir einen nie gesehenen Kahlschlag in der Tourismuslandschaft erleben, mit Auswirkungen nicht nur auf den Wirtschaftsfaktor Tourismus, sondern auch auf die Attraktivität des Standortes Nordrhein-Westfalen und Deutschland als Ganzes.“

Weitere Entscheidungen sind auf den 22. März vertagt – und so sinkt die Hoffnung für die Osterzeit weiter. Peter Orthey sieht es pragmatisch: „Da müssen wir nun weiter durch.“

Über den Autor
freier Mitarbeiter

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.