Vredener Bauhof ist meistens in Sachen „Grau und Grün“ im Auftrag der Stadt unterwegs

mlzNeue Struktur

Die Organisation des Bauhofs war 2015 auf den Prüfstand geraten. Nun sind einige Vorschläge für mehr Effektivität des „Serviceunternehmens“ der Stadtverwaltung umgesetzt. Manche nicht.

Vreden

, 21.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Grau und Grün sind die Farben des Bauhofs. Zwar ist das Aufgabenspektrum viel größer als die Bereiche Straßen und Pflanzen – aber die Einteilung in diese beiden großen Felder ist ein Punkt, der seit der Neustrukturierung des Bauhofs in den vergangenen Jahren mehr Gewicht bekommen hat. Wie berichtet, hatte die Stadt Vreden nach Anmerkungen der Gemeindeprüfungsanstalt im Jahr 2013 zur Organisation des Bauhofs ein Gutachten erstellen lassen. Das lag im Frühjahr vor. Empfehlungen wurden umgesetzt. Und werden es noch. Aber mit Augenmaß, wie Fachbereichsleiter Joachim Hartmann im Pressegespräch betont.

Ein normaler Arbeitstag im Bauhof beginnt im Winter um 7.30 Uhr, bei Schnee um 5 Uhr, sonst um 7 Uhr. Alle Mitarbeiter, alle Fahrzeuge sind am Bauhof an der Ottensteiner Straße versammelt, Bauhof-Leiter Martin Terbrack weist die anliegenden Arbeiten den Vorarbeitern von „Grün“ und „Grau“ zu – „auch wenn man die meisten Aufgaben schon vorher weiß“, erklärt er. Denn die Aufträge sind in der Regel schon im Voraus erteilt. Größter Auftraggeber an das Serviceunternehmen der Stadtverwaltung: die Fachabteilungen im Rathaus.

Vredener Bauhof ist meistens in Sachen „Grau und Grün“ im Auftrag der Stadt unterwegs

Bauhof-Leiter Martin Terbrack mit einem der Bauhof-Fahrzeuge, die auch mit dem Bauhof-Logo gekennzeichnet sind. © Anne Winter-Weckenbrock

Der Bauhof ist nun im Verwaltungs-Organigramm ebenfalls als Fachabteilung aufgeführt. Auf Vorschlag der Gutachter. Das war früher anders: „Der, der die Dienstleistung des Bauhofs bestellt hat, war auch oft der Vorgesetzte“, beschreibt Fachbereichsleiter Joachim Hartmann den Unterschied. Nun sei das anders, egal, ob die Fachabteilung Hochbau oder Kultur – sie seien als „Besteller“ ausgewiesen. Den Auftrag für das Installieren der Weihnachtsbeleuchtung gibt zum Beispiel die Wirtschaftsförderung, wenn eine Bühne aufgebaut werden muss, ist oft die Kulturabteilung Auftraggeber. „Die meisten Aufträge kommen aber vom Tiefbauamt“, betont Martin Terbrack.

Arbeiten „auf Zuruf“ eher selten

Auch Arbeiten „auf Zuruf“ für den Bürger oder für Vereine sind nun weniger die Regel. Wenn Bauhofmitarbeiter einen Gehweg ausbessern und ein Bürger macht sie auf eine schadhafte Stelle auf der anderen Straßenseite aufmerksam, liegt es im Verantwortungsbereich der Mitarbeiter, ob sie das eben erledigen oder dafür extra einen Auftrag von der Fachabteilung Tiefbau brauchen. Wenn aber ein Verein anruft, dass – wie jedes Jahr – Fahnen aufgehängt oder eine Bühne aufgebaut werden soll, „dann geht der richtige Weg über die Fachabteilung. Die zahlt ja auch dafür“, erklärt Martin Terbrack.

Was ist mit dem Vorschlag der Gutachter, digital die Arbeitszeit zu erfassen? Das halten die Vredener nicht für notwendig: „Das hier im Bauhof ist Mannschaftssport, hier muss sich nicht jeder einloggen“, betont Joachim Hartmann. Der Bauhof hat ein praktikables System entwickelt. Auf handlichen Formularen werden kurze Tagesberichte abgefasst. Mal ist eine Zeile auszufüllen, mal sind es fünf. „Aber das ist zu schaffen“, sagt Anja Hülsmann, die mit einer vollen Stelle die Verwaltung des Bauhofs managt und die Berichte in die EDV eingibt. Dies ist die Basis für das umfangreiche Zahlenmaterial, mit dem der Bauhof am Ende des Jahres aufzeigen kann, was in welcher Zeit und zu welchem Preis geleistet wurde.

Vredener Bauhof ist meistens in Sachen „Grau und Grün“ im Auftrag der Stadt unterwegs

Anja Hülsmann managt die Verwaltung des Bauhofs. Die von den Mitarbeitern ausgefüllten Tagesberichte überträgt sie ins EDV-System. © Anne Winter-Weckenbrock

Alles wird erfasst, so ist leichter herauszufinden: Was kostet was? Jede „Immobilie“ hat eine Kennziffer für den Tagesbericht und die EDV. Zum Beispiel der „Stadtpark“. In dem gibt es wiederum verschiedene Elemente vom zu leerenden Papierkorb über das zu prüfende Spielgerät bis hin zum pflegebedürftigen Laubbaum. So könne zu Beispiel jeder Kommunalpolitiker am Ende sehen, wie viel ein Quadratmeter voller Sommerblumen auf dem Kreisverkehrsplatz kostet. Denn auch für das schöne und gepflegte Stadtbild ist die Stadt ja zuständig und lässt sich das etwas kosten. Auch wenn es keine Pflichtaufgabe ist. Joachim Hartmann bringt es auf den Punkt: „Bäume müssen wir wegen der Verkehrssicherheit beschneiden, Blumen pflanzen müssen wir nicht.“

Bauhof machte einen Umsatz von 1,77 Millionen Euro

Die meisten Arbeitsstunden des Bauhofs gehen für Bodendecker, Hecken und Sträucher drauf: 4477 Stunden waren es laut Bericht für das Jahr 2017, gefolgt vom Rasenmähen (3395 Stunden) und der Baumpflege (2272 Stunden). Die Ölspurenbeseitigung mit 23 und das Rasendüngen mit 20 Stunden stehen am Ende der Skala. Bei den Umsätzen führen die Unterhaltung und der Neubau von Verkehrsflächen mit 769.671 Euro vor dem Bereich Grünflächen/Parkanlagen (357.746 Euro) und technisches Gebäudemanagement (125.1098 Euro).

Vredener Bauhof ist meistens in Sachen „Grau und Grün“ im Auftrag der Stadt unterwegs

Im Fuhrpark nutzt der Vredener Bauhof gern Schlepper mit speziellen Vorrichtungen statt Spezialfahrzeugen. © Markus Gehring

Die Gesamtumsätze des Bauhofs beliefen sich auf 1,65 Millionen Euro im Jahr 2016 und auf 1,77 Millionen Euro im Jahr 2017, die Kosten bei 1,63 und 1,76 Millionen Euro. „Wir arbeiten kostendeckend“, sagt Martin Terbrack zufrieden. Und Anja Hülsmann ergänzt schmunzelnd: „Das wäre für jedes Unternehmen der Tod.“ Das unterscheidet den städtischen Bauhof mit seinem hoheitlichen Aufgabenportfolio dann doch vom Privatunternehmen.

Rechnungen schreibt der Bauhof nach einem kalkulatorischen Satz an die Auftraggeber. Der Stundenlohn wird zum Beispiel (ohne Mehrwertsteuer) mit brutto 34,50 Euro angesetzt, für den Auszubildenden mit 23 Euro. „Die Kostentransparenz ist gut für die Disziplin bei den Bestellern“, sagt Joachim Hartmann. Der „Kulturwandel“ nach der Umorganisation betreffe durchaus nicht nur den Bauhof selbst, sondern auch die Mitarbeiter der Fachabteilungen, die bei ihren Aufträgen an den Bauhof nun auch sehen, welche Kosten verursacht werden.

Städtische Bäume sollen alle erfasst werden

Während die Tagesberichte noch in Papierform daherkommen, ist Wilhelm Fahrland stets mit einem tragbaren PC unterwegs. Der stellvertretende Bauhof-Leiter erfasst die Bäume mit einem speziellen Programm. 14.400 Bäume, die auf städtischen Grundstücken, zum Beispiel an Straßen und Wegesrändern, stehen, hat er schon fotografiert, den Zustand beschrieben und mit einem Mauslick alle geografischen Infos festgehalten. Er schätzt, dass er am Ende auf rund 30.000 Bäume kommt, die vom Bauhof vor allem in puncto Verkehrssicherheit im Blick gehalten werden.

Die moderne Technik hat auch den Vorteil: Wenn ein Bürger anruft und auf einen Missstand bei einem Baum hinweist, ist mit einem Blick ins System klar, ob Wilhelm Fahrland das schon gesehen und eingetragen hat mit dem Verweis, dass mit dem Baum etwas geschehen muss. Die Gutachter hatten kritisiert, dass der Bauhof für diese wichtige Aufgabe mehr Personal einstellen müssen. „Wir machen das verantwortbar mit einer Stelle und EDV“, betont Joachim Hartmann.

  • 27 Stellen gibt es für den Bauhof. 25 Männer und drei Frauen sind dort beschäftigt – überwiegend in Vollzeit. Ein Auszubildender zum Garten-Landschaftsbauer komplettiert die Mannschaft. Das Personal für „Grün und Grau“ wurde maßvoll aufgestockt, das wäre aber auch ohne Gutachten nötig gewesen.
  • Die Stadt hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, das sich mit den Aufgaben, der personellen Ausstattung, der Struktur und den Kosten des Bauhofs beschäftigte.
  • Umgesetzt wurde auch der Vorschlag, zum Beispiel Fliesen legen oder Trockenbauarbeiten nicht mehr selbst auszuführen. Diese Arbeiten werden vergeben. So habe die Kernmannschaft des Bauhofs praktisch zwei Leute dazugewonnen.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt