Balance-Akt: 10 Tonnen schweres Stück Stadtgeschichte wird in Vreden behutsam geborgen

mlzGrabungen in Vreden

Viele Wochen untersuchten LWL-Archäologen ein Stück Stadtgeschichte an der Burgstraße neben dem Rathaus. Jetzt hat der Heimatverein einen kleinen Teil dieser Geschichte für immer gerettet.

Vreden

, 11.08.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Wetter passt am Freitag nicht so recht zu dem bemerkenswerten Ereignis, das sich an der Burgstraße neben dem Rathaus abspielt. Es schüttet aus Eimern, doch die gute Laune kann das Gudio Leeck (Vorsitzender des Heimatvereins), Michael Kadler (Heimatverein) und Sven Reinartz nicht nehmen.

Zufrieden blicken die Drei auf das gut zehn Tonnen schwere Stück Stadtgeschichte, das auf dem eisernen Bergungsgerüst vor dem Seitengang des Rathauses thront. „Wir sind erleichtert, dass alles geglückt ist“, so Gudio Leeck.

Das Stück Fundament stammt von einem Turm

Der „Brocken“ der aus porösen Ziegeln und weich gewordenem Mörtel besteht, war viele, viele Jahre unter der Erdoberfläche verborgen. „Es ist ein Teil vom Fundament eines mächtigen Turmes“, erklärt Michael Kadler.

Der Turm wurde, so die Erkenntnisse der LWL-Archäologe, die vor Ort die Grabungen in den vergangenen Wochen durchführten, vermutlich erst im Nachgang in die 1398 errichtete Burgmauer integriert und wiederholt umgebaut.

Balance-Akt: 10 Tonnen schweres Stück Stadtgeschichte wird in Vreden behutsam geborgen

Michael Kadler bei den vorbereitenden Maßnahmen der Bergung. © Hubert Stroetmann

Wo heute das barocke Herrenhaus als Teil des Vredener Rathaus steht, befand sich nämlich bis zum Jahr 1699 die bischöfliche Burg.

Ein Stück Heimatgeschichte vor der Zerstörung bewahrt

„Wir sind erleichtert, das alles geglückt ist.“
Guido Leeck

Dass der Turm im Laufe der Jahre auf seinem Holzfundament auf dem sandigen Untergrund abgesackt ist und eine Neigung von 5,712 Grad bekam, machte die Bergung des Fundamentes am Freitag nicht leichter.

„Der LWL hat die Genehmigung erteilt und wir als Heimatverein wollten dieses Stück Stadtgeschichte einfach unbedingt sichern“, so Leeck. Denn hätten es die Heimatforscher nicht getan, wäre das Fundament im Zuge der noch anstehenden Kanalbauarbeiten zerstört worden.

Balance-Akt: 10 Tonnen schweres Stück Stadtgeschichte wird in Vreden behutsam geborgen

An dieser Stelle wird das Stück Fundament zwischengelagert, ehe es an seinen endgültigen Bestimmungsort verfrachtet wird. © Hubert Stroetmann

In guter Zusammenarbeit mit der Stadt Vreden, so betont es Leeck, habe man Hand in Hand die Bergung realisieren können. Doch der Reihe nach.

Zunächst organisierten Michael Kadler und Sven Reinartz das Bergungsgestell in Eigenregie – aus der Eifel. Für den Transport des 1,25 Tonnen schweren Gerüstes stellte der Bauhof der Stadt Vreden unentgeltlich einen Lkw zur Verfügung. Und für die Vorort-Arbeiten einen Bagger.

Vor der Bergung muss viel Vorarbeit geleistet werden

Bis es allerdings zur Bergung mittels eines 25-Tonnen-Krans kam, hatten Michael Kadler und Sven Reinartz am Freitag etliche Stunden Vorarbeit zu leisten. Die Eisenstangen des Gestells mussten mit Hilfe des Baggers unter das Fundament geschoben, die Konstruktion verschraubt, gesichert sowie stabilisiert und natürlich aus dem Erdreich freigestemmt werden.

Das Heben und Umsetzen des Zehn-Tonnen-Stücks war dann in wenigen Minuten erledigt. Doch wie geht es jetzt weiter? „Als erstes müssen wir das gute Stück fachmännisch stabilisieren“, so Michael Kadler. Denn die lange Zeit unter der Erde hat dem Gemäuerstück arg zugesetzt.

Balance-Akt: 10 Tonnen schweres Stück Stadtgeschichte wird in Vreden behutsam geborgen

Ein seitlicher Blick auf das Bergungsgestell samt Fundament. © Hubert Stroetmann;

Diese Arbeiten sollen, so der Plan, an Ort und Stelle stattfinden. „Ein Transport wäre nicht gut“, sagt Sven Reinartz. Wo genau das Stück Stadtgeschichte letztendlich platziert wird, sei hingegen noch nicht klar.

„Denkbar wäre in der Nähe des Rathausanbaus oder unmittelbarer Umgebung zur Ausgrabungsstelle“, skizziert Leeck die Möglichkeiten. Selbstverständlich sei, dass dann auch entsprechende Informationstafeln aufgestellt würden.

„Als erstes müssen wir das gute Stück fachmännisch stabilisieren.“
Michael Kadler

Doch noch ist das Zukunftsmusik. Zunächst wird die Ausgrabungsstätte wieder zugeschüttet. Zunächst provisorisch, damit der Verkehr wieder fließen kann. Später wird dort noch einmal gegraben, aber nicht mehr so vorsichtig. Denn ein neuer Kanal soll mitten durch die historischen Mauerreste führen.

„Für uns gilt es jetzt zunächst, das Fundamentstück zu stabilisieren und gegen die Witterung zu schützen, damit wir es zu gegebener Zeit unbeschädigt an seinen endgültigen Bestimmungsort transportieren können“, erklärt Kadler.

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