Verwirrung um hohe Nitratwerte im Wasser aus Hausbrunnen in Vreden

mlzWasseranalysen

Das klingt alarmierend: Jede zweite der vom Verein VSR-Gewässerschutz untersuchten Wasserproben aus Hausbrunnen in Vreden sei stark mit Nitrat belastet. Der Kreis Borken hat andere Zahlen.

Vreden

, 06.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unterschiedliche Untersuchungsergebnisse vom Verein VSR Gewässerschutz und vom Kreis Borken werfen Fragen auf. Der Reihe nach: 57 Vredener hatten Anfang Juli das Angebot des Vereins VSR genutzt und Wasser aus ihren Hausbrunnen analysieren lassen. Das Ergebnis, das VSR in einer Pressemitteilung vorstellt: „Jeder zweite Brunnenbesitzer wurde enttäuscht. Die Nitratkonzentration ihrer Wasserprobe überschreitet den Grenzwert vom 50 Milligramm pro Liter.“ In einigen Fällen sogar extrem.

VSR sieht Gesundheitsgefährdung

Diplom-Physiker Harald Gülzow, VSR-Projektleiter und der Bundesfreiwillige beim VSR, Lennart Hoster, hätten bei ihren Untersuchungen 161 Milligramm Nitrat in einem privaten Brunnen in Köckelwick, 130 mg/l in Vreden und Gaxel sowie 157 mg/l in Großemast festgestellt. Für den VSR ein beunruhigendes Ergebnis, da bei solchen Nitratwerten im Trinkwasser eine Gesundheitsgefährdung vorliege.

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Aber auch die Nutzung im heimischen Garten zur Bewässerung stuft der Verein als bedenklich ein, weil ein Nitratüberschuss auch negative Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und Umwelt habe,. Und bei Gesprächen mit den Vredener Brunnenbesitzern sei auch denen klar geworden, wie stark das Grundwasser in der Region bereits belastet sei, so die VSR-Pressemitteilung.

Die Ursache für die hohen Nitratwerte sieht der VSR klar bei der Landwirtschaft – und deren Entwicklung von bäuerlichen hin zu intensiv wirtschaftenden, subventionierten Betrieben. In diesem Zusammenhang widerspricht Harald Gülzow auch der Kritik der Landwirtschaft, die sich gegen den Befund des VSR gewehrt hätten und nicht eine intensive Landwirtschaft sondern vielmehr defekte Abwasserrohre als Verursacher der Nitratwerte sehen. Gülzows Gegenargument: In den Vredener Proben seien keinerlei Hinweise auf Abwasser gefunden worden.

Verein widerspricht Landwirten

Und auch einen weiteren Hinweis aus der Landwirtschaft, dass die Überdüngung in Gärten und Kleingartenanlagen Auslöser sein könne, lassen die VSR-Vertreter nicht gelten: Gerade städtische Kleingärten ohne Nähe zur Landwirtschaft zeigten geringe Nitratwerte. Soweit die Position des Gewässerschutzvereins, der mit seiner Untersuchung auch einen politischen Appell verknüpft. weg von der konventionellen, hin zur ökologischen.

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Allerdings gibt es in der Vredener VSR-Untersuchung auch keinen Hinweis darauf, aus welcher Art von Hausbrunnen die Proben stammten. Während nämlich Hausbrunnen, deren Wasser zum Beispiel für die Gartenbewässerung oder als Tiertränken genutzt werden, keine Meldepflicht besteht, gibt es die nur für solche die zur Trinkwassergewinnung dienen. Und auch nur diese Zahl ist dem Kreis Borken bekannt, da das Kreisgesundheitsamt hier jährlich Untersuchungen durchführen muss. Im Jahr 2018 waren es 227.

Kreis sieht Rückgang bei den Grenzüberschreitungen

Für diese hat der Kreis Borken im Untersuchungszyklus 2016 bis 2018 für das Gebiet der Stadt Vreden eine Nitrat-Grenzwert-Überschreitung in Höhe von 10,1 Prozent festgestellt. Kreisweit habe die bei 15,4 Prozent gelegen. Laut Tabelle hatten die Proben aus privaten Trinkwasseranlagen in Vreden seit 2000 fast zu zwei Drittel im „grünen Bereich“ gelegen, also mit einem Nitrat-Gehalt von bis zu 50 Milligramm pro Liter. Das teilte auf Anfrage Kreis-Pressesprecherin Ellen Bulten mit.

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Eine erste Einschätzung der Vredener Werte für 2019 gehe sogar von einem geringen Rückgang der Zahl der Grenzwerteüberschreitungen aus. Und: „Tendenziell nimmt die Höhe der Grenzwertüberschreitungen bei den Trinkwasseruntersuchungen ab.“ Aber: „Der Vollständigkeit halber ist aber darauf hinzuweisen, dass durch den Einbau von Aufbereitungsanlagen etc. unsere Trinkwasserdaten nur bedingt Rückschlüsse auf die Belastung des Grundwassers mit Nitrat zulassen.“

Merkblatt des Kreises Borken zu Nitrat in Hausbrunnen

  • Nitrat ist an sich unbedenklich, sollte aber nur in möglichst geringen Mengen aufgenommen werden, weil es durch bestimmte Bakterien zum gesundheitsgefährdenden Nitrit umgewandelt werden kann.
  • Der Gesetzgeber hat daher den Grenzwert im Trinkwasser auf 50 mg/l festgelegt.
  • Ab 130 mg/l ist bei einer dauerhaften Nutzung des Trinkwassers eine Gesundheitsgefährdung auch der erwachsenen Allgemeinbevölkerung nicht auszuschließen.
  • Die Abgabe von Trinkwasser, das nicht den Anforderungen der Trinkwasserverordnung genügt, an Dritte (Mieter, Besucher), steht unter Strafe.
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