Injoymed-Leiterin Vera Groeneveld im leeren Fitnessstudio. Trotz der neuen Luftreinigungsgeräte, wie rechts im Bild, bleiben die Fitnessstudios geschlossen. Doch der Bewegungsmangel gehe auf Kosten der Gesundheit. © Madlen Gerick
Coronavirus

Vredener Fitnessstudio warnt vor Folgen des Bewegungsmangels im Lockdown

Die Fitnessstudios müssen trotz Hygienekonzepte weiter geschlossen bleiben. Das bereitet finanzielle Sorgen und kann auf Dauer bei manchem zu großen gesundheitlichen Problemen führen.

Die erste Januarwoche – für viele Menschen ist jetzt die Zeit ihre guten Vorsätze für das neue Jahr in die Tat umzusetzen und sich zum Beispiel beim Fitnessstudio anzumelden. Doch aktuell zeichnet sich ein anderes Bild ab: Die meisten Menschen machen weniger Sport, da Vereine und Fitnessstudios geschlossen bleiben müssen. Bis zum 31. Januar mindestens. Das hat negative Folgen – für die Fitnessstudios selbst, für ihre Mitglieder und für die, die es werden wollen.

„Die Leute fragen schon dauernd: Wann können wir wieder Sport machen?“ erzählt Anna-Karina Madzso, die zusammen mit Vera Groeneveld, die Studioleitung des Injoymed in Vreden inne hat. Eine Frage, auf die auch die beiden Studioleiterinnen keine Antwort haben.

Seit Anfang November ist ihr Fitnessstudio jetzt geschlossen. Mit Hilfe verschiedener Online-Kurse und einer Geräte-Ausleihe versuchen sie die rund 600 Mitglieder in Bewegung zu halten. „Das wird angenommen, weil es keine andere Lösung gibt, aber das ist einfach nicht das gleiche“, so Anna-Karina Madzso. Es fehlten die sozialen Kontakte im Studio und die Motivation für den Sport, die durch den regelmäßigen Studiobesuch entsteht.

Staatliche Finanzhilfe ist noch nicht angekommen

Für das Fitnessstudio selbst bedeutet der erneute Lockdown starke finanzielle Einbußen. Zwar hätten nur wenige Mitglieder ihren Vertrag gekündigt, doch gleichzeitig kämen auch keine neuen hinzu. Gleichzeitig haben sich die Studioleiterinnen dafür entschieden, die Mitgliedsbeiträge in diesem zweiten Lockdown nicht mehr einzuziehen. Von der staatlichen Finanzhilfe für November sei bisher nur eine kleine Anzahlung angekommen.

Die Situation ist also „nicht rosig“, so die Studioleiterinnen. Dabei hatten sie alles dafür getan, dass in ihrem Studio sicher trainiert werden kann. Es wurden zwei Luftreinigungsgeräte und ein Desinfektionsgerät angeschafft, ein Einbaustraßensystem angelegt und ein Hygiene-Konzept ausgearbeitet. Durch das Check- in und Check-out sei die Nachverfolgung stets gewährleistet.

Geschlossene Fitnessstudios auf Kosten der Gesundheit

Dass sie trotzdem nicht öffnen dürfen, dafür haben sie wenig Verständnis. „Fitnessstudio ist nicht gleich Fitnessstudio. 80 Prozent kommen ihrer Gesundheit zuliebe und nicht, weil sie irgendein Schönheitsideal anstreben“, sagt Anna-Karina Madzso. Der Besuch im Fitnessstudio sei also nicht nur Freizeitgestaltung, sondern vor allem Einsatz für die eigene Gesundheit – und deswegen unglaublich wichtig. „Mal draußen joggen gehen ist einfach nicht das Gleiche wie ein qualitatives Training an den Geräten“, so Vera Groeneveld.

Studioleiterinnen Vera Groeneveld und Anna-Karina Madzso vor den abgesperrten Trainingsgeräten. Diese wurden extra zur Seite gestellt, um mehr Abstand zwischen den restlichen Geräten im Fitnessstudio zu erlauben.
Die Studioleiterinnen Vera Groeneveld und Anna-Karina Madzso vor den abgesperrten Trainingsgeräten. Diese wurden extra zur Seite gestellt, um mehr Abstand zwischen den restlichen Geräten im Fitnessstudio zu erlauben. © Gerick © Gerick

Die beiden Studioleiterinnen befürchten unter anderem häufigere Rückenprobleme, Herz-Kreislauf-Probleme und Adipositas in der Bevölkerung, wenn die Fitnessstudios noch viel länger geschlossen bleiben müssen. „Das sieht man jetzt schon in der Physiotherapie. Da gibt es mittlerweile viel mehr Verordnungen zur Krankengymnastik“, so Vera Groeneveld. Auf lange Sicht würde das dann das Gesundheitssystem belasten.

Bewegung stärkt das Immunsystem

Deswegen rät sie allen: „Bleibt in Bewegung, jeder so gut wie er kann.“ Anna-Karina Madzso ergänzt: „Also nicht wie im Werbespot der Bundesregierung mit einer Cola auf der Couch liegen“. Denn durch gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung werde das Immunsystem gestärkt. „Das ist eine unserer wichtigsten Waffe im Moment – neben der Impfung und zu Hause bleiben.“

Bis sich die Mitglieder wieder im Fitnessstudio bewegen können, nutzen Vera Groeneveld und Anna-Karina Madzso die Zeit für Renovierungsarbeiten im Kellergeschoss, in den Umkleiden und im Bistro. Trotz finanzieller Sorgen sind sich die beiden sicher, dass sie bald wieder aufmachen können. Anna-Karina Madzso erklärt: „Wir glauben, dass es nach dem Lockdown leider so viele gesundheitliche Folgen gibt, dass wir wieder gebraucht werden.“

Über die Autorin
freie Mitarbeiterin
Das Praktikum bei der Münsterland Zeitung hat mich für den Journalismus begeistert. Also ging es nach Dortmund, um Journalistik zu studieren. Wenn ich wieder in der Heimat bin, liebe ich es über Themen zu berichten, die die Menschen hier bewegen.
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Madlen Gerick

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