Vredener hätte auf dem Schiff von Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete sein sollen

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Ein Zufall hat verhindert, dass Daniel Babilon aus Vreden bei der Verhaftung von Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete an Bord des Schiffes war. Doch der Vredener kennt die 31-Jährige gut.

Vreden

, 06.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Egal ob an der Supermarktkasse oder auf der Straße: Daniel Babilon wird momentan immer und überall in eine Diskussion über das Thema Seenotrettung verwickelt. Der Vredener engagiert sich bei der Organisation Sea Watch, die derzeit wegen der Verhaftung der Kapitänin Carola Rackete in den Medien ist.

Daniel Babilon kennt Carola Rackete gut. Im vergangenen Jahr saßen die beiden wochenlang gemeinsam im Hafen von Malta fest, weil das Schiff aus politischen Gründen nicht auslaufen durfte. „Carola hat schon Expeditionen in der Arktis und in Russland hinter sich. Sie kann mit Extremsituationen umgehen“, beschreibt er die 31-Jährige. Mit ihr selbst hatte er seit der Verhaftung keinen Kontakt, wohl aber mit einigen Crewmitgliedern.

Carola Rackete ist ohne Erlaubnis in italienischen Hafen eingelaufen

Aus diesen Erzählungen berichtet Daniel Babilon, wie die Situation an Bord des Schiffes Sea Watch 3 war. 40 aus Seenot gerettete Flüchtlinge befanden sich an Bord, plus eine 21-köpfige Crew. „Darunter waren zehn Personen, die dringend Hilfe benötigten“, so der Vredener. Tagelang lag das Schiff vor der italienischen Insel Lampedusa, außerhalb von italienischen Hoheitsgewässern. Ein Einfahren ohne Erlaubnis ist nämlich verboten.

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Doch auch mehrere Tage später gab es keine Erlaubnis, auch nicht nach Ausrufen eines Notstands. Die Situation an Bord des Schiffes habe sich währenddessen immer weiter verschlechtert. „Es gab Selbstmorddrohungen, viele Leute haben angekündigt, den Rest schwimmen zu wollen. Dabei können die meisten gar nicht schwimmen. So eine Situation ist für alle eine extreme psychische Belastung“, erzählt Daniel Babilon. Seine Einschätzung: „Das war nicht mehr zu verantworten. Carola Rackete hat das einzig richtige getan.“ Sie ist in den Hafen eingelaufen und wurde daraufhin festgenommen.

Daniel Babilon sollte an Bord der Sea Watch 3 sein

Eigentlich hätte Daniel Babilon selber auf dem Schiff sein sollen. Kurzfristig hat er aber den Einsatz mit einen Kollegen getauscht. Am Donnerstag hätte er nun an Bord der Sea Watch 3 gehen sollen. Doch das geht jetzt nicht, weil die italienische Staatsanwaltschaft das Schiff beschlagnahmt hat. Es wird im Hafen von Sizilien untersucht. „Es darf keine neue Crew an Bord, deswegen stehe ich jetzt auf Abruf bereit“, erzählt der Vredener.

Sobald das Schiff freigegeben ist, wird er nach Italien reisen und dann vermutlich in See stechen, um Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Es wäre sein erster richtiger Einsatz für die Organisation. Bei seiner Mission 2018 durfte das Schiff in Malta nicht auslaufen, im März 2019 saß das Schiff aus politischen Gründen in Marseille fest.

„Sea Watch arbeitet nicht mit Schleppern zusammen“

Daniel Babilon steht hinter seinem Engagement bei Sea Watch, auch wenn er immer wieder mit Kritik konfrontiert wird. Es geht um den Vorwurf „Beihilfe zur Schlepperei“. Häufig wird argumentiert, wenn es die privaten Seenotretter nicht geben würde, würden viel weniger Flüchtlinge den Seeweg nehmen.

Daniel Babilon antwortet darauf immer dasselbe: „Wir arbeiten nicht mit Schleppern zusammen, dafür gibt es auch Belege. Die private Seenotrettung ist eine Notreaktion auf die Gesamtsituation. Es kann aber natürlich nicht sein, dass wir auf Dauer dafür zuständig sind. Da muss die Politik Lösungen liefern. Aber solange retten wir die Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.“

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