Es ist quasi ein Plastikverbot: Veranstaltungen, auf denen Einweggeschirr aus Plastik benutzt wird, werden in Vreden in Zukunft nicht mehr genehmigt. Einen Teil der Kosten übernimmt die Stadt.

Vreden

, 12.05.2020, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jetzt ist es beschlossene Sache: In Vreden soll in Zukunft überhaupt kein Einweggeschirr aus Kunststoff mehr benutzt werden. Zumindest nicht auf öffentlichen Veranstaltungen. Mehr noch: Nur wenn Veranstalter erklären, dass sie Mehrweggeschirr benutzen, soll ihre Veranstaltung überhaupt noch genehmigt werden.

Gleichzeitig können nicht-kommerzielle Veranstalter – also vor allem Vereine – die Hälfte der Kosten, die etwa durch die Reinigung des Geschirrs entstehen, bei der Stadt als Zuschuss beantragen. Diese Entscheidung hat der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss einstimmig getroffen. Obwohl es durchaus unterschiedliche Ansichten gab.

Die Verwaltung hatte zuvor mit den Sportvereinen in der Stadt gesprochen. „Sie sind es, die eigene Vereinsheime haben und eigene Veranstaltungen auf die Beine stellen“, erklärte der Erste Beigeordnete Bernd Kemper.

Sportvereine verzichten jetzt schon oft auf Plastikgeschirr

Fast alle der 18 Sportvereine in der Stadt hätten auf die Umfrage geantwortet. „Und überrascht haben uns diese Antworten nicht“, erklärte Bernd Kemper. Die meisten Vereine seien bereits sehr vorbildlich unterwegs. „Hier und da gibt es noch Restbestände“, sagte er. Er gehe jedoch davon aus, dass Einwegteller und -besteck zukünftig nicht mehr genutzt werde.

Jetzt lesen

Für Norbert Vöcker (CDU) war ein Verbot überfällig. „Es muss etwas getan werden“, sagte er. Nur so könne man den jahrzehntelangen sorglosen Umgang mit Plastik stoppen.

Hendrik Mulder (FDP) ging das Verbot eigentlich zu weit. „Von der Sache her sind wir uns ja eigentlich voll einig“, erklärte er. Er hätte jedoch lieber an die Eigenverantwortung der Veranstalter appelliert. „Das EU-Parlament hat Einweggeschirr ab 2021 ja sowieso verboten“, erklärte er. Bis dahin hätte man in Vreden auch mit einer Leitlinie arbeiten können.

„Manche brauchen eben ein Verbot“

Auch Elmar Kampshoff (UWG) sah ein Verbot als schwierigen Mittelweg. Vor allem, da viele ja bereits ohnehin auf Plastik verzichten würden. Er mochte dennoch nicht auf ein Verbot verzichten: „Manche brauchen es eben“, sagte er. Gleichzeitig brachte er noch ein anderes Thema ins Gespräch: „Was ist mit Einwegprodukten aus anderen Materialien? Darauf sollte man doch genauso verzichten“, sagte er.

Jetzt lesen

Das wiederum mochte Bernd Kemper so nicht stehen lassen. „Dann wäre ja auch das Pappschälchen für die Pommes auf der Kirmes verboten“, sagte er. Und das sei schlicht nicht praktikabel. Dort würden auch weiterhin Hartplastikbecher mit dem Pfandsystem benutzt. „Das hat sich bewährt“, erklärte Bernd Kemper. Durch die einfache Formel mit dem Kunststoffgeschirr sei schon 90 Prozent des Problems erledigt.

Lösungen für Mehrweggeschirr werden jetzt schon angeboten

Auch für das Mehrweggeschirr gebe es bereits gute Lösungen, hatte die Verwaltung erklärt. Im Vorfeld der Sitzung hatten sich die Politiker das Geschirrmobil des Deutschen Roten Kreuzes angesehen. Ein Anhänger, auf dem neben Geschirr für rund 300 Personen auch mehrere Industriespülmaschinen verbaut sind. Dieses oder vergleichbare Angebote könnten auch solche Veranstalter nutzen, die nicht mit eigenen Räumen oder Geräten ausgestattet seien.

Im Vorfeld der Sitzung hatten sich die Politiker das Geschirrmobil vom Deutschen Roten Kreuz angesehen. Nur eine Variante für Veranstalter, um in Zukunft Mehrweggeschirr zu nutzen.

Im Vorfeld der Sitzung hatten sich die Politiker das Geschirrmobil vom Deutschen Roten Kreuz angesehen. Nur eine Variante für Veranstalter, um in Zukunft Mehrweggeschirr zu nutzen. © Stadt Vreden

„Und wenn der Markt es fordert, wird es weitere ähnliche Angebote geben“, erklärte Gerd Welper (Grüne). Technisch sei es auch heute schon längst möglich, auf Einweggeschirr zu verzichten. Seine Fraktion hatte das Plastikverbot ursprünglich ins Rollen gebracht.

Zuletzt hatte der Rat im Februar über das Thema Einweggeschirr gesprochen. Damals gingen die Politiker so weit, dass sie Zuschüsse nur noch an Veranstaltungen zahlen wollten, wenn dort auf Einweggeschirr verzichtet würde. Gleichzeitig wurde dort vereinbart, über das generelle Verbot von Einweggeschirr aus Kunststoff noch einmal im Ausschuss zu beraten.

Jetzt lesen

Bei Veranstaltern, Vereinen und Wirten in Vreden war die Idee damals bereits auf offene Ohren gestoßen.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt