Vereinsmitglieder nach Drohmail-Skandal: „Wir hatten absolut keine Ahnung“

mlzSpinnerei Vreden

Der ehemalige Verein „Neue Vredener Spinnerei“ erklärt in einer Stellungnahme, dass die Mitglieder von Markus Bußmanns Fehltritten nichts gewusst haben. Doch sie geben auch Fehler zu.

Vreden

, 12.11.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Mitglieder des inzwischen aufgelösten Vereins „Neue Vredener Spinnerei“ haben sich in einer Stellungnahme von den Äußerungen und dem Verhalten von Markus Bußmann distanziert. In dem Schreiben erklären sie zudem, wie geschockt sie waren, als sie von der Drohmail erfahren haben.

Demnach hat Markus Bußmann dem Vorstand des Vereins am Nachmittag vor der Ausschusssitzung von dem Hausverbot und seiner Mail berichtet. Aber: „Der Wortlaut wurde verharmlosend und unvollständig dargestellt.“ Auch der Redaktion hatte Markus Bußmann eine bewusst gekürzte Version geschickt.

Er habe Stroetmann mit „öffentlicher Demontage“ gedroht, es sei mit „harten Bandagen gekämpft“ worden. Das ist es, was Markus Bußmann laut Stellungnahme dem Verein mitgeteilt hat: „Kein Wort von einer Morddrohung.“

Wortlaut der Mail war dem Verein nicht bekannt

„Wir kannten keinerlei Details, wir sind quasi unwissend in diese Sitzung gegangen“, sagt Mano Siehoff vom ehemaligen Vorstand am Dienstag. Erst kurz vor der Sitzung erfährt er aus der Presse von der „Drohung gegen Leib und Leben“.

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Noch immer kennt er den genauen Inhalt der Mail nicht. Doch es bleibt keine Zeit mehr für eine Klärung mit Markus Bußmann oder den Vereinsmitgliedern. Also zieht der Verein den Vortrag vor den Politkern durch – improvisiert, ohne Material zum Zeigen und nach einer öffentlichen Aufforderung zum Rücktritt in Richtung von Markus Bußmann.

Morddrohung war „einfach unerträglich“

Als Max Stroetmann dann die Drohmail von Markus Bußmann vorliest, sitzt der Schock tief. Darin droht Bußmann dem Geschäftsführer, ihn mit einem Dolch aufzuschlitzen.

„Schon die Drohung einer öffentlichen Demontage war sehr schwierig, aber der echte Wortlaut war einfach unerträglich“, sagt Jörg Hannemann vom ehemaligen Vereinsvorstand. Auch für Beisitzer Hans-Georg Schepers war das alles unvorstellbar: „Das hat mich richtig getroffen. Ich habe danach mehrere Tage nicht geschlafen.“

Verein weist Vorwürfe zurück

In der Ausschusssitzung eskalierte danach die Situation. Die Vereinsmitglieder mussten sich Vorwürfe anhören, durften aber keine Stellung mehr nehmen. Reinhard Laurich (SPD) warf ihnen vor, dass sie von Markus Bußmann Fehltritten gewusst haben müssen.

Das weist der ehemalige Verein in der Stellungnahme entschieden zurück. „Wir hatten absolut keine Ahnung“, so Mano Siehoff. Er erklärt, dass es den Verein erst seit vier Wochen gegeben habe, der Vorstand wurde erst acht Tage vor der Sitzung gewählt. „Es gab keine gefestigten Strukturen.“

„Wir haben einer Person zu viel Handlungsfreiheit überlassen“

Doch der ehemalige Verein gibt in der Stellungnahme auch Fehler zu: „Es tut uns Leid, dass wir die Situation falsch eingeschätzt und zu viel Handlungsfreiheit vertrauensvoll einer Person überlassen haben und entschuldigen uns hierfür bei allen betroffenen Beteiligten und allen Vredenern.“

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Schon vor dem Skandal um die Drohmail hatten damalige Vereinsmitglieder ein ernstes Wort mit Markus Bußmann gesprochen. Dabei ging es um dessen Aktivitäten im sozialen Netzwerk Facebook. Der Verein hatte ihn zu einem sachlicheren Gesprächston aufgefordert. In einem Post hatte Bußmann Max Stroetmann unter anderem den „feindlichen Investor“ genannt.

Der Verein hat sich nach dem Skandal aufgelöst. Die Idee, die Spinnerei zu erhalten, möchten die Mitglieder nun in einer Interessengemeinschaft weiter verfolgen. Es soll eine lose Gruppe sein, ohne Vorstand. Alle Treffen und Gespräche werden mit zwei oder drei Personen absolviert. „Damit keine Alleingänge mehr möglich sind“, so Jörg Hannemann.

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