Vredener Eiszeit abgesagt: Michael Meyerink erklärt die Gründe

mlzEisbahn und Almhütte

Michael Meyerink hat die Vredener Eiszeit komplett abgesagt. Auch die Eisbahn, die coronabedingt wohl möglich gewesen wäre, wird nicht in der Innenstadt aufgebaut. Das hat komplexe Gründe.

Vreden

, 15.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Erst mit den Schlittschuhen seine Runden auf der Eisbahn drehen, dann einen heißen Kakao in der Almhütte trinken und am Wochenende die Stammtisch-Weihnachtsfeier mit Eisstockschießen und bayrischem Menü feiern. Die Vredener Eiszeit gehört für viele Menschen aus der Region zum festen Winter-Programm. Doch in diesem Jahr fällt das Event komplett und ersatzlos aus.

Der Grund ist natürlich die Corona-Pandemie. Die Entscheidung hat sich Gastronom und Veranstalter Michael Meyerink dennoch nicht leicht gemacht. „Wir überlegen seit Juli, ob wir nicht doch noch eine Alternative finden“, erzählt er am Donnerstag.

70 statt 120 Gäste wären in der Almhütte erlaubt

Das Problem seien vor allem die Beschränkungen für die Gastronomie. In der Almhütte müssten wegen der Abstandsregelungen fünf Tische weniger stehen. „Das bedeutet: 70 statt sonst 120 Gäste“, erklärt der Gastronom. „Und man weiß ja auch nicht, wie und ob die Leute das Angebot im geschlossenen Raum überhaupt annehmen.“ Wenn sich die Kontaktbeschränkungen verschärfen, wären sogar noch weniger Gäste erlaubt.

Michael Meyerink hat das Ganze mal durchgerechnet. 25.000 Euro würden ihn die Almhütte, die Unterkonstruktion für die Eisbahn und der Toilettenwagen kosten. „Plus Arbeitskraft und Energie, ohne dass ich bis dahin auch nur einen Cent verdient habe. Das geht nicht gut, da hätten wir draufgezahlt.“

Michael Meyerink steckt Kraft und Geld lieber in sein Restaurant

Deswegen habe er sich dazu entschieden, dieses Risiko nicht einzugehen. „Die Kraft stecke ich jetzt lieber in das Restaurant und das Hotel“, meint der Vredener. Denn auch dort gibt es ja seit Beginn der Pandemie einige Probleme. Zudem möchte er nicht der „Buhmann“ sein, wenn sich bei der Eiszeit tatsächlich jemand mit dem Coronavirus ansteckt.

In der Almhütte hätten in diesem Jahr weniger Tische stehen dürfen, damit die Abstände eingehalten werden können.

In der Almhütte hätten in diesem Jahr weniger Tische stehen dürfen, damit die Abstände eingehalten werden können. © Heike Bierkämper

Und noch etwas kommt für Michael Meyerink dazu: „Mit der Eiszeit würde ich ja mir selbst im Restaurant, aber auch anderen Gastronomen die Gäste wegnehmen. Das können wir alle in dieser Zeit nicht gebrauchen.“

Eisbahn wäre coronabedingt wohl möglich gewesen

Das alles gilt jedoch nur für die Almhütte mit dem gastronomischen Angebot. Auf der Eisbahn unter freiem Himmel jedoch hätten die Abstände und Corona-Regeln eingehalten werden können. Warum also wird nicht wenigstens die Bahn in der Winterzeit auf dem Parkplatz hinter dem Alten Rathaus aufgebaut?

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Auch darüber hat Michael Meyerink nachgedacht. Schließlich hat er die Kunst-Eisbahn vor ein paar Jahren gekauft. Sie gehört also ihm und steht auf jeden Fall zur Verfügung. Es wäre doch schade, wenn sie in diesem Jahr im Keller bleiben würde, findet auch der Gastronom. Doch mit der Eisbahn alleine verdient er kein Geld. Deswegen hat er der Stadt in einem Schreiben Mitte August zwei Vorschläge gemacht.

Stadt Vreden will im Moment keine hohen Kosten auf sich nehmen

Der erste Vorschlag: Die Stadt könnte die Eisbahn von ihm mieten, er übernimmt für eine gewisse Summe den Betrieb samt Aufsicht und so weiter. „Wir haben das im Rat im nicht-öffentlichen Teil vorgeschlagen. Das Meinungsbild war eindeutig. Die genannte Summe war allen zu hoch“, erklärt Bernd Kemper, Erster Beigeordneter der Stadt Vreden, warum diese Alternative nicht zustande kam.

Gerade wegen der Pandemie könne die Stadt momentan für so ein Angebot nicht viel Geld ausgeben. Das sei wohl auch dem Gastronomen selbst klar gewesen, weshalb er die Idee in seinem Schreiben an den Bürgermeister zwar nennt, aber als nicht wirklich realistisch einstuft.

Die Eisbahn ist vor allem bei Kindern sehr beliebt.

Die Eisbahn ist vor allem bei Kindern sehr beliebt. © Heike Bierkämper

Der zweite Vorschlag: Michael Meyerink stellt die Eisbahn zur Verfügung und die Stadt übernimmt den Betrieb samt Aufsicht. „Auch das kam für uns nicht infrage. Das ist einfach nicht unsere Kernkompetenz“, so Bernd Kemper für die Stadtverwaltung. Das ist eher Aufgabe von Stadtmarketing und Citymanagement, die daraufhin auch Gespräche mit dem Gastronomen führten. Gemeinsam wurde überlegt, wie der Betrieb der Eisbahn unter Corona-Einschränkungen funktionieren könnte.

Keine Eisbahn, dafür aber eine Almhütte im nächsten Jahr

Doch dann kam es anders als geplant. Denn der Vermieter der Almhütte für die Vredener Eiszeit meldete sich bei Michael Meyerink. „Er hatte einen anderen Interessenten für die Hütte, der wollte aber einen festen Fünf-Jahres-Vertrag. Das hätte bedeutet, dass wir in den nächsten Jahren keine Hütte mehr hätten“, erzählt der Vredener.

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Die beiden machen einen Deal. Der Hütten-Vermieter bekommt in diesem Jahr die Eisbahn für sein Restaurant in Bad Laer im Teutoburger Wald und dafür kann Michael Meyerink auch in den nächsten Jahren die Almhütte mieten. „Das war uns sehr wichtig, schließlich wollen wir die Eiszeit auf jeden Fall in den kommenden Jahren fortführen“, so Michael Meyerink.

So sieht es auch Karin Otto, Leiterin des Stadtmarketings: „Die Absage ist sehr schade, aber gut ist, dass wir weiter langfristig mit der Eiszeit planen können.“ Derzeit laufen zudem zahlreiche Gespräche zu möglichen Aktionen in der Innenstadt während der Adventszeit. Konkreter kann Karin Otto da aber noch nicht werden.

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