„Ungesunde Beziehung“: 19-Jähriger schlägt seine Freundin immer wieder

mlzHäusliche Gewalt

Ein 19-jähriger Vredener hat seine Freundin mehrmals verprügelt und beklaut. Einmal wurden sogar zwei völlig unbeteiligte Kinder verletzt. Vor Gericht ging es ebenfalls hoch her.

Vreden

, 07.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neun Anklagen mit jeweils mehreren Unterpunkten, so viele Zuschauer, dass nicht alle im Gerichtssaal Platz fanden und sechs Stunden Verhandlung: Für das Amtsgericht Ahaus war es ein Mammutprozess. Die Vorwürfe gegen den 19-jährigen Vredener lassen sich mit zwei Schlagworten zusammenfassen: häusliche Gewalt und Beschaffungskriminalität.

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Der Angeklagte wurde aus dem Gefängnis ins Amtsgericht gebracht. Dort sitzt er in Untersuchungshaft, weil die Abstände zwischen seinen Taten immer kürzer wurden. Schluss mit lustig war Ende Juni, als bei einer Auseinandersetzung zwischen ihm und seiner Ex-Freundin zwei völlig unbeteiligte Kinder verletzt wurden.

Ungesunde Beziehung geprägt von häuslicher Gewalt

Die Gerichtsverhandlung drehte sich vor allem um die Beziehung zwischen dem 19- und der 22-Jährigen. Sie war geprägt von häuslicher Gewalt. „Er hat mich dauernd geschlagen. Er hat mich von meinem Freundeskreis abgekapselt und erzählt, dass mir niemand helfen würde“, erzählte die Vredenerin und hielt ihre Hand in die Luft, um zu zeigen, dass sie zittert. „Ich habe einfach Angst.“

Ganz so einfach war die Sache dann aber doch nicht. Denn schon mehrfach hatte sie eine einstweilige Verfügung gegen den jungen Mann erwirkt – ihn dann aber wieder bei sich wohnen lassen oder ihn zu sich eingeladen. Manchmal lief die Beziehung ganz harmonisch, doch früher oder später kam es immer wieder zum Streit.

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„Sie hat mich ständig provoziert“, sagte der Angeklagte. Zum Beispiel als sie sich trotz einstweiliger Verfügung mit ihrem neuen Freund genau vor dem Fenster ihres Ex-Freundes traf. Oder als sie ihn angriff, weil sie glaubte, er habe sie betrogen. „Sie hat mich gekratzt, davon habe ich heute noch Narben“, berichtete der 19-Jährige und zeigte dem Richter seine Arme.

„Sie beide führen wirklich eine ungesunde Beziehung“, so der Richter. Auch der Staatsanwalt sah ein: „Sie sind hier nicht für alles alleine verantwortlich.“ Nichtsdestotrotz ginge es aber natürlich gar nicht, solche Konflikte mit Gewalt zu lösen.

Drogensucht wohl Auslöser für kriminelle Karriere

Der 19-Jährige führte seine Ausraster vor allem auf seine Drogensucht zurück. Bei allen Taten hatte er entweder Kokain genommen oder litt unter Entzugserscheinungen. „Keine drei Sekunden später bereue ich meine Taten. Ich versuche dann, alles wieder gut zu machen“, meinte er im Gerichtssaal.

Zum Beispiel als er den Fernseher seiner Freundin klaute und verkaufte, während die nach einer Prügelattacke im Krankenhaus war, nur um ihn später für das Doppelte wieder zurückzukaufen. Oder als er ihre Kette von der Großmutter vom Juwelier zurückholte, die er dort vorher selbst verkauft hatte, um neue Drogen bezahlen zu können.

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Nachdem er seinem besten Freund eine Gabel in die Schulter gerammt hatte, schrieb er einen Entschuldigungsbrief. Und als bei einer Auseinandersetzung mitten in der Innenstadt zwei Jungen von Pfefferspray getroffen wurden, ging der 19-Jährige hin und entschuldigte sich bei den Eltern und den Kindern.

Familie und Ex-Freundin fangen sich Rüffel ein

„Einsicht ist ja gut, aber das nützt doch nur etwas, wenn sie daraus auch lernen“, meinte der Staatsanwalt. „Ich stehe für alles gerade, was ich getan. Ich nehme jede Strafe an. Ich will nur endlich mein altes Leben zurück“, erwiderte der 19-Jährige in seinem Schlusswort.

Er blieb während der ganzen Verhandlung ruhig, gab alles unumwunden zu und drückte sich gewählt aus. Mitglieder seiner Familie jedoch fingen sich des Öfteren einen Rüffel des Richters ein, weil sie dazwischen riefen. Auch seine Ex-Freundin wurde ermahnt, weil sie offen zeigte, wenn sie mit den Aussagen des Angeklagten nicht konform ging.

Das Urteil jedoch nahm sie zufrieden grinsend zur Kenntnis: ein Jahr und sechs Monate Jugendstrafe. Der 19-Jährige soll zudem die Möglichkeit bekommen, eine stationäre Drogentherapie zu machen.

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