Pawel Kowolewski auf einem Spargelfeld von Geesinks Spargelhöffken. Wie auch die anderen Erntehelfer hier kommt er aus dem polnischen Bogatynia. © Andreas Bäumer
Spargelernte in Vreden

Trotz Corona klappt es für die Erntehelfer auf dem Spargelhöffken

Ende März 2020 waren die Grenzen dicht. Der Vredener Daniel Geesink konnte nur die Hälfte seiner langjährigen Erntehelfer aus Polen für die Spargelernte einsetzen. Jetzt läuft es besser.

„Endlich wieder ein normaler April“, zitiert Daniel Geesink seinen Vater, doch damit meint er die Wetterlage. Die Pandemie, die ihm 2020 einige Pläne durchkreuzte, ist immer noch da. Die Hälfte der zehn polnischen Erntehelfer, die sonst auf Geesinks Spargelhöffken arbeiten, musste damals daheim bleiben.

Im vergangenen Jahr traf die dadurch geminderte Ernte auf eine geringere Nachfrage, weil die Gastronomie heruntergefahren war. Deshalb beschwert sich Geesink nicht über den Ertrag des Vorjahres. Doch ihm gefällt besser, wie die Spargelsaison in diesem Jahr startet.

Die Einreise ist einfacher

„Die Politik hat sich stark gemacht“, sagt er zufrieden. Die Erntehelfer müssen sich auf der mehrsprachig angebotenen Seite Einreiseanmeldung.de des Robert Koch-Instituts anmelden und können dann mit einem aktuellen negativen Test problemlos einreisen.

Bisher sei keine Quarantänepflicht für einreisende Saisonarbeiter aus Polen vorgesehen. Bei der Rückfahrt ist dies anders. Aus Deutschland Zurückreisende müssen seit dem 30. März in Polen eine zehntägige Quarantäne einhalten, vermeldet beispielsweise der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV). Dies, so der RLV, könne zu Problemen führen, wenn die Arbeiter während der Saison ihre Familie kurz besuchen möchten. Das sei etwa zu Ostern Thema gewesen.

Die Ernte fängt langsam an

Doch Ostern war schon vorbei als am 6. April – und damit eine Woche später als 2020 – in Vreden Großemast die Spargelernte anfing. Insgesamt zwölf Hektar bewirtschaftet Daniel Geesink hier. Fünf der Erntehelfer haben schon ihre Doppelzimmer auf dem Hof bezogen. Die Zimmergenossen arbeiten in Zweierteams, auf Abstand zu den anderen. Sie werden regelmäßig getestet. Fünf weitere werden nachkommen, wenn mehr zu tun ist.

Daniel Geesink (l.) ist froh, dass Pawel Kowolewski und andere polnische Erntehelfer in diesem Jahr wieder ohne große Probleme hier Spargel ernten können.
Daniel Geesink (l.) ist froh, dass Pawel Kowolewski und andere polnische Erntehelfer in diesem Jahr wieder ohne große Probleme hier Spargel ernten können. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

An diesem Nachmittag arbeitet Pawel Kowolewski allein auf dem Spargelfeld nahe des Hofes. Wie alle Erntehelfer auf dem Spargelhöffken kommt er aus der Kleinstadt Bogatynia im Dreiländereck Polen-Tschechien-Deutschland.

Im Takt der Spargelspinne

Kowolewski erntet nun in der vierten Saison hier und hat Schweiß auf der Stirn. Die elektrisch betriebene Spargelspinne rollt in Schrittgeschwindigkeit den Wall mit den Spargelpflanzen entlang, er muss mithalten und gebückt den Wall entlang gehen. Vor ihm hebt die Maschine die Folie, hinter ihm legt sie die Folie wieder ab. Ein Stich mit Spargelmesser in der rechten Hand, ein Ruck mit der linken und die weiße Sprossachse liegt in seiner großen Hand. Die Maschine trägt auch die Kisten, die er nach und nach füllt.

In der Geschwindigkeit der Spargelspinne sticht Pawel Kowolewski die weißen Sprossachsen.
In der Geschwindigkeit der Spargelspinne sticht Pawel Kowolewski die weißen Sprossachsen. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Die Spargelspinne erleichtert die Arbeit, denn ohne sie mussten die Folien per Hand gehoben und abgelegt werden. Daniel Geesink erklärt, dass die richtige Nutzung der weißen, schwarzen und teils auch doppelt gelegten Folien es ermöglicht, die Erntezeit von sechs auf zwölf Wochen zu verdoppeln. In dieser Zeit arbeiten die Erntehelfer hier an den Arbeitstagen mit drei Pausen von 7 bis 17 Uhr.

Derzeit ernten sie die frühe Sorte, bald kommt der grüne Spargel hinzu und die weiße späte Sorte folgt. Die Erdbeeren, die hier in bequemer Brusthöhe im Gewächshaus heranwachsen, wird ab Mai von Frauen geerntet. „Die Männer würden zu viele zerquetschen“, bemerkt Geesink dazu.

Geesink ist optimistisch

Theoretisch müsste es die Spargelpflanzen gestärkt haben, dass im vergangenen Jahr weniger Triebe abgeerntet wurden, doch von den ersten zwei Wochen der diesjährigen Ernte kann Geesink das noch nicht ablesen.

Er ist allerdings zuversichtlich. Er weiß, dass die Gastronomie in der Umgebung auch für gelieferte Speisen auf seinen Spargel zurückgreift und er ist froh, dass er wieder mit seiner Stammbelegschaft hier arbeiten kann.

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