Die Münsterland Zeitung ist bereits auf den E-Auto-Trend aufgesprungen: Das Auto der Redaktion fährt mit Strom. © Anne Winter-Weckenbrock
Autohändler

Trotz E-Auto-Trend im Kreis: Vredener „haben kein einziges E-Auto verkauft“

Die Zahl der zugelassenen Elektroautos im Kreis Borken schießt in die Höhe. Die Autohäuser in Vreden bekommen von dem Trend wenig mit. Dafür nennen sie verschiedene Gründe.

Ein neues Gesetz ist am 1. Januar 2021 in Kraft getreten. Das macht die fossilen Kraftstoffe, also Benzin und Diesel, teurer. Damit soll der Anreiz gesteigert werden, weniger Kraftstoff zu verbrauchen oder auf klimafreundliche Alternativen umzusteigen, um so das Klima zu schützen. Eine Alternative ist da das Elektroauto, das mit Strom statt Sprit fährt.

Mit Blick auf die vergangenen Jahre lässt sich bereits jetzt ein Trend zu E-Fahrzeugen im Kreis Borken feststellen. „Es ist eine starke Zunahme im Bereich der Kfz-Zulassungen von E-Fahrzeugen zu verzeichnen“, sagt Karlheinz Gördes, Pressesprecher des Kreis Borken auf Anfrage. „Die Steigerung wirkt sich sowohl im Bereich der jährlichen Neuzulassungen, als auch auf den Gesamtbestand der E-Fahrzeuge aus.“

Achtmal so viele E-Autos wie noch vor drei Jahren

Ein Vergleich: Im Jahr 2018 wurden 15.163 neue Fahrzeuge angemeldet. Darunter 124 E-Autos. Das macht einen Anteil von lediglich 0,818 Prozent.

2019 wurden im Kreis Borken insgesamt 16.111 neue Fahrzeuge angemeldet. Darunter waren 253 E-Autos, was einen Anteil von 1,57 Prozent ausmacht. Knapp doppelt so viele wie im Vorjahr.

Im vergangenen Jahr 2020 waren unter den 15.487 Neuanmeldungen 998 E-Autos. Somit sind 6,44 Prozent der angemeldeten Fahrzeuge mit einem Elektromotor ausgestattet. Das ist ein Anstieg von 5,6 Prozent im Vergleich zu 2018. Oder auch ein Plus von 874 E-Autos innerhalb von drei Jahren.

Sechs Ladestellen in Vreden

Im Kreis Borken gebe es laut Pressestelle „eine ganze Reihe von Ladestationen“. Sechs davon befinden sich in Vreden. Die Autohäuser in Vreden haben jedoch bisher erst eine überschaubare Menge der offenkundig beliebter werdenden E-Autos verkauft.

Im Autohaus Degener in Vreden geht die Nachfrage nach E-Fahrzeugen gen Null. „Im Moment muss ich klar sagen: Wir haben noch kein einziges E-Auto verkauft“, sagt Werkstattmeister Detlef Wieseotto. Woran das liegt, kann er nicht einschätzen. „Noch zu teuer in der Anschaffung“, ist seine Vermutung. „Hier auf dem Lande ist es mit der Reichweite auch noch schwierig.“

E-Fahrzeuge brauchen noch zu lange zum Vollladen

Klaus Gevering, Inhaber des Autohauses Gevering & Jebing in Vreden, sieht ein weiteres Problem bei den E-Autos. „Anfragen hat man, ja. Aber die Leute überlegen wegen der Ladezyklen“, sagt er, „die dauern zu lange.“ Seine Kunden seien nicht bereit, eine Stunde an der Ladesäule zu stehen und zu warten, bis die Fahrt mit dem aufgeladenen E-Auto weitergehen kann.

Für den Stadtverkehr sind E-Autos praktisch, auf dem Land reicht die Reichweite der Fahrzeuge häufig noch nicht aus.
Für den Stadtverkehr sind E-Autos praktisch, auf dem Land reicht die Reichweite der Fahrzeuge häufig noch nicht aus. © Anne Schiebener © Anne Schiebener

Trotzdem spürt Klaus Gevering den Trend zum Elektrofahrzeug. „Es wird definitiv mehr“, sagt er. „Dieses Jahr geht es erst los, wenn die Reichweiten der neuen E-Autos länger werden.“ Auch Schnellladezyklen für die neuen E-Fahrzeuge würden die Verkaufe dann noch einmal vorantreiben, mutmaßt der Inhaber.

E-Autos seien ungeeignet für Vredens Ländlichkeit

Das Autohaus von Josef Busert in Vreden ist auf den Verkauf von Kastenwagen, also Sprintern und Kleintransportern, spezialisiert. Auch bei den Elektro-Transportern boomt der Markt. Josef Busert selbst spürt aber nichts von diesem Trend. „Die Nachfrage ist so gut wie null“, sagt er. „Die Autos sind noch viel zu teuer.“ So koste ein reines E-Auto fast das Doppelte im Vergleich zum Auto mit Kraftstoff-Motor.

Noch nimmt der Autohändler in seinem Betrieb Abstand von E-Fahrzeugen. „Ich glaube, dass E-Mobilität in den großen Ballungsgebieten für kurze Strecken okay ist“, sagt Josef Busert, „aber es ist noch nicht vertretbar auf dem Land.“

Über die Autorin
Volontärin
In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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Anne Schiebener

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