Vredener gibt seine Schuld an schwerem Fahrradunfall im letzten Moment zu

mlzRathausparkplatz

Dass er nach einem Unfall geflohen ist, stritt ein 61-jähriger Vredener am Dienstag nicht ab. Er hatte einen Radfahrer umgefahren. Von einer Strafe wollte er trotzdem erstmal nichts wissen.

Vreden

, 29.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Rückwärtsgang hat ein 61-jähriger Vredener Autofahrer am Rathausparkplatz erst einen 80-jährigen Radfahrer angefahren – und ist dann einfach weggefahren. Genau genommen sogar zweimal.

Der 61-jährige war im vergangenen Oktober in Eile und auf der Suche nach einem Parkplatz am Rathaus. Deswegen musste er schließlich auf der Gartenstraße zurücksetzen. Genau in diesem Moment wollte ein 80-jähriger Radfahrer hinter dem Fahrzeug links abbiegen.

„Ich hab auf der Straße gewartet und hab den Gegenverkehr vorbeigelassen. Dann bin ich links abgebogen. Als ich genau hinter ihm war, fuhr das Auto plötzlich wieder zurück“, erzählte der Rentner. In dem Moment seien sie auch schon zusammengeprallt.

Hand wird unter Hinterrad eingeklemmt

Der Rentner stürzte. Seine Hand wurde sogar unter dem Hinterrad des Autos eingeklemmt. Der Fahrer fuhr dann wieder vorwärts, kümmerte sich aber nicht um den Gestürzten. Der hatte sich mehrere Prellungen, eine gequetschte Hand und eine stark blutende Platzwunde am Kopf zugezogen. Er habe deswegen lange Schmerzen gehabt. Teilweise müsse er jetzt noch Schmerztabletten nehmen.

Jetzt lesen

Doch trotz des Unfalls gab der Fahrer damals Gas: Zunächst habe er zwar einen Knall gehört, sei aber dennoch weitergefahren, weil er den gestürzten Fahrradfahrer nicht gesehen haben will. „Ich dachte, der Knall käme aus dem Kofferraum, weil dort etwas umgekippt ist“, erklärte er vor Gericht.

Zeugin machte Unfallfahrer auf Kollision aufmerksam

Dann habe ihn auf dem Parkplatz eine Zeugin auf den Unfall aufmerksam gemacht. Er wendete und fuhr zurück. Durch die offene Seitenscheibe sagte er dem blutenden Unfallopfer noch, dass er gleich wiederkomme. Und wieder gab er Gas und fuhr weg – dieses Mal endgültig.

Das räumte er auch gleich zu Beginn der Verhandlung ein. „Ich hab einen Riesenfehler gemacht und bin einfach gefahren“, sagte er. Vor Gericht versuchte er am Dienstag dennoch, straffrei aus der Sache herauszukommen. Mit seinem Verteidiger hatte er Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt.

Überhaupt noch zum Autofahren fähig?

Nach ihrer Schilderung habe der 61-Jährige den Unfall zunächst nicht mitbekommen. „Dass er sich falsch verhalten hat, ist keine Frage“, räumte der Verteidiger ein. Sein Mandant habe jedoch einen sehr stressigen Tag gehabt.

Davon wollte der Richter nicht viel wissen: „Wer einen Radfahrer umfährt, aber nichts merkt, bei dem stellt sich die Frage, ob er überhaupt noch fahren kann“, donnerte er. Er werde im Zweifel auch das Straßenverkehrsamt informieren. Dann würde untersucht, ob der 61-Jährige den Führerschein überhaupt noch einmal wiederbekomme.

Angeklagter hat Angst vor Entzug des Führerscheins

Dennoch hielten der Verteidiger und sein Mandant zunächst an ihrem Einspruch fest. Vor allem der drohende Entzug des Führerscheins mache ihnen Sorgen. „Das wäre eine besondere Beeinträchtigung, weil sein Lebensgefährte in einem Pflegeheim in Coesfeld liegt“, erklärte der Verteidiger.

„Eine Einstellung kommt überhaupt nicht in Betracht. Sie haben das Opfer gesehen und sind trotzdem einfach weggefahren“, sagte der Richter eindringlich. „Ich appelliere an Ihre Vernunft, sich das mit dem Einspruch zu überlegen“, auch da fand er noch einmal sehr deutliche Worte.

Unfallfahrer zieht Einspruch schließlich doch noch zurück

Erst da beriet sich der Verteidiger noch einmal mit dem Angeklagten. Nach einer kurzen Pause kamen sie wieder. „Wir ziehen den Einspruch zurück“, sagte der Verteidiger leise.

Einzig bei der Höhe der Tagessätze ließ der Richter noch mit sich reden. Am Ende muss der 61-jährige Vredener eine Geldstrafe von 900 Euro zahlen. Wegen seiner Einkommensverhältnisse: Zurzeit bezieht er Hartz IV. Außerdem wird seine Fahrerlaubnis eingezogen und er bekommt eine zehnmonatige Sperrfrist.

Lesen Sie jetzt