Die Zeugnisse an den weiterführenden Schulen in Vreden werden zum Ende des Halbjahres persönlich übergeben. © picture alliance / Ina Fassbende
Halbjahreszeugnisse

Vredener Schulen überreichen Zeugnisse persönlich: „Am praktikabelsten“

Auch in Vredener Schulen steht weiterhin Distanzunterricht auf der Tagesordnung. Die Zeugnisse erhalten die Schüler am Freitag allerdings trotzdem persönlich. Aus verschiedenen Gründen.

Die Entscheidung war nicht leicht, aber am Ende fiel sie an allen weiterführenden Schulen gleich aus: Die Vredener Schülerinnen und Schüler erhalten am Freitag, 29. Januar, ihre Halbjahreszeugnisse persönlich überreicht. Trotz der Corona-Pandemie und der geltenden Kontaktbeschränkungen. Die Schulleitungen nannten unterschiedliche Gründe.

Gisela Huning, Leiterin der Sekundarschule Vreden, erklärt: „Die Übergabe eines so wichtigen Dokuments sollte persönlich erfolgen.“ Außerdem sei es die Möglichkeit, wenigstens kurz in direkten Kontakt zu den Schülern zu treten. „Wir befinden uns seit Dezember im Distanzunterricht. Da bleibt einiges auf der Strecke, was durch Videokonferenzen nicht aufgefangen werden kann.“

Kurze Gelegenheit, um persönliche Fragen zu stellen

Daher nutzt die Sekundarschule die Zeugnisübergabe, um sich einen Eindruck von dem Schüler oder der Schülerin zu verschaffen. „Wie geht es ihm oder ihr? Wie läuft das Homeschooling? Das sind Fragen, die man am besten von Angesicht zu Angesicht klärt“, sagt Gisela Huning.

Gisela Huning ist der kurze, persönliche Kontakt trotz Corona wichtig.
Gisela Huning ist der kurze, persönliche Kontakt trotz Corona wichtig. © Anne Rolvering © Anne Rolvering

Natürlich wisse sie, dass Kontaktminimierung das Gebot der Stunde sei. Daher hat die Sekundarschule ein ausgefeiltes Konzept auf die Beine gestellt. Jeder Schüler bekommt einen Zeitslot von circa zehn Minuten. Damit sich niemand begegnet, gibt es im Schulgebäude ein Wegesystem. Masken und Abstand sind sowieso Pflicht. „Die Infektionsgefahr geht gegen null“, sagt Gisela Huning. Sollte es trotzdem ein Schüler als zu heikel betrachten, für den finde man dann eine individuelle Lösung.

Kosten spielen eine wichtige Rolle

Die St.-Felicitas-Schule fährt ein ähnliches Konzept. Hier kommen am Freitag zwischen 8 und 13 Uhr die Eltern der Schüler zur zuvor vereinbarten Zeit und erhalten dort ihre Zeugnisse. Allerdings draußen auf dem Schulhof und nicht im Klassenzimmer. Schulleiter Sven Kruse nennt zunächst ein ähnliches Argument wie seine Kollegin von der Sekundarschule: „Es ist uns gerade in diesen Zeiten wichtig, den Kontakt zu den Eltern nicht abbrechen zu lassen.“

Längere Gespräche soll es aber nicht geben. „Im Regelfall ist das eine Sache von 20 Sekunden. Es wird definitiv kein Elternsprechtag“, sagt Kruse. Für seine Entscheidung gibt es neben der kurzen persönlichen Begegnung noch weitere Argumente. Der Schulleiter hätte beim Postversand mit Zusatzkosten von rund 400 Euro gerechnet. „Ob es da einen Zuschuss gegeben hätte, ist völlig unklar.“

Sven Kruse ist seit 2018 Leiter der St.-Felicitas-Schule. Er ist froh, wenn ab dem 22. Februar langsam wieder Schüler zurückkehren.
Sven Kruse ist seit 2018 Leiter der St.-Felicitas-Schule. Er ist froh, wenn ab dem 22. Februar langsam wieder Schüler zurückkehren. © privat © privat

Einige Schülerinnen und Schüler bekommen das Zeugnis trotzdem bis vor die Haustür geliefert – allerdings von ihren Lehrern und nicht vom Postboten. „Ein paar Kollegen müssen sowieso noch Lernpakete verteilen und erledigen das dann in einem Abwasch.“

Gymnasiasten kommen gestaffelt

Dr. Jürgen Klomfaß, Schulleiter des Gymnasium Georgianum, setzt ebenfalls auf die persönliche Übergabe. Allerdings aus rein pragmatischen Gründen. „Es ist die praktikabelste Lösung. Wenn wir wirklich die Zeugnisse im Original versenden würden, hätte uns das je 2 Euro Porto gekostet. Die 1600 Euro können wir an anderer Stelle besser gebrauchen“, so Klomfaß.

Für Dr. Jürgen Klomfaß überwiegen bei der Zeugnisübergabe die praktischen Gründe.
Für Dr. Jürgen Klomfaß überwiegen bei der Zeugnisübergabe die praktischen Gründe. © Stephan Rape © Stephan Rape

Außerdem dürfe man bei rund 800 Schülern auch den bürokratischen Aufwand nicht unterschätzen. „Unser Sekretariat wäre da tagelang mit beschäftigt.“ Um die Infektionsgefahr zu reduzieren, übergeben einige Lehrer die Zeugnisse aus dem offenen Fenster. „Das erinnert ein bisschen an einen Drive-in-Schalter“, erklärt der Schulleiter des Gymnasiums.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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