Vorbestrafter Pädophiler wollte 15-Jährigen in Vreden für Oralsex bezahlen

mlzAmtsgericht

Ein vorbestrafter Pädophiler ist in Vreden rückfällig geworden. Er wollte einen 15-Jährigen für Oralsex bezahlen. Dass er Kontakt zu dem Jungen bekam, ist die Folge eines fatalen Fehlers.

Vreden

, 04.02.2020, 07:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein unaufmerksamer Arbeitgeber und einige Zufälle haben dafür gesorgt, dass ein polizeibekannter Pädophiler in Vreden rückfällig geworden ist. Der 52-Jährige hat einem 15-Jährigen Geld für Oralsex angeboten. Dass es nicht dazu kam, liegt einzig und allein daran, dass dem Mann der genannte Preis von 200 Euro zu hoch war.

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Ahaus am Montag ging es dennoch um Missbrauch von Jugendlichen. Denn der Angeklagte durfte sich Kindern und Jugendlichen gar nicht nähern. Das hatte bereits vor vier Jahren ein Gericht entschieden.

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„Ihre Vorgeschichte liest sich wie ein gruseliger Film“, sagte der Richter. Der 52-Jährige wurde bereits mehrfach wegen ähnlicher Taten verurteilt, saß insgesamt rund 23 Jahre im Gefängnis oder war in psychiatrischen Einrichtungen.

Bruder verkaufte Elfjährigen an erwachsene Männer

Unter anderem soll er den Sohn einer Familie, die ihn aufgenommen hat, mehr als 100 Mal missbraucht haben. Herausgekommen war das seinerzeit nur, weil der Angeklagte eifersüchtig auf einen anderen erwachsenen Sexpartner des Jungen wurde und selber zur Polizei gegangen ist.

Sexuelle Gewalt hat der Angeklagte früh selber erfahren. Als Elfjähriger wurde er nach eigenen Angaben von seinem älteren Bruder zu einer sexuellen Beziehung genötigt. Der hat ihn auch an andere Männer verkauft. Später hat der Angeklagte sich selbst prostituiert.

Arbeitgeber macht fatalen Fehler

Vor vier Jahren wurde der 52-Jährige nach mehreren Jahren Haft und Therapie entlassen. Seitdem lebt er in Vreden und hielt sich nach Aussage seines Bewährungshelfers an alle Auflagen. Situationen mit Kindern und Jugendlichen ist er demnach bewusst aus dem Weg gegangen. „Ich bin nicht draußen rumgelaufen und habe Jungen angesprochen“, sagte der Angeklagte.

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Doch dann hat sein Arbeitgeber in Vreden einen Fehler gemacht. Ein 15-jähriger Schülerpraktikant arbeitete plötzlich in derselben Schicht wie der pädophile Mann. Der Junge sei psychisch krank, sehr offenen und unkritisch anderen Personen gegenüber, erklärte eine Psychiaterin vor Gericht. „Ein idealer Nährboden für den Angeklagten.“

Der Mann und der Junge trafen sich privat, schauten in der Wohnung des 52-Jährigen Filme und gingen zusammen essen. Eines Tages bot der Mann dem 15-Jährigen Geld für Oralverkehr an. Der Junge verlangte 200 Euro, was dem Angeklagten zu viel war. An einem anderen Tag kaufte der Mann dem Jungen eine Jacke für 130 Euro unter der Bedingung, Oralverkehr durchführen zu dürfen. Als der Junge sich weigerte, brachte er die Jacke zurück.

Medikamente unterdrücken den sexuellen Trieb

„Er hat keine Gewalt angewendet und er weiß, dass das falsch war“, sagte die Psychiaterin vor Gericht. „Ich stand danach vor dem Schnapsregal und wollte mich umbringen“, erzählte der Angeklagte. Stattdessen ist er zum Arzt gegangen und hat sich Medikamente verschreiben lassen.

Die Tabletten unterdrücken den sexuellen Trieb. „Seitdem habe ich keine Lust mehr auf Sex. Früher hatte ich direkt Fantasien, wenn ich Jungen auf der Straße gesehen habe. Heute nehme ich sie gar nicht mehr wahr“, beschrieb der 52-Jährige.

Pädophiler weigert sich, Therapie zu machen

Dass er diese Tabletten regelmäßig nimmt, einen festen Job hat und sich bis auf die zwei Vorfälle immer an die Auflagen gehalten hat, waren für den Richter durchaus positive Aspekte. Doch der Angeklagte weigerte sich vor Gericht vehement, eine weitere Therapie zu machen: „Ich hatte schon 19 verschiedene Therapeuten. Ich sehe keinen Sinn in noch einer Therapie.“

Das war Grund genug für den Richter, auf eine Bewährungsstrafe zu verzichten. Der 52-Jährige geht nun für zwei Jahre ins Gefängnis.

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