Trockenheit im Zwillbrocker Venn wird zum nachhaltigen Problem

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Die Trockenheit im Zwillbrocker Venn war bereits vor einem Jahr dramatisch. Die Lage hat sich weiter verschlimmert. Das Phänomen ist allerdings kein neues, erklären die Experten.

Vreden

, 09.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, vergleichbar ist die Situation mit der vor genau einem Jahr nicht. „Es ist schlimmer, viel schlimmer.“ Dr. Dietmar Ikemeyer, Geschäftsführer der Biologischen Station Zwillbrock, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Trockenheit im Zwillbrocker Venn geht.

Von dem eigentlich 33 Hektar großen See mit einer Wassertiefe von wenigen Zentimetern bis zu zwei Metern ist nur noch wenig bis gar nichts übriggeblieben. Zu sehen ist ein Streifen Schlamm, das war es. Die Lage habe sich nach dem trockenen Sommer 2018 mit noch einmal trockenem Winter und Frühjahr weiter verschärft.

Kein neues Phänomen

Dietmar Ikemeyer ist diese Sichtweise allerdings zu kurz gedacht: „Das Phänomen ist doch kein neues und aktuelles, es wird medial allein jetzt präsenter durch die enormen Wetterextreme. Dieser trockene Sommer ist doch nur der letzte trockene Sommer.

Die Wasserknappheit zieht sich aber schon über Jahre hin, akut über drei bis fünf Jahre.“ Noch vor einem Jahr hatte Ikemeyers Stellvertreterin Elke Happe angedeutet, dass es schwierig würde, wenn auch der Winter und vor allem das Frühjahr trocken blieben. „Davon gehen wir im Moment erst einmal nicht aus“, hatte sie seinerzeit noch gehofft. Ihr Wunsch erfüllte sich nicht.

Problem ist doppelt gelagert

Die Folgen sind dramatisch: Das gesamte Biotopgewässer ist weg, von Feuchtwiesen kann keine Rede mehr sein. „Und damit verschwindet letztlich alles, was mit einem funktionierenden Biotop zusammenhängt.“ Frösche, Insektenlarven, Wasserpflanzen – der Geschäftsführer nennt nur einige Beispiele. Man müsse sich aufgrund der Nachhaltigkeit dieses Phänomens mittlerweile mit einem Landschaftswandel aktiv auseinandersetzen.

Trockenheit im Zwillbrocker Venn wird zum nachhaltigen Problem

Das Thema Trockenheit im Venn ist nicht neu, wissen die Experten. Seit Jahren ist auch in der Region viel zu wenig Regen gefallen. Ein weiteres Problem sind die versiegelten Flächen. © Markus Gehring

Doch Dietmar Ikemeyer weist auf ein „doppelt gelagertes Problem“ hin: Wir haben nicht nur zu wenig Regen, um zunächst einmal das Grundwasserreservoir wieder aufzufüllen. Wenn es einmal regnet, dann fließt das Wasser viel zu einfach und schnell wieder ab statt zu versickern.“ Die Standzeit pro Fläche sei minimiert – nicht zuletzt verschuldet durch die Versiegelung von Flächen in Städten und auf dem Land. So würden die Vorräte kaum aufgefüllt, selbst wenn es einmal kräftig regnete.

"Ohnmächtig im Handeln"

Wie kann man der Entwicklung entgegensteuern? „Im Grund sind wir ohnmächtig im Handeln“, kann Dietmar Ikemeyer mit seinem Team allein „Feuerwehrmaßnahmen“ einleiten. So soll die Insel zeitnah wiederhergestellt werden. Doch „großflächig sei das Thema nicht zu handeln“.

Es muss regnen – und das nicht zu knapp. Dietmar Ikemeyer wundert sich deshalb seit geraumer Zeit, warum immer wieder „gutes Wetter vorhergesagt“ wird: „Was ist denn gut? Sonne, Trockenheit? Gut wäre das Wetter, wenn es regnete – lange und kräftig.“ Wie groß das Ausmaß sein müsste, damit sich das Zwillbrocker Venn wieder erholte, das kann er nicht eingrenzen. Tage, Wochen, Monate?

Hoffnung bleibt

Zumindest wäre es ein erster Schritt, wenn sich wieder ein wenig Wasser ansammelte, damit sich Plankton ausprägte. Davon ernährten sich schließlich die Flamingos, die Wahrzeichen des Zwillbrocker Venns. Diese haben das Venn mittlerweile wieder verlassen – ohne Bruterfolg.

Durch den trockenen Lachmöwensee hatten Fuchs, Marder und Co. „trockenen Fußes“ die Insel erreichen und die Flamingos bei der Brut stören können. Die Trockenheit ist ein vielschichtiges Problem…

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